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SVP will Sportzentrum privatisieren

Sieben SVP-Gemeinderäte fordern, dass der Illnau-Effretiker Stadtrat prüft, ob das Sportzentrum privatisiert werden könnte. Dabei bekommt sie Unterstützung von anderen Parteien, die teils sogar noch weiter gehen wollen.

Soll die Sportanlage Eselriet nach marktwirschaftlichen Prinzipien genutzt werden? Die SVP fordert dies.
Soll die Sportanlage Eselriet nach marktwirschaftlichen Prinzipien genutzt werden? Die SVP fordert dies.
Mano Reichling

Das Postulat von Paul Rohner (SVP) betreffend Verselbstständigung des Sportzentrums Effretikon wurde von sieben Mitgliedern der SVP-Fraktion mitunterzeichnet. Begründet wird der Antrag mit einem möglichen Innovationsschub bei einer Verselbstständigung.

Die Anlage würde mit einer neuen Betreiberin «die Attraktivität des Publikumsmagneten Sportzentrum und der Gemeinde Illnau-Effretikon» steigern, hoffen die Postulanten. «Ein marktwirtschaftlich orientiertes Sportzentrum wäre interessiert daran, das bestehende Angebot möglichst auszulasten», sagt Rohner.

Einleitend weist Rohner in der Begründung des Postulats darauf hin, dass das für 26,1 Millionen Franken sanierte Sportzentrum Effretikon in der Region und darüber hinaus als Vorzeigeanlage diene. Mit der Eisanlage, dem neuen Gastronomiebereich und dem Freibad erfülle es viele Bedürfnisse. Dann aber weist Rohner auch auf die Kosten hin, die die Anlage verursacht und für die die Gemeinde aufkommen muss – eine Million Franken pro Jahr.

In Wallisellen funktioniert es

Rohner nennt in seinem Postulat ein Beispiel aus Wallisellen, wo die Waterworld AG die Sportanlagen von der Gemeinde Wallisellen gepachtet hat und selbstständig führt. Die AG wurde 1998 gegründet und betreibt seit dem 1. Januar 1999 fünf verschiedene «Welten».

Das Aktienkapital beträgt 250 000 Franken, Aktionäre sind die Gemeinde, Einzelpersonen, Vereine und Firmen. Die Eintrittspreise sind vergleichbar mit denen im Sportzentrum Effretikon. Rohner sagt: «Wirtschaftlichkeit und Attraktivität müssen sich also nicht ausschliessen.»

«Wir befürchten, dass die Eintrittspreise steigen.»

Urs Gut, Grüne

Unterstützt wird das Postulat auch von der FDP/JLIE-Fraktion. Die ginge gar gerne noch einen Schritt weiter, wie Fraktionspräsident Stefan Eichenberger sagt. Seiner Meinung nach müsste man die im Postulat geforderte Prüfung nicht auf das Sportzentrum Effretikon beschränken. «Sinnvoll wäre es, wenn auch andere städtische Einheiten einer Prüfung unterzogen würden», sagt Eichenberger.

Zu prüfen sei in diesem Zusammenhang auch, ob nur eine AG als Trägerin in Frage käme oder ob weitere Rechtsformen geeignet seien. «Wir unterstützen das Postulat, aber wir wollen uns nicht auf eine AG als Trägerin beschränken. Vielleicht gibt es sinnvollere Rechtsformen für diese Aufgabe.»

Dass die Rechtsform der Sportanlage Effretikon geprüft werden soll, dagegen hat auch die CVP nichts einzuwenden. Markus Hürzeler (CVP): «Eine Prüfung hat sicher ihre Berechtigung. Damit wird ja noch nichts entschieden. Das geschieht erst in einem weiteren Schritt.»

Nicht mit der Idee einer AG als Betreiberin des Sportzentrums Effretikon anfreunden kann sich Urs Gut (Grüne): «Wir befürchten, dass die Eintrittspreise steigen, dagegen müssten wir uns wehren. Wir sehen keinen Handlungsbedarf und sind zufrieden mit der heutigen Rechtsform.» Wenn eine AG den Betrieb übernehme, werde die Stadt als Hauptaktionärin nach wie vor für ein Defizit geradestehen müssen. Dass die Stadt Illnau-Effretikon die sportliche Betätigung ihrer Einwohner fördere und unterstütze, sei zu begrüssen, dazu brauche es keine AG.

Andere Rechtsformen

Brigitte Röösli (SP) kann der Idee einer Privatisierung nichts abgewinnen. «Privatisierungen scheinen in Mode zu sein, auch wenn sie nichts bringen», sagt sie. Werde das Sportzentrum Effretikon privatisiert, müsse die Stadt einfach die AG subventionieren, schmälere aber mit der Verselbstständigung ihr Mitspracherecht.

Das sei sicher keine gute Lösung, denn billiger werde das Angebot für die Benutzer nicht. Der Nutzen sei bei einer Privatisierung weder für die Stadt noch die Bevölkerung gegeben. Ziel müsse es sein, dass die Stadt der Bevölkerung ein gutes und günstiges Angebot zur Verfügung stelle. Dies einer AG zu überlassen sei der falsche Weg.

Anders sieht das Andreas Hasler (GLP). Seiner Meinung nach ist es sinnvoll, wenn man mögliche Rechtsformen für die Trägerschaft der Sportanlage abklärt und die Vor- und Nachteile auflistet. Weniger gut findet er, dass im Postulat lediglich die AG als mögliche Trägerin aufgeführt ist. «Ich hoffe, der Postulant wird den Fächer noch öffnen, sodass auch andere Rechtsformen geprüft werden können.»

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