Tösstal

Wie Giessen und Höhlen entstanden

Höhlenforscher Richard Graf hat im Tösstal diverse Felswände erkundet und Höhlen dokumentiert. Entstanden ist ein Buch, das die Leser bis an die Ursprünge der wilden Landschaft führt.

Der schlitzartige Eingang führt hinab in die Spaltenhöhle am Weg zur Ruine Hochlandenberg.

Der schlitzartige Eingang führt hinab in die Spaltenhöhle am Weg zur Ruine Hochlandenberg. Bild: Richard Graf

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Das Tösstal hat seinen eigenen Zauber: Von den bewaldeten Hügeln schlängeln sich unzählige Bäche durch wilde Tobel ins Tal. Dabei waschen die Gewässer Sandsteinschichten aus und fallen meterweit über harte Nagelfluhbänke in die Tiefe. So entstehen mit den Jahren vereinzelt dunkle Höhlen, die auf Neugierige von jeher wie Magnete wirken. Alte Sagen, die man sich bis heute erzählt, zeugen davon.

Mitglieder der Ostschweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung haben in den 60er-Jahren die wichtigsten Höhlen im Tösstal dokumentiert. Seither hat sich einiges geändert. Felsstürze und Vegetation haben die Landschaft weiter geformt.

In den vergangenen Jahren haben Höhlenforscher der gleichen Gesellschaft deshalb die Gegend erneut erkundet und ausgemessen. Ende September veröffentlichen sie ihr Werk unter dem Titel «Höhlen im Zürcher Oberland». Über 40 Höhlen sind darin kurz beschrieben. Die Autoren rund um den Höhlenforscher Richard Graf aus Pfungen haben zudem 25 Tobel begangen und dabei diverse Felswände kartiert, fast 100 Seiten umfasst ihr Beitrag zum Schweizerischen Höhleninventar.

Teilweise eingestürzt

In der Nähe von Winterthur sind vier Hohlräume aufgeführt: der St.-Pirmins-Brunnen am Dättnauerberg, das Kohlenloch bei Sennhof, die 1965 eingestürzte Schuppentännlihöhle bei Wülflingen oder der alte Stollen bei Kollbrunn. Letzterer sei 38 Meter lang und in gutem Zustand, heisst es im Inventar. Auch das Kohlenloch bei Sennhof ist intakt, die Autoren stiessen im 62 Meter langen Loch auf Molassekohle. Die nächste dokumentierte Höhle tössaufwärts folgt erst nach Wila. Am Weg zur Ruine Hochlandenberg hat sich vermutlich durch einen Hangrutsch eine Höhle gebildet, die eher einem Spalt gleicht. Sie befindet sich circa acht Meter oberhalb einer kleinen Brücke. Bei Zell und Turbenthal konnten hingegen «nur» Giessen und Felswände dokumentiert werden, so etwa der Schreizengiessen in der Nähe von Neubrunn. Als Höhle gilt eine Einbuchtung erst, wenn sie über zehn Meter tief ist.

Ergiebiger waren die Recherchen der Höhlenforscher weiter oben im Tösstal, etwa im sagenumwobenen Hagheerenloch. Sickerwasser schwemmte hier einst eine sandig-mergelige Schicht heraus und schuf so eine 38 Meter lange Höhle. Bei der Begehung im Frühling 1966 wurden hier noch eine Langohrfledermaus (7,5 Zentimeter lang), Feuersalamander und Froscheier gesehen. Bei der jüngsten Begehung im Frühling 2017 immerhin noch Molche und Feuersalamander, wie fein säuberlich notiert wurde.

Weniger bekannt ist die Töbelibachhöhle bei Sternenberg. Der Eingang liegt etwas versteckt hinter einem Hügel, umgestürzte Bäume im Tobel erschweren den Zugang. Die Höhle ist 21,8 Meter lang, der Eingang über sieben Meter hoch. Nicht mehr begehbar ist hingegen die Jaggelishöhle, in der im Ersten Weltkrieg ein Sonderling gelebt haben soll.

Mächtige Alpenflüsse

Diverse weitere Höhlen finden sich in Fischenthal, Wald, Bäretswil, Uster oder im Grenzgebiet der Kantone St. Gallen und Zürich. Imposant und bei Ausflüglern beliebt ist etwa die Weissengubelhöhle bei Gibswil mit einem circa 21 Meter hohen Wasserfall. Dass im Zürcher Oberland solche Höhlen entstanden sind, hat mit den Bodenschichten zu tun. Alpenflüsse schwemmten einst über Jahrmillionen Geröll in die Gegend, das sich durch Kalksteinbindemittel zu harter Nagelfluh gebunden hat. Da auch Sand und Schluff abgelagert wurden, entstanden verschiedene Schichten.

Während die harten Nagelfluhbänke dem Wasser widerstehen, werden Sandsteinlagen mit der Zeit ausgeschwemmt, wodurch die für das Tösstal typischen Wasserstürze, die Giessen, entstanden. Bei der geologischen Beschreibung des Tösstals geraten die Autoren des Inventars ins Schwärmen: Die Besonderheiten der Gegend offenbart sich am besten bei einer Wanderung «durch eine der unheimlich schönen, einsamen Waldschluchten, in deren Tiefe sich das sprudelnde Bächlein zwischen moosbewachsenen Nagelfluhblöcken hindurchzwängt».

Ab Mitte Oktober kann man das Buch «Höhlen im Zürcher Oberland» bei Richard Graf von der Ostschweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung bestellen.

Erstellt: 19.09.2019, 12:21 Uhr

Richard Graf auf einer seiner Erkundungstouren.
(Bild: R. Rohner)

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