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Produzent einer Jugendsendung wollte Nacktbilder von 13-Jähriger erpressen

Während über vier Jahren gab sich ein Mann im Internet als Mädchen aus und gelangte so an Nacktbilder und -videos von unter 16-jährigen Teenagern. Bis er noch einen Schritt weiter ging.

Am Montag stand ein Mann vor dem Bezirksgericht Pfäffikon, der sich auf Internetplattformen selber als unter 16-jähriges Mädchen ausgab, um an Nacktbilder und Filme zu gelangen.
Am Montag stand ein Mann vor dem Bezirksgericht Pfäffikon, der sich auf Internetplattformen selber als unter 16-jähriges Mädchen ausgab, um an Nacktbilder und Filme zu gelangen.
Archiv, Keystone

Ganz in schwarz ist der Beschuldigte an diesem heissen Sommernachmittag gekleidet. In der einen Hand eine Zigarette, in der anderen ein Red Bull, schlendert er die Quartierstrasse zum Bezirksgericht Pfäffikon hoch. Im Gerichtssaal bekennt er sich schuldig, mehrere Kinder zu sexuellen Handlungen aufgefordert zu haben. Zudem besass er über 66000 Dateien aus dem Internet, in denen sexuelle Handlungen mit Kindern zu sehen sind, hauptsächlich unter 16-jährige Mädchen, nackt oder beim Geschlechtsverkehr.

Der Beschuldigte war während über vier Jahren aktiv. In dieser Zeit arbeitete er als Produzent einer Fernsehsendung für Jugendliche und junge Erwachsene, die für eine Auszeichnung nominiert war.

Aufforderung via Chat

Der Mann gab sich auf verschiedenen Internetplattformen selber als unter 16-jähriges Mädchen aus, um an Nacktbilder und Filme zu gelangen. Von insgesamt zehn Mädchen erhielt er – nach entsprechender Aufforderung – Filme und Bilder, in denen sie sich im Intimbereich berühren.

«Ich bin dankbar, dass ich verhaftet wurde.»

Der Beschuldigte zur Richterin

Dieses Vorgehen klappte auch bei einer damals Zwölfjährigen, die ihm «mindestens zehn Fotografien und eine Filmaufnahme schickte», wie es in der Anklageschrift heisst. Irgendwann brach sie den Kontakt ab. Der Beschuldigte wollte aber einige Monate später mehr Material und nötigte das Mädchen, ihm mehr Fotos und Filme zu senden. Ansonsten würde er die bisherigen Aufnahmen ins Netz stellen, drohte er. Das Mädchen weigerte sich. Und suchte später Hilfe bei ihrer Mutter. Die Kantonspolizei verhaftete daraufhin den Beschuldigten.

«Ich bin dankbar, dass ich verhaftet wurde», sagte der Beschuldigte am Montag vor Bezirksgericht. «Ich wollte da rauskommen.» Zuvor hatte ihn die Richterin gefragt, weshalb er das getan habe. «Es hatte sich in meinem Leben festgesetzt, wie ein Automatismus. Ich habe es einfach gemacht und gar nicht mehr überlegt.» Wäre er nicht erwischt worden, hätte diese Phase wohl länger angehalten, sagte der Beschuldigte. Das Ganze habe sich aber ausschliesslich im Internet abgespielt. Abseits davon hätten ihn junge Mädchen nie sexuell gereizt.

«Missbrauch unterstützt»

Das gestrige Verfahren war abgekürzt. Sprich: Der Beschuldigte akzeptierte das Schuldmass der Staatsanwaltschaft bereits im Vorfeld: Insgesamt 26 Monate Freiheitsstrafe sowie eine Busse von 500 Franken. Der Freiheitsentzug wird allerdings vorerst aufgeschoben und eine ambulante Therapie angeordnet. Je nach Erfolg der Therapie muss der Mann die Freiheitsstrafe also antreten oder nicht. «Um mein Leben in den Griff zu bekommen, ist eine Therapie sicher die beste Option», sagte der Beschuldigte am Montag zur Richterin.

«Sie habengegenüber dem Mädchenein hartnäckigesVerhalten an den Tag gelegt.»

Die Richterin zum Beschuldigten

Das Gericht bestätigte den Antrag der Staatsanwaltschaft nach rund einstündiger Diskussion. «Es ist kein eindeutiger Fall», sagte die Richterin zum Strafmass. Die Schwere seiner Tat sei erheblich: «Sie haben gegenüber dem Mädchen ein hartnäckiges Verhalten an den Tag gelegt, um an weitere Bilder zu gelangen», sagte die Richterin. Indem er sehr viel kinderpornographisches Material besass, habe er den Missbrauch hinter diesen Bildern und Videos unterstützt: «Jeder, der die Bilder runterlädt, generiert eine Nachfrage.» Der Beschuldigte war zudem schon einmal für den Besitz von Kinderpornographie verurteilt worden.

«Eine letzte Chance»

Zugute kam dem Beschuldigten hingegen die schwere Kindheit und seine fehlende Tagesstruktur, sowie sein sofortiges Geständnis. «Am Ende haben wir das Strafmass knapp gutgeheissen», sagt die Richterin. Damit verbunden sei auch die Hoffnung, dass er die Therapie mit viel Engagement angehe. «Es ist in dem Sinn eine letzte Chance.»

Nebst der Therapie darf der Beschuldigte in seinem Beruf während zehn Jahren nicht in Kontakt mit Minderjährigen stehen. Ausserdem verhängte ihm das Gericht ein fünfjähriges Kontaktverbot zu unter 16-Jährigen. Drei beschlagnahmte Festplatten und zwei Telefone auf denen sich Kinderpornographie befand, wurden zerstört. Die Verfahrenskosten von 16800 Franken muss der Beschuldigte tragen. Einzig das Honorar des Verteidigers, rund 10000 Franken, werden der Staatskasse belastet.

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