Kyburglauf

«Zum Training bin ich das SRF-Hochhaus raufgerannt»

Walter Schoch aus Weisslingen läuft heute über 450 Treppenstufen von Sennhof nach Kyburg. Er sagt, weshalb er sich das antut.

Wer die Kyburg erklimmen möchte braucht eine starke Beinmuskulatur.

Wer die Kyburg erklimmen möchte braucht eine starke Beinmuskulatur. Bild: Marc Dahinden

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Sie nehmen nun schon zum zweiten Mal ausschliesslich am Treppensprint beim Kyburglauf teil. Wie kann ein Rennen über 450 Treppenstufen und 230 Höhenmeter im Wald reizvoll sein?
Walter Schoch: 2014 habe ich mich angemeldet, weil ich nicht die Zeit hatte, längere Strecken zu trainieren. Der Treppensprint ist ja nur 1,3 Kilometer lang. Also kurz und intensiv. Weil ich dieses Jahr wegen des Regionalturnfests, an dem ich sehr engagiert war, noch an keinem Wettkampf mitgemacht habe, habe ich mir gesagt: Einen muss ich noch machen. Und am Kyburglauf kenne ich immer einige Leute.

«Bei einem Krampf ist das Rennen gelaufen.»Walter Schoch, Läufer

Und wie haben Sie nun trainiert, sind Sie im Treppenhaus die Stufen rauf und runter gerannt?
So ähnlich. Ich habe eine Trainingsstrecke, die führt von Weisslingen in Richtung Kollbrunn und nach Dettenried über den Wanderweg. Dort geht es sieben bis acht Minuten sehr steil bergauf. Und dann bin ich an meinem Arbeitsort beim SRF am Leutschenbach einmal pro Woche im Hochhaus 13 Stockwerke hochgerannt. Das habe ich sechs bis achtmal gemacht.

Wahrscheinlich rennen Sie ja jeweils nicht bis zum Schluss. Auch am Treppensprint nicht.
Nein. Man rennt am Anfang, also eine knappe Minute bis zur Tössbrücke, dann kommt die Treppe. Dort nehmen die einen die ersten Stufen vielleicht noch in einem lockeren Joggen. Dann marschieren die meisten. Einige nehmen zwei Stufen aufs Mal. Jeder entwickelt so seine Technik.

Und wie geht ihre?
Ich versuche, mit den Beinen abzuwechseln. Also einen Tritt mit dem linken, dann den nächsten mit dem rechten Bein zu nehmen. Sodass die Belastung auf beide Beine verteilt ist. Es geht jedoch nicht immer gut, denn die Tritte sind unterschiedlich weit auseinander platziert. Oben werden sie enger und steiler.

Oben stehen dann auch die meisten Zuschauer und ergötzen sich am Leiden der Läufer. Nehmen Sie die überhaupt wahr?
Ja, ich sehe sie schon, erkenne Einzelne aber nicht, es sind sehr viele. Sie spornen uns kräftig an und fühlen mit, wenn wir vom Treppensteigen auf die flache Schlussstrecke umstellen. Ich glaube drum nicht, dass sie uns leiden sehen wollen. Der Standort ist für die Zuschauer ideal, denn er ist nicht weit weg vom Schulhaus, wo sich Ziel und Restaurant befinden.

Wie fühlen sich ihre Oberschenkel an, wenn sie oben ankommen? Sie müssen ja dann noch einige Hundert Meter bis zum Ziel beim Schulhaus laufen.
Am Anfang sind sie sehr schwer. Plötzlich wieder auf flachem Terrain zu rennen, ist echt schwierig. Die Beine können das fast nicht umsetzen und brauchen Zeit, bis sie wieder im Takt sind.

Und dann legen Sie bis zum Ziel noch einen Sprint hin?
Ich versuche effektiv, das Tempo nochmals zu verschärfen. Das Ziel ist es, den Rang, den ich mir auf der Treppe erarbeitet habe, zu halten, mich also möglichst nicht mehr von hinten überholen zu lassen.

Vor drei Jahren haben sie für den Treppensprint gut neun Minuten gebraucht. Sie wurden 10. von 22 Teilnehmern. Wollen Sie diesmal noch schneller sein?
Eigentlich schon, aber diese Zeit werde ich wohl dieses Jahr nicht mehr erreichen, da ich gerade noch etwas erkältet bin. 2014 hatte ich mir vorgenommen, in unter elf Minuten zu laufen. Diesmal hoffe ich auf unter zehn Minuten.

Was machen Sie, wenn Sie den Krampf bekommen?
Am Kyburglauf ist mir das noch nie passiert, dafür ist das Rennen zu kurz. Dehnen hilft. Man kann dann nur warten, bis die Symptome weg sind. Der Treppensprint wäre dann aber gelaufen.

Rennen Sie gerne bergauf?
Früher nicht. Das Bergauflaufen war meine Schwäche und ich fand es überhaupt nicht lustig. Deshalb habe ich beschlossen, das speziell zu trainieren. Ich habe deshalb auch schon ein paarmal am Berglaufcup im Zürcher Oberland teilgenommen. Seit ich sehe, dass das fruchtet, mache ich es gerne.

Wie belohnen Sie sich nach dem Rennen?
Als erstes gehe ich in die Turnhalle, da es draussen gemäss Vorhersage nass und kalt sein wird. Dort treffe ich mich mit anderen Weisslingern oder Kyburger Turnern, von denen ich auch einige kenne. Und dann genehmige ich mir einen sauren Most, sofern es das überhaupt gibt.

(Der Landbote)

Erstellt: 10.11.2017, 12:49 Uhr

Steil und anstrengend: Die Treppe von Sennhof hinauf zur Kyburg erfordert eine gute Kondition.

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