Agasul

Rekurs gutgeheissen, bauen können sie doch

Der Zürcher Heimatschutz hat gegen den Umbau eines Bauernhauses in Agasul rekurriert und Recht bekommen. Die Familie Baumann, die einen Biobetrieb führt, kann trotzdem umbauen.

Das Projekt wurde mittlerweile den Wünschen des Heimatschutzes angepasst.

Das Projekt wurde mittlerweile den Wünschen des Heimatschutzes angepasst. Bild: Enzo Lopardo

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Mitte Juni hat das Verwaltungsgericht entschieden, am Montag ist das Urteil öffentlich geworden: Es hat den Rekurs des Zürcher Heimatschutzes gegen die Bewilligung für den Umbau des Bauernhauses an der Luckhauserstrasse in Agasul gutgeheissen. Es ist das Haus von Valentin und Andrea Baumann. Das Paar wohnt mit seinen vier Kindern und Andreas Vater dort und betreibt einen Biohof («Landbote» vom 28. Januar). Das Wohnhaus mit Scheune entstand 1849 und hat sich seither kaum verändert.

Sehr wohnlich ist es dort nicht mehr. Im Winter sinken die Temperaturen in den Schlafzimmern gegen Null Grad, das Badezimmer ist so klein, dass nur eine Person drin Platz hat. Ein Wohnzimmer fehlt, auch die Heizung in den Zimmern. Die Wände sind nicht isoliert. Umbauten sind dringend nötig, damit die Familie dort weiter leben und ihren Hof mit Mutterkühen, Pferden und Hühnern betreiben kann.

Langes Verfahren

Seit über drei Jahren planen die Baumanns nun schon an ihrem Umbauprojekt. Das Verfahren zieht sich hin, unter anderem auch, weil das alte Bauernhaus im kommunalen Schutzinventar enthalten ist. Bei einem Umbauprojekt lässt die Stadt jeweils prüfen, ob das Objekt schutzwürdig ist. Und wenn es das ist, einigen sich Eigentümer und Stadt in einem Vertrag darüber, was wie geschützt werden soll. Das ist in diesem Fall geschehen.

«Die Verwirkungsfrist beginnt jedoch nicht zu laufen, wenn die Publikation dergestalt qualifiziert mangelhaft ist, dass ein Dritter auch bei Anwendung durchschnittlicher Aufmerksamkeit und trotz angemessener Sorgfalt den Mangel nicht erkennen kann»Aus dem Urteil

Vor Verwaltungsgericht war der Fall deshalb, weil der Zürcher Heimatschutz gegen die fehlerhafte Publikation des Baugesuches seitens der Stadt rekurriert hat. Der Vermerk «inventarisiert» ging vergessen, so dass der Heimatschutz die Frist für die Anfechtung verpasste. Ohne diesen Vermerk erfährt der Verein nichts vom Gesuch. Und dies könne ihm nicht zur Last gelegt werden, urteilt nun das Gericht.

Eine Person kann nur dann rekurrieren, wenn sie innert 20 Tagen nach der Publikation des Baugesuchs den Baurechtsentscheid verlangt. Ansonsten hat sie dieses Recht verwirkt. «Die Verwirkungsfrist beginnt jedoch nicht zu laufen, wenn die Publikation dergestalt qualifiziert mangelhaft ist, dass ein Dritter auch bei Anwendung durchschnittlicher Aufmerksamkeit und trotz angemessener Sorgfalt den Mangel nicht erkennen kann», heisst es im Urteil. Und ein solcher «qualifizierter Mangel» liege hier vor. Somit müsste das Baurekursgericht als Vorinstanz nun noch inhaltlich über den Rekurs befinden.

Enttäuscht wegen des Urteils sei er nicht, sagt Valentin Baumann. Denn mittlerweile hätten sie ihr Projekt derart angepasst, dass auch der Heimatschutz damit leben könne und den Rekurs zurückziehe oder dieser gar gegenstandslos werde.

«Wichtige Präjudizien»

Darauf angesprochen, bestätigt Martin Killias, Präsident des Heimatschutzes, den Sachverhalt. «Wir haben Nägel mit Köpfen gemacht.» Trotzdem sei es dem Heimatschutz wichtig gewesen, das formaljuristische Detail mit dem Vermerk zum Inventar zu klären. «Das sind wichtige Präjudizien.» Baumann jedoch fühlt sich missbraucht, wie er sagt. Ein schaler Nachgeschmack bleibe.

Der Stadt ist es ein Anliegen, dass der Leidensweg der Familie nun ein rasches Ende nimmt, wie David Gerig, Leiter der Abteilung Hochbau, sagt. «Wir werden den Gerichtsentscheid nicht weiter ziehen.» Es habe eine Begehung vor Ort gegeben. Und: «Eine aussergerichtliche Einigung steht in Aussicht.» Vor dem Winter werden die Bauarbeiten aber kaum oder nur teilweise beginnen können. Denn erst muss die Familie noch eine Projektänderung einreichen, zu der auch der Kanton abschliessend Ja sagen muss. Denn das Haus liegt in der Landwirtschaftszone.

Erstellt: 27.08.2019, 18:15 Uhr

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