Winterberg

Sie gilt als Retterin des Dorfladens

Wäre Ursula Hebeisen nicht gewesen, gäbe es den Dorfladen Winterberg nicht mehr. So denken im Lindauer Ortsteil einige. Sie selbst hat immer daran geglaubt, dass es weiter geht.

Ursula Hebeisen war 26 Jahre lang mit dem Dorfladen verbunden. Nun ist sie als Präsidentin der Trägerschaft zurückgetreten.

Ursula Hebeisen war 26 Jahre lang mit dem Dorfladen verbunden. Nun ist sie als Präsidentin der Trägerschaft zurückgetreten. Bild: Enzo Lopardo

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Ursula Hebeisen und der Dorfladen Winterberg: Die beiden gehörten jahrelang zusammen. Hebeisen war es, die Stellung bezog, wenn die Umsatzzahlen sanken. Sie war es aber auch, die verkünden durfte, wenn sie wieder anstiegen. Im März ist die Präsidentin der Trägerschaft Dorfladen Winterberg 69-jährig zurückgetreten. Zu einem Zeitpunkt, als sich die Wolken wieder verzogen hatten und es gut lief, wie sie sagt. Von manch einem Winterberger habe sie darum den Satz gehört: «Wenn Du nicht gewesen wärst ...»

Im Jahr 1992 gründete Hebeisen zusammen mit anderen Einwohnerinnen und Einwohnern einen Verein mit dem Ziel, den Dorfladen zu retten. «Ein Dorf ohne Laden darf nicht sein», seien sie überzeugt gewesen. Geld hatte der Verein keines. Die Mitglieder baten deshalb Einwohner um Darlehen. «Die Unterstützung war gross», erzählt Hebeisen. Viele hätten sogar Geld gegeben, ohne einen Zins dafür zu verlangen.

Auch die Gemeinde beteiligte sich indirekt, sie stellte dem Verein das Land kostenlos zur Verfügung. Und über die Jahre gab es immer mal wieder einen Beitrag für grössere und kleinere Anschaffungen. Denn gemäss Ladenreglement der Gemeinde Lindau können Beiträge gesprochen werden, wenn gleichzeitig eine Trägerschaft den Dorfladen unterstützt.

Volg und Maxi

Der Holzpavillon, in dem der Laden eingerichtet ist, stammt aus Weisslingen. Der Verein konnte ihn günstig übernehmen. Fast 20 Jahre lang versorgte der Laden die Einwohner mit Volg-Produkten. Dann wurde er zu einem «Maxi» und bietet bis heute Spar-Produkte an. Hebeisen stand dem Trägerverein fast 17 Jahre lang vor, nachdem sie während zehn Jahren als Vorstandsmitglied geamtet hatte. Sie war das letzte Gründungsmitglied, das noch im Vorstand tätig war.

Als der Dorfladen im Februar 2016 von einem Tag auf den anderen schliessen musste, weil der Betreiber wegen Schulden in Konkurs ging, erlebte Hebeisen ihre schlimmste Zeit, wie sie gesteht. «Wir sind völlig überrascht worden.» Denn mit dem Betrieb selbst hat der Verein nichts zu tun. Er stellt lediglich das Lokal zur Verfügung und kümmert sich um Reparaturen.

Trotzdem fügt die Winterbergerin an: «Im Nachhinein betrachtet, waren wir wohl etwas blauäugig. Denn Anzeichen hat es schon gegeben.» Sie habe damals fast ohne Unterbruch für den Laden gearbeitet, etwa einen Abverkauf jener Produkte organisiert, die ein kurzes Ablaufdatum hatten. Dazu musste sie sich nach einem neuen Betreiber umsehen. «Meine Gesundheit hatte gelitten.» Trotzdem hat sie immer daran geglaubt, dass es weiter gehen würde. Schliesslich fand der Vorstand ein junges Ehepaar, das den Laden gut vier Monate nach der Schliessung übernahm.

Wehmut und Erleichterung

Hebeisen sitzt im Wohnzimmer ihres 120 Jahre alten Bauernhauses, nur rund fünf Gehminuten vom Dorfladen entfernt. An einer Wand hängen mehrere Pendeluhren, aus der Pumpe eines Aquariums plätschert Wasser. Sie trägt goldige Ohrringe mit blauen Steinen, am Hals eine Kette mit rostroten, türkisfarbenen und silbernen Kügelchen. Jetzt, nachdem sie das Präsidium abgegeben hat, spürt sie Wehmut, aber auch Erleichterung. «Ich bin froh, dass es in guten Händen ist», sagt sie. Übernommen hat es Niklaus Bantli, bekannt als OK-Präsident des Winterbegfests. Er ist seit gut einem Jahr Mitglied im Vorstand und seit der Generalversammlung im März Präsident.

Hebeisen wuchs in Embrach auf, lernte Drogistin und schloss mit der Meisterprüfung ab. 1977 heiratete sie, ein Jahr später zog sie mit ihrem Mann Hanspeter nach Winterberg, der dort ein eigenes Heizungs- und Sanitärgeschäft führte. Sie half im Geschäft mit, erledigte die Büroarbeit bis 2008. «Danach hatte ich Zeit für den Laden», sagt sie. Und für den Gemeinderat, dem sie im Jahr 1994 beitrat und bis 2002 treu blieb.

Keine Langeweile

Die Gefahr, dass ihr nun langweilig wird, besteht nicht. Hebeisen reist gerne. Sie besucht regelmässig ihren Sohn, der mit seiner Partnerin in der Karibik lebt und dort als Informatiker arbeitet. Damit sie sich verständigen kann, geht sie seit Jahren einmal pro Woche in einen Englisch-Konversationskurs. Island, Grönland oder Patagonien sind ihre nächsten Ziele. Und wenn sie zuhause ist, gärtnert sie, liest Bücher oder hütet ihre zwei Enkel. Denn die Hebeisens haben auch noch zwei Töchter. Eine von ihnen lebt im Haus nebenan.

Erstellt: 16.06.2019, 18:02 Uhr

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