Wila

SP und SVP kämpfen um das Präsidium

Am 28. Februar wählt Wila einen neuen Präsidenten. Die beiden Bewerber sind sich in vielen Fragen uneins: Christoph Pohl (SP) spricht sich etwa für eine Fusion aus. Hans-Peter Meier (SVP) ist klar dagegen. Ein Streitgespräch.

Christoph Pohl, Präsident Rechnungsprüfungskommission, will die Identität des Tösstals schärfen. Hans-Peter Meier, Vizepräsident in Wila, will sich für gesunde Finanzen einsetzen.

Christoph Pohl, Präsident Rechnungsprüfungskommission, will die Identität des Tösstals schärfen. Hans-Peter Meier, Vizepräsident in Wila, will sich für gesunde Finanzen einsetzen. Bild: Johanna Bossard

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Ein Einwohner hat der Gemeinde unlängst 3,5 Millionen ­Franken als Erbe hinterlassen. Wie würden Sie das Geld als Präsident einsetzen?

Christoph Pohl: Ich würde es zunächst im Eigenkapital der Gemeinde lassen. Der grösste Teil des Betrags ist nicht in bar vorhanden, sondern als Land. Dieses sollte man nutzen, um die Entwicklung des Dorfs zu gestalten.

Eine Steuersenkung wie vereinzelt gefordert ist kein Thema?

Pohl: Nein, ich bin kein Freund von Steuersenkungen. Das ist nicht mein politisches Ziel und auch nicht erstrebenswert.

Würden Sie mit dem Geld die Steuern senken, Herr Meier?

Hans-Peter Meier: Nein, das wäre ein Strohfeuer. Ich würde das Geld nicht verpulvern, sondern ebenfalls nachhaltig anlegen. Den Steuerfuss sollten wir aber halten und den Hebel bei den Ausgaben ansetzen. Das geerbte Bauland könnte man moderat nutzen, um unter anderem altersgerechte Wohnungen oder Gewerberäume zu bauen.

Pohl: Eine Gemeinde verpulvert nie Geld. Die Prozesse sind geregelt. Ich bin aber damit einverstanden, das Land moderat zu nutzen. Allerdings nicht unbedingt für das Gewerbe. Denn ich bezweifle, dass es viele Betriebe gibt, die ins Tösstal wollen. Es ist ohnehin nicht nachhaltig, wenn jede kleine Gemeinde versucht, Gewerbe und Steuergelder anzulocken. Das könnte man in grösseren Räumen besser steuern.

Herr Meier, Sie wollen den Hebel bei den Ausgaben ansetzen und sparen. Wie konkret?

Meier: Mit einer schlanken Verwaltung. Beispiele sind die Optimierung der Liegenschaftenverwaltung gemeinsam mit den Schulen oder das Zusammenlegen von Sekretariaten. Ich bin zudem nicht sicher, ob wir sieben Gemeinderäte brauchen. Wir haben Sparpotenzial!

Pohl: Ob es sieben oder fünf Gemeinderäte sind, ist nicht match­entscheidend. Denn weniger Gemeinderäte bedeuten mehr Arbeit für die Verwaltung. Wenn man den Blick hingegen für einen Zusammenschluss mit anderen Gemeinden öffnet, sind Effizienzgewinne wohl möglich. Grössere finanzielle Einsparungen wären hingegen wohl nicht zu erwarten.

Herr Pohl, Sie haben sich mehrmals für eine Fusion ausgesprochen. Wären Sie der letzte ­Gemeindepräsident in Wila?

Pohl: Das kann ich mir gut vorstellen. Wenn ich müsste, würde ich sogar dar­auf wetten, dass es die Gemeinde Wila in zehn Jahren nicht mehr gibt. Der Ort selber wird sich dadurch allerdings kaum verändern. Einzig die Gemeindeversammlungen und das Gemeindehaus gäbe es in der heutigen Form wohl nicht mehr.

Würden Sie diese Wette ebenfalls abschliessen, Herr Meier?

Meier: Nein, die Wilemer haben die Kraft, sich selber zu organisieren. Ich wüsste nicht, war­um und mit wem wir fusionieren sollten. Mögliche Kandidaten sind zudem verschuldet.

Sie meinen damit Wildberg und Turbenthal?

Meier: Ich nenne keine Namen. Aber es ist doch so: Heute gibt es in Wila Einwohner, die uns ihr Erbe hinterlassen. Mit einer Fusion zerstören wir viel ehrenamtliches Engagement.

Pohl: Wo zerstören wir das?

Meier: Leute wie du zum Beispiel, die sich heute mit viel Engagement in der Rechnungsprüfungskommission einsetzen, würden sich dann eher zurücklehnen. Wenn wir zentralisieren, droht eine Kostenexplosion. Bei uns muss der Gemeinderat teilweise noch selber operativ arbeiten und kann gleichzeitig entscheiden. Das ist unsere Stärke. Und die würden wir verlieren.

Pohl: Die Fusionsfrage ist nicht existenziell. Man sollte sie aufgrund der Rahmenbedingungen aber diskutieren. Denn die Professionalität von kommunalen Aufgaben könnte man so erhöhen. Zudem ist Distanz vielfach ein Vorteil. Im Bereich Bauen oder in der Sozialhilfe könnte das zu einer Versachlichung führen.

Befürchten Sie keinen Identitätsverlust in der Gemeinde?

Pohl: Nein, das zeigt auch das Beispiel Bauma und Sternenberg. Die Gemeinden ziehen ein Jahr nach der Fusion eine positive Bilanz.

Meier: Diese Fusion will ich nicht kommentieren. Zu hinterfragen ist dort aber die Dimension der Verwaltung. Diese wuchert.

Selbst die SVP schliesst langfristig eine grosse Fusion im Tösstal nicht aus.

Meier: Ich sage einfach, eine kleinräumige Anbindung an eine andere Gemeinde bringt nichts.

Wie beurteilen Sie das Vorgehen der Schulgemeinden in ­Wila, Turbenthal und Wildberg? Im Herbst soll ein Vertrag für eine Fusion vorliegen.

Pohl: Das Vorgehen ist sinnvoll.

Meier: Wie der Gemeinderat auch unterstütze ich es, diesen Prozess zu prüfen. Ein Wermutstropfen dabei ist aber, dass mit einer Schulfusion eine Einheitsgemeinde in Wila nicht mehr möglich ist. Die SVP wird nun genau hinschauen, dass bei einem Zusammenschluss nicht einfach jeder Bereich addiert wird. Es gibt hier Sparpotenzial. Die Strukturen müssen reduziert werden.

Mit einer Schulfusion kann man sparen? War­um nicht auch mit einer Gemeindefusion?

Meier: Das kommt auch auf die politische Zusammensetzung an. Wir müssen den Mut haben, die hohe Qualität zu hinterfragen. Heute kommt vieles auf Gemeindeebene in Hochglanz daher. Die Anordnungen der Kantons- und der Bundesverwaltung gilt es permanent zu hinterfragen.

Herr Pohl, in einer Masterarbeit aus dem Jahr 2007 nehmen Sie die Idee auf, das Tösstal als grössten Stadtpark Zürichs zu positionieren. Wieso das?

Pohl: Eine Architektengruppe hat ein Gesamtbild der Schweiz mit fünf grossen Räumen entwickelt. Dar­un­ter sind urbane Räume mit grossem Wachstumspotenzial und eher ruhige Gebiete, die es zu erhalten gilt. Ich meine, dass wir im Tösstal die Chance nutzen sollten, unsere ländliche Struktur zu betonen. Wir sollten uns nicht mehr auf Wachstum kon­zen­trie­ren und stattdessen das erhalten, was uns zu einem Erholungsraum macht. Gemeinden sollten sich generell überlegen, wie sie sich von anderen abheben können.

Sie wollen das touristische Potenzial abholen?

Pohl: Genau. In einer grösseren Gemeinde könnte man das besser planen. Wo wollen wir Gewerbe ansiedeln, welche Gebiete wollen wir anders nutzen?

Meier: Zum Thema Wachstum habe ich eine gespaltene Meinung. Das heutige Wachstum mit der Zuwanderung ist aber ungesund. Und mit dem Fahrplanwechsel erhält Wila eine Verbindung direkt nach Zürich. Das ist zwar grundsätzlich gut. Der Siedlungsdruck steigt aber.

Das Tösstal soll auch aus Ihrer Sicht eine ruhige Zone bleiben?

Meier: Ein Teil der Bevölkerung unterstützt das. Einen Ballenberg wollen ich und andere aber nicht.

Pohl: Ich auch nicht. Es geht darum, die Identität zu schärfen.

An den Nationalratswahlen gingen in Wila über 50 Prozent der Stimmen an die SVP. Wie wollen Sie diese Wähler ­vertreten, Herr Pohl?

Pohl: Auf kommunaler Ebene spielt Parteipolitik keine Rolle. Es geht um Sachgeschäfte und um unsere Gemeinde. Ich kann dar­um sehr wohl und auch sehr gut alle Einwohner vertreten.

Meier: Parteipolitik spielt je nach Geschäft auch auf der Gemeindeebene eine Rolle. Etwa in den Bereichen Soziales und Finanzen.

Welche Ziele wollen Sie als ­Gemeindepräsident erreichen?

Meier: Gesunde Gemeindefinanzen. Man sollte nur so viele Steuern einziehen wie nötig und den Haushalt ständig auf Sparmöglichkeiten prüfen. Zudem will ich die Eigenständigkeit bewahren.

Pohl: Wila bleibt sowieso Wila. In welcher Gemeinde auch immer. Ich will das Bild eines Gebäudes benutzen: Wir leben in einem gut eingerichteten Haus. Ich will mich dafür einsetzen, dass das so bleibt. Zudem bin ich überzeugt, dass die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden bessere Lösungen ermöglicht. Es gibt gute Beispiele dafür. Etwa die Feuerwehr oder die Wasserversorgung. Ein weiteres positives Beispiel ist die gemeinsame Asylkoordination der Weinländer Gemeinden.

Meier: Zusammenarbeit finde ich ebenfalls gut. Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen und mir überlegen, welche Bereiche der Verwaltung man mit anderen Gemeinden anbieten könnte. In der Wirtschaft wird das auch gemacht. Man muss deshalb aber nicht alles zusammenlegen. Viel eher sollte man Stärken pflegen.

Ein Ziel haben wir nicht gehört, und dieses war ein Hauptanliegen Ihres Ex-Gemeindepräsidenten Felix Moser (SVP): der Kampf gegen den Fluglärm.

Meier: Bei diesem Thema dürfen wir nicht abseitsstehen. Es ist wichtig, ein Signal zu senden. Wenn wir uns nicht wehren, werden uns noch Asylzentren oder am Ende allenfalls sogar das Atommüllendlager zugewiesen.

Pohl: Ich finde es ebenfalls gut, wenn die Gemeinde signalisiert, dass Fluglärm ein Anliegen der Einwohner ist. Mich persönlich stört der Fluglärm aber nicht.

Meier: Mich auch nicht. Oft protestieren diejenigen am lautesten, die selber häufig fliegen. (Landbote)

Erstellt: 21.01.2016, 20:37 Uhr

Gemeinderatswahlen

Mehrere Kandidaten bewerben sich bei den Ersatzwahlen am 28. Februar in Wila nicht nur für das Gemeindepräsidium: Eine Kampfwahl könnte es auch um einen Sitz im Gemeinderat geben. Und zwar dann, wenn der bisherige Gemeinderat Hans-Peter Meier (SVP) ins Präsidium nachrückt. Für einen Sitz im Gemeinderat bewerben sich: Ernst Grünenwald (SVP), Simon Mösch (BDP) und Christoph Pohl (SP). Letzterer kandidiert auch für das ­Gemeindepräsidium. roh

Zu den Personen

Christoph Pohl (SP) ist amtierender Präsident der Rechnungsprüfungskommission und ar­bei­te­te längere Zeit als Kaderangestellter im Sozialdepartement der Stadt Winterthur. Seit 1988 wohnt der 58-Jährige in Wila. Von 1990 bis 1994 war er Mitglied und von 1994 bis 1996 Präsident der reformierten Kirchenpflege. 2007 schloss er zudem ein Nachdiplomstudium in Gemeinde­-, Stadt-­ und Regionalentwicklung ab. Heute ist er pensioniert und fotografiert in seiner Freizeit.

Hans-Peter Meier (SVP) ist seit zehn Jahren selbstständiger Unternehmer im Bereich Tankstellen und Waschanlagen. Der 63-Jährige wurde im Jahr 2010 in den Gemeinderat gewählt. Seit 2014 ist er erster Vizepräsident und war damit Stellvertreter von Felix Moser (SVP), der im vergangenen Herbst aus ­gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste. Meier leitet das Ressort Land-, Forstwirtschaft und Gesundheit. In der Freizeit betreibt er Bergsport und fährt Velo. roh

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