Illnau-Effretikon

Zehntausende haben in der ganzen Schweiz aufgeräumt

Mit gelben Westen, Abfallsack und Zange räumten Freiwillige auch in Effretikon auf. Sie fanden viele Glasflaschen.

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Auf dem Weg vom Bahnhof Effretikon zum Moosburgareal wirkt das Trottoir sauber, nur hin und wieder liegen ein paar Zigarettenstummel auf dem Boden. Ein Clean-Up-Day, ist das wirklich nötig? Wie dringend dieser tatsächlich gebraucht wird, zeigt sich erst auf den zweiten Blick: Dann, wenn die Passantin ins Gebüsch, auf die Wiese oder in den Wald blickt.

Schweizweit fand am Freitag und Samstag der siebte Clean-Up-Day statt. Organisiert hat ihn die Interessengemeinschaft für eine Saubere Umwelt (IGSU). Sie ist das Schweizer Kompetenzzentrum gegen Littering. Schulen, Vereine, Unternehmen oder Gemeinden sammeln jeweils Abfall von Strassen, Flussufern und Parkanlagen. Zehntausende von Freiwilligen stehen jeweils im Einsatz.

Kantonsrätin und Stadtrat helfen mit

Am Samstagmorgen um 10 Uhr treffen sich rund 30 Helferinnen und Helfer in Effretikon, um ihre Stadt ein sauberer zu machen. Auch Kantonsrätin Andrea Gisler (GLP) und Tiefbauvorstand Erik Schmausser (GLP) sind vor Ort. Nach einer kurzen Begrüssung ziehen alle eine gelbe Weste an, nehmen sich eine der langen Zangen und teilen sich in kleine Gruppen auf.

Jede Gruppe wird einem anderen Gebiet zugeteilt, so dass die Stadt in den zwei Stunden möglichst umfassend gesäubert werden kann. Schnell wird klar, dass auch schon sehr geübte Freiwillige dabei sind. Eine ältere Frau weiss gleich, welches Gebiet sie übernehmen möchte. Nämlich jenes, das sie schon vor einem Jahr von Abfall befreit hat.

Kinder sensibilisieren

Die Gruppen machen sich auf den Weg. Zwischen den Bäumen sind immer wieder gelbe Westen zu sehen. Zwei Familien mit mehreren Kindern sind gemeinsam unterwegs. Eine Mutter sagt: «Ich hatte von der Aktion gelesen und dachte mir, es sei gut, die Kinder schon früh auf das Thema aufmerksam zu machen.» Kaum sind die Familien ein paar Schritte gegangen, bücken sich die Kinder ein erstes Mal. «Hier, eine Zigarette!», ruft eines – es sollte bei weitem nicht die einzige bleiben. Sie finden auch grössere Dinge, etwa einen Fussball oder grosse Plastiksäcke.

Die Kinder versuchen, sich gegenseitig zu übertreffen und nach 15 Minuten ruft ein Junge den anderen zu: «Wir haben schon den halben Sack voll!» – was zwar nicht ganz stimmte. Aber er war gut gefüllt. Aus einem kleinen Wäldchen auf dem Moosburgareal tragen die Freiwilligen etwa 20 Weinflaschen heraus und trauen ihren eigenen Augen kaum. «Ein Flaschenparadies!», ruft ein Mädchen. «Wohl eher eine Hölle …», sagt die Mutter seufzend. Sie kommen nur langsam voran und überlegen sich kurzzeitig, ob sie einen Sack mehr hätten mitnehmen sollen.

Zwei Stunden gedauert

Ein Familienvater, der nicht zum ersten Mal dabei ist, erzählt: «Letztes Jahr haben wir sogar ein Velo gefunden.» Den Dynamo hätten sie noch verwerten können. In der Nähe des Bahnhofs bückt sich Erik Schmausser und fischt ein Stück Plastikverpackung hinter einem Zaun hervor. Sein Abfallsack ist nur wenig gefüllt. «Vor allem Zigarettenstummel bis jetzt», zieht er ein Zwischenfazit. Die seien zwar klein, aber nicht weniger schlimm, brauche es doch mehrere Jahre, bis sie abgebaut sind.

Zwei Stunden dauerte die Aktion in Effretikon, doch es bräuchte wohl einige Zeit mehr, um den gesamten Abfall in der Stadt einzusammeln. Schweizweit fanden 650 Aktionen statt. So etwa auch in Winterthur, Andelfingen, Ossingen, Laufen-Uhwiesen, Zell und Wila. (shk)

Erstellt: 15.09.2019, 15:52 Uhr

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