Lindau

«Wir suchen Alternativen für Lindaufiber»

Der eigene Provider der Gemeinde, Lindaufiber, wird abgeschaltet. Lindau bleibt im digitalen Bereich dennoch an der Spitze. Gemeinderat Hanspeter Frey (SVP) erklärt warum.

Lindaufiber, der eigene Provider der Gemeinde Lindau, wird abgeschaltet.

Lindaufiber, der eigene Provider der Gemeinde Lindau, wird abgeschaltet. Bild: Screenshot Lindaufiber

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Was sagen Sie dazu, dass sich die Firma Streamnow aus dem Projekt Lindaufiber zurückzieht?
Hanspeter Frey: Wir in Lindau sind enttäuscht von Streamnow. Wir haben Lindaufiber in zwei Jahren von Grund auf neu entwickelt. Seit einem dreiviertel Jahr ist der Provider aufgeschaltet. Im Dezember haben wir die Verträge mit Streamnow unterschrieben. Und jetzt springt die Firma plötzlich ab, mit der Begründung, Lindaufiber sei wirtschaftlich nicht nachhaltig zu betreiben. Das hätte Streamnow auch schon vor der Vertragsunterzeichnung im Dezember wissen können.

Wie viel Arbeit haben Sie für das Projekt aufgewendet?
Es waren viele Sitzungen, von mir, aber auch von einer ganzen Arbeitsgruppe. Es geht uns aber nicht nur um den Aufwand. Das Ganze ist auch eine emotionale Sache. Wir haben uns mit grosser Zuversicht für Lindaufiber eingesetzt.

Waren die grossen Investitionen in ein eigenes Glasfasernetz in Lindau nun vergebens?
Nein, absolut nicht. Das Glasfasernetz hat mit Streamnow und Lindaufiber nichts zu tun. Die 2,5 Millionen haben wir aufgewendet, um Lindau als Standort attraktiver zu machen — das ging auch aus den damaligen Abstimmungsweisungen so hervor. Das Netz stellt sicher, dass man auf dem Gebiet unserer Gemeinde einen schnellen Zugang auf das Internet hat, über welchen Provider auch immer. Dazu gehört auch Swisscom. Sie hat das Glasfasernetz gebaut und bietet auf ihrer eigenen Faser natürlich auch die eigenen Dienstleistungen an. Beim Bau waren wir gute Partner. Bei der Vermarktung der Fasern sind wir jetzt Konkurrenten. Das ist in der Schweiz bei Kooperationen im Netz üblich.

«Das Ganze ist auch eine emotionale Sache. Wir haben uns mit grosser Zuversicht für Lindaufiber eingesetzt»Hanspeter Frey, Gemeinderat SVP, Lindau

Würden Sie aus heutiger Sicht also wieder in ein Glasfasernetz investieren?
Natürlich. In den Medien ist derzeit oft vom digitalen Stadt- Landgraben die Rede. In Lindau bekommen wir immer wieder Presseanfragen. Die Journalisten wollen wissen, wie unsere verhältnismässig kleine Gemeinde den Anschluss an die grossen Datenautobahnen meistert. Viele ländliche Gemeinden laufen Gefahr, von der digitalen Welt abgeschnitten zu werden. Ich kenne die Situation im Engadin, wo ich mich oft aufhalte. Wir schätzen uns glücklich, in Lindau über ein Glasfasernetz zu verfügen.

Können Sie die Betriebskosten für Datentransport auf der Lindauer Faser ohne Lindaufiber decken?
Im letzten Herbst haben die Stimmberechtigten einem Kredit von rund 100 000 Franken Betrieb eines «Layer 2» zugestimmt. Dieser Ausdruck steht für Hard- und Software, dank der auf dem Glasfasernetz Daten transportiert werden können. Diese Betriebskosten wollen wir decken, indem wir die Fasern an mehrere Provider vermieten. Nachdem Lindaufiber nun ausfällt, sind das GGA Maur, 1a speed und Init 7. Daher sind wir weiterhin zuversichtlich, dass wir unsere Kosten mittelfristig decken können.

Die ehemalige Telefonzentrale in Wildberg, Standort der Hardware für das Glasfasernetz Lindau. Bild: Johanna Bossart

Wann genau wird Lindaufiber abgeschaltet?
Am Samstag, 31. März. Die Nutzer wurden aber schon vor einem Monat informiert. Sie konnten also bereits auf die drei sehr guten und preislich konkurrenzfähigen Anbieter GGA Maur, 1a speed und Init 7 wechseln. Diese sind auf der Gemeindefaser aufgeschaltet. Auf der Faser der Swisscom gibt es weitere Provider. Der freie Wettbewerb ist also gewährleistet.

Wie geht es in Lindau nun ohne Lindaufiber weiter?
Es gibt, wie gesagt, genügend Alternativen auf dem Glasfasernetz in Lindau. Schade ist nur, dass wir nun kein Lindaufiber-Gemeinde-Apps anbieten können. Es hätte viele lokale Dienstleistungen geboten. Trotzdem hat sich der Gemeinderat zum Ziel gesetzt, im digitalen Bereich an der Spitze zu bleiben. Für die Zukunft suchen wir Alternativen für eine digitale Plattform in Lindau.

Erstellt: 27.03.2018, 13:15 Uhr

Hanspeter Frey, Gemeinderat SVP, Lindau (Bild: PD)

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