Wila

Strassen- und Brückenprojekt bachab geschickt

Die Versammlung der Politischen Gemeinde Wila wies einen Sanierungskredit für eine Strasse und eine Brücke mit grösserem Durchlass zurück. Beim höheren Gesamtsteuerfuss konnten sich die Gemeinden jedoch gegen Widerstand durchsetzen.

Die Aegetswilerstrasse führt durch die Sägerei. In der Bildmitte ist das Brücklein zu sehen.

Die Aegetswilerstrasse führt durch die Sägerei. In der Bildmitte ist das Brücklein zu sehen. Bild: Marc Dahinden

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«Drehbuch Gemeindeversammlung» steht auf dem weissen Ordner des Wilemer Gemeindepräsidenten Hans-Peter Meier (SVP) am Donnerstagabend, als er im Saal des Schulhauses Eichhalde die 90 Stimmberechtigten begrüsst.

Der dramaturgische Höhepunkt folgte rund eineinhalb Stunden später, kurz vor 23 Uhr, nach langer Information und «mehr Kontra als Pro», wie Meier sagte. 65 der 90 anwesenden Wilemerinnen und Wilemer stimmten für den Rückweisungsantrag eines Stimmbürgers und somit gegen das Sanierungsprojekt Aegetswilerstrasse des Gemeinderats.

Sanierung ist dringend

Der Gemeinderat wollte insgesamt rund eine Million Franken in die abgenutzte Strasse investieren und dabei gleich ein Paket schnüren, um den Gewässerschutz, die Sicherheit für Fussgänger und Autofahrer sowie eine Stützmauer anzupassen.

So war nebst einem Gehweg auf der linken Seite der Strasse, auch eine Vergrösserung des Brückleins über den Ägetswilerbach vorgesehen: Denn der aktuelle Durchfluss würde gemäss Berechnungen einem Hochwasser, wie es statistisch gesehen alle 30 Jahre einmal vorkommt, nicht standhalten. Laut kantonaler Gefahrenkarte liegt für diesen Abschnitt bei einem Hochwasser eine mittlere Gefährdung vor, die sich über das gesamte Sägereiareal erstreckt.

«Vielleicht könnte man dann den Bach ja begradigen und tieferlegen, damit er direkt in der Töss mündet.»Stimmbürger

In den Plänen, die Tiefbauvorsteher Sandro Turcati (SP) vorstellte, war ersichtlich, dass die Brücke von heute knapp zwei auf sechs Meter verlängert und um 45 Zentimeter erhöht werden müsste. Letzteres würde auch die Strassengeometrie verändern. Dadurch soll aber ein Hochwasser, wie es statistisch alle hundert Jahre vorkommt, unter der Brücke hindurchfliessen können, ohne dass das Gebiet überschwemmt würde. Seit Februar tauscht sich die Gemeinde mit dem Awel bezüglich dieser Brücke aus.

Die Aegetswilerstrasse ist schon länger ein Sorgenkind der Gemeinde: 2013 wurde der obere Teil der Strasse und eine darunterliegende Wasserleitung bereits erneuert. 2014 und 2015 analysierten sie Ingenieure und wiesen auf eine zwingende Sanierung hin. Dass sie repariert werden muss, bestritt an der Versammlung denn auch niemand. Die grosse Frage war: Wie und wann?

«Schreibtischtäter»

Im Vorfeld hatte ein vom Projekt betroffenes Ehepaar eine Anfrage nach Paragraph 17 an den Gemeinderat gestellt. Der Stimmbürger, der seit 52 Jahren an jener Strasse wohnt, sprach von einem Projekt, dass «Schreibtischtäter ohne Ortskenntnisse» entwickelt hätten. Er wies auf das kantonale Revitalisierungsprojekt der Töss hin. «Vielleicht könnte man dann den Bach ja begradigen und tieferlegen, damit er direkt in der Töss mündet.» Turcati bestätigte, dass die Einmündung des Ägetswilerbaches in die Töss von diesem Projekt betroffen sei. Damit meinte er aber den Bereich nach dem Brücklein und der Töss. Eine Tieferlegung des Baches sei zudem geprüft und verworfen worden: «Sie würde eine starke Ansammlung von Geschiebe verursachen.»

«Die Strasse bleibt, wo sie ist. Deshalb muss die Brücke hochwassersicher gemacht werden.»Sandro Turcati

Trotzdem beharrte der Stimmbürger darauf, die Revitalisierungsplanung abzuwarten. Er zeigte sich überzeugt, dass man den Ägetswilerbach nach der Brücke begradigen könnte. Er habe ausserdem in all den Jahrzehnten auch erst einmal ein leichtes Hochwasser erlebt, in den Siebzigerjahren.

Ein weiterer Anstösser fragte sich, ob «eine solch grosse Brücke» wirklich notwendig sei: «Vielleicht sollte man damit warten, bis das Tössprojekt klar ist und der Bach tiefergelegt werden könnte.»

Turcati wies daraufhin, dass das Töss-Revitalisierungsprojekt nicht in den Strassenbereich eingreife: «Die Strasse bleibt, wo sie ist. Deshalb muss die Brücke hochwassersicher gemacht werden.» Und versuchte sogleich zu beschwichtigen: «Es ist keine Golden-Gate-Bridge.» Es gehe um sechs Meter. Aber schon bald schien klar, dass das ausgearbeitete Projekt an diesem Abend kaum Chancen auf eine Annahme haben würde, obwohl auch die Rechnungsprüfungskommision dafür gewesen war.

«Wir treten kein Land ab, bis diese Fragen geklärt sind.»Ein Anwohner

Ein Landwirt aus dem Weiler Ägetswil meldete sich zu Wort, der sich gegen eine breitere Strasse bei Sägerei aussprach und weitere Punkte kritisierte, bevor er Applaus erntete. Die Mitbesitzerin der Sägerei Bachmann kritisierte, dass sie durch die höhere Brücke Probleme bei der Ausfahrt bekommen könnten und zählte weitere Details auf. «Wir treten kein Land ab, bis diese Fragen geklärt sind.»

In den Voten der Anwohnerinnen und Anwohner leuchtete zudem immer wieder die Kritik auf, man sei gar nicht in das Projekt involviert worden.

Turcati konnte noch so mit kantonalen Normen zu der Strassenbreite, den definitierten Abläufen zu Landwerwerb und einer Informationsveranstaltung mit den Anstössern im März verweisen: Die Summe der vielfältigen Detailkritik schien die Gegner vereint zu haben. Turcati verwies auf den Ablauf bei Bauprojekten: «Detailfragen können wir im Auflageprojekt noch ausmerzen.» Bei einer Rückweisung habe niemand die Möglichkeit, sich zu wehren. «Wir machen dann einfach eine Ehrenrunde.» Diese ist nun Tatsache.

Rettungsinsel für Wila

Der Stimmbürger, der den Rückweisungsantrag gestellt hatte, erhoffte sich, dass durch die Streichung des Sanierungskredits die Steuern gesamthaft nicht erhöht werden müssten. Er stellte deshalb einen neuen Antrag, die zuvor in der Sekundarschulgemeinde erhöhten Steuern bei der Politischen Gemeinde wieder einzusparen. Das war aber eine falsche Annahme. Denn bei einer Investition verwandelt man etwas Flüssiges (Geld) in etwas Festes (Infrastruktur). Es verschwindet einzig jährlich Geld über die Abschreibungen, also die Abnutzung, der Infrastruktur.

«Hier sagt man sich noch Grüezi. In Turbenthal ist das schon nicht mehr der Fall.»Neuzuzüger

Wichtig war die Steuererhöhung für den sogenannten Isola. Isola ist italienisch für Insel. Im kantonalen Finanzjargon steht es für eine finanzielle Rettungsinsel: Es ist die Abkürzung für «individueller Sonderlastenausgleich». Die Gemeinde Wila steuert im nächsten Jahr auf diese Rettungsinsel zu: Durch die Erhöhung des Gesamtsteuerfusses auf 130 Steuerprozente darf die Gemeinde im nächsten Jahr zusätzliche Ausgleichgelder vom Kanton beantragen. «Wir können nie ohne Zuschüsse auskommen», sagte Finanzvorsteher Simon Mösch (BDP). In Wila machen die Steuern nur etwa einen Drittel der Einnahmen aus. Durch die Erhöhung des Steuerfusses profitiert die Gemeinde in zwei Jahren zusätzlich von einem höheren Finanzausgleich. Mit rund 150000 Franken mehr rechnet Mösch.

Die Erhöhung des Steuerfusses war deshalb an der Wilemer Gemeindeversammlung vom Donnerstagabend wenig umstritten. Es war der berühmte Biss in den sauren Apfel. Auch wenn sich ein Stimmbürger laut fragte:«Ist das nicht ein falsches Zeichen für Neuzuzüger?»

Dass der Steuerfuss nicht das Hauptargument ist, bewies ein Neuzuzüger aus Turbenthal wenige Minuten später. Er betonte, was ihm in Wila besonders gefalle: «Hier sagt man sich noch Grüezi. In Turbenthal ist das schon nicht mehr der Fall.»

Erstellt: 06.12.2019, 17:54 Uhr

Gemeinde Wila

Erfolgsrechnung der Politischen Gemeinde

Aufwand 13,01 Mio. Fr.

Ertrag 12,72 Mio. Fr.

Budgetiertes Ergebnis – 288 400 Fr.

Gesamtsteuerfuss 130 (+3)

Bruttoinvestitionen 4,02 Mio. Fr.

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