Lindau

Zwei waren sich einig, einer fiel auf

Die Kandidierenden um einen Sitz im Gemeinderat, Urs Vescoli (parteilos), Stephan Schori (SVP) und Pia Lienhard (FDP), duellierten sich auf einem Podium. Der parteilose Vescoli hielt sich nicht mit Kritik zurück, de Silva fehlte.

Am Podium diskutierten Urs Vescoli, Stephan Schori, Moderator Andreas Schefer und Pia Lienhard (v.l.). Wangdü de Silva fehlte.

Am Podium diskutierten Urs Vescoli, Stephan Schori, Moderator Andreas Schefer und Pia Lienhard (v.l.). Wangdü de Silva fehlte. Bild: Madeleine Schoder

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der Fragerunde sprach ein Lindauer aus, was sich in den 30 Minuten Gespräch davor schon abgezeichnet hatte: Zwischen den Positionen von Stephan Schori (SVP) und Pia Lienhard (FDP) gab es kaum Unterschiede. Der parteilose Urs Vescoli hingegen stach heraus. Die drei haben sich am Dienstagabend an einem Podium rund 100 Interessierten präsentiert. Sie alle bewerben sich um den Sitz von Werk- und Tiefbauvorstand Hanspeter Frey (SVP). Dieser tritt zurück, weil er Verwaltungsratspräsident der neu gegründeten EW Lindau AG wird. Ebenfalls im Rennen um die Nachfolge Freys ist Wangdü de Silva (GLP). Er hatte sich aber wegen Krankheit kurzfristig abgemeldet. Der erste Wahlgang findet am 17. November statt.

Die unterschiedlichen Haltungen der Kandidaten stachen insbesondere bei den Themen Finanzen, Überbauung Gebiet Ölwis/Blankenwis in Winterberg und Entwicklung des Lindauer Dorfkerns heraus. Während Lienhard und Schori fanden, dass die Finanzen der Gemeinde gesund seien und man den Steuerfuss auf dieses Jahr hin durchaus von 115 auf 110 Prozent habe senken können, sagte Vescoli: «Der Steuerfuss könnte weiter sinken.» Und: Der Gemeinderat gebe zu viel Geld für externe Abklärungen aus.

«Vernünftige Überbauung»

Die geplante Überbauung in Winterberg mit 250 neuen Wohnungen, welche die 950 Einwohner im Ort praktisch verdoppeln wird, stuften Schori und Lienhard als vernünftig und verkraftbar ein. Vescoli hält sie für überdimensioniert.

Zu den Personen
Um den Gemeinderatssitz von Hanspeter Frey (SVP) kämpfen Urs Vescoli (52, parteilos), Pia Lienhard (45, FDP), Stephan Schori (50, SVP) und Wangdü de Silva (28, GLP). Vescoli wohnt in Tagelswangen, trainiert den Skeleton-Nachwuchs und führt in Kemptthal eine mechanische Werkstatt. Lienhard hat als Einzige Exekutiverfahrung. Sie sitzt seit 2015 in der reformierten Kirchenpflege, lebt in Lindau und hat eine erwachsene Tochter. Die Treuhänderin ist auch Mitglied im Verwaltungsrat des Alters- und Pflegezentrums Bruggwiesen in Effretikon. Informatiker Schori wohnt in Tagelswangen, ist Prüfungsexperte für Treuhänder, Präsident eines Schützenvereins und engagierte sich schon in Bassersdorf im Vorstand der SVP. Der Lindauer de Silva ist Campaign-Manager und sitzt im Vorstand der Jungen Grünliberalen Schweiz. (neh)

Im Dorfkern von Lindau, wo der Gemeinderat auch über eine Lösung für das in die Jahre gekommene Verwaltungsgebäude nachdenkt, müsse man Rücksicht auf das Ortsbild nehmen, sagte Schori. Dem pflichtete Lienhard bei: «Es soll etwas Schönes werden, dafür braucht es Zeit.» Vescoli hingegen ging die Planung zu wenig schnell. «Das könnte sich keine private Firma leisten.» Er forderte den Gemeinderat zudem dazu auf, die Bevölkerung in die Planung einzubeziehen.

Im Kampf um den Einzug in die Exekutive hatte sich Pia Lienhard als Letzte zur Wahl gemeldet. «War das Taktik oder Unentschlossenheit?», fragte Moderator Andreas Schefer, Bereichsleiter Kommunikation bei der OGS Beratungsteam AG aus Uster. «Weder noch», sagte Lienhard, räumte dann aber ein, dass man mit den Parteikollegen schon geschaut habe, wer bereits kandidiere. «Wir wollten die Auswahl noch vervollständigen.»

Stephan Schori gab an, bereits bei den Erneuerungswahlen im Frühling 2018 mit einer Kandidatur geliebäugelt zu haben. Weil aber alle Bisherigen nochmals antraten, habe die SVP davon abgesehen, einen Kandidaten zu stellen. Nun sei die Situation anders, und deshalb bewerbe er sich, sagte Schori.

Schon mal angetreten

Als Einziger bereits einmal zur Wahl angetreten war Urs Vescoli. Im März 2018 erreichte er zwar das absolute Mehr, schied aber als Überzähliger aus. Weil nun schon nach eineinhalb Jahren ein Sitz frei geworden sei, trete er wieder an, sagte er. In vier Jahren wäre es dem Tagelswangener zu spät gewesen.

Und wo sind denn nun die Unterschiede zwischen FDP-Kandidatin Lienhard und SVP-Kandidat Schori? «Auf Gemeindeebene sind wir nicht vollkommen anderer Meinung», sagte Lienhard. Und auch Schori gab an: «In den Sachthemen ticken wir ähnlich.» Am Ende werde deshalb der persönliche Hintergrund die Wahl entscheiden.

Vescoli verortet sich irgendwo zwischen FDP und SVP, ist aber gegen einen EU-Beitritt, wie er sagte. Auf Gemeindeebene sei die Parteizugehörigkeit aber nicht so wichtig, fuhr er fort. Dem stimmte Lienhard zu. Und Schori sagte: «Man muss wissen, wofür ein Kandidat steht.»

Erstellt: 30.10.2019, 16:35 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles