Lindau

Schöne Träume von Chrom und PS

Wer Oltimer-Autos mag, wer selber eines besitzt oder damit liebäugelt, eines zu kaufen, wer mal in einem Chevy schlafen möchte, könnte in Kemptthal dereinst sein Paradies finden. Ausser der Traum platzt – wie in Horgen.

Die Motorworld in Köln wurde erst vor zwei Wochen eröffnet. Unter anderem mit einer Sonderschau zu Michael Schuhmacher.

Die Motorworld in Köln wurde erst vor zwei Wochen eröffnet. Unter anderem mit einer Sonderschau zu Michael Schuhmacher. Bild: pd

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Die Motorworld Group ist eine von zwei Investorinnen, die in der früheren Maggi-Fabrik ganz Grosses planen: Investitionen, neue Firmen, 2000 Arbeitsplätze – ein Silicon Valley im Valley der Kempt.

Motorworld ist in ganz Auto-Deutschland und besonders unter Oldtimerfreunden ein Begriff. In Böblingen bei Stuttgart (auch das ein Fixstern im Autokosmos) betreibt die Firma in Gebäuden des früheren Landesflughafens ein Paradies für alle, die von Chrom und Lederduft träumen, von schicken Cabrios und fetten Amerikaner-Kutschen. Wer selber einen Oldtimer besitzt, kann ihn dort in einer Glasbox parken, unterhalten oder revidieren lassen, dafür sind zahlreiche spezialisierte Handwerksbetriebe eingemietet. Man kann selber schrauben an seinem Fahrzeug oder den Profi ran lassen. Man kann Fahrzeuge kaufen von Händlern oder sich einfach umschauen, gratis notabene.

«Im Sommer 2019 wird das erste Gebäude fertig sein, wir haben schon jetzt viele Mietinteressenten.»Micha Hagel, Motorworld- Projektleiter in Kemptthal

Rund 600'000 Personen kommen deswegen jedes Jahr nach Böblingen. Und wem ein Tag nicht reicht, der kann gleich dort auch im kürzlich eröffneten Hotel übernachten. In einem Chevy, einem VW-Käfer oder einem Cadillac, die zu Doppelbetten umgebaut wurden. Die Gäste, die in den einschlägigen Foren davon berichten, sind begeistert.

Eröffnung im Sommer 2019

All das könnte man in einigen Jahren auch in der alten Maggi-Fabrik in Kemptthal erleben. Micha Hagel, hörbar ein Schwabe, ist als Projektleiter bei Motorworld für Kemptthal zuständig und schon regelmässig vor Ort. Er sagt: «Im Sommer 2019 wird das erste Gebäude fertig sein, wir haben schon jetzt viele Mietinteressenten.» Dann werden auch die ersten Besucher erwartet. «Kemptthal ist mit zwei Autobahn-Anschlüssen ideal gelegen», sagt Hagel und lässt damit keinen Zweifel offen: Motorworld-Besucher kommen kaum per Bahn. Eine Prognose, wie viele es in Kemptthal dereinst sein werden, will er nicht abgeben.

Der Herr mit dem Kleingeld

Hagel verrät auch nicht, wie viel Motorworld investieren will ins Schweizer Projekt: «Wir gehen Schritt und Schritt vor, Gebäude um Gebäude, und wissen noch nicht, ob es am Ende fünf oder zehn sein werden.» Doch Hagel versichert: «Wir sind finanziell sehr gut aufgestellt. Ich sehe keinen Engpass.» Das nötige Kleingeld kommt von Andreas Dünkel. Der 54-Jährige tritt mal im Business-Anzug auf und dann wieder stilgerecht im 1930er-Look, wenn er einen seiner Oldtimer ausfährt. Er gehört zu einer schwäbischen Familie, die ein verzweigtes Firmenimperium mit vielen Immobilien besitzt, das auf das Jahr 1933 zurückgeht.

Eine dieser Firmen war es auch, die schon früh den Flughafen Böblingen kaufte und umbaute. Die heutige Motorworld in Böblingen hiess bis 2014 Meilenwerk. Dann aber ging die Meilenwerk AG, die auch in Horgen in einer alten Fabrik ein ähnliches Projekt hatte bauen wollen, Konkurs. Die Schweizer Zeitungen hatten zuvor gross berichtet von neuen Arbeitsplätzen und hochtrabenden Plänen. Nach dem Konkurs verschwanden diese fast klanglos.

Auch in Köln, München, Berlin

«Wir haben mit Meilenwerk absolut nichts zu tun», versichert Hagel. «Wir hatten damals nur die Namensrechte der Meilenwerk AG gekauft.» Jetzt aber ist Motorworld der Marktleader. Nebst Böblingen wurde eben auch in Köln eine neue Motorworld eröffnet, in München und Berlin ist man am Bauen, in Kemptthal wohl demnächst auch. (Landbote)

Erstellt: 27.06.2018, 17:33 Uhr

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