Benken

2500 Muscheln und ein Emu

Im ehemaligen Gasthof Sonne befindet sich eine altertümliche Sammlung, die nun erstmals öffentlich zugänglich ist.

Die naturhistorische Sammlung von Heinrich Götz.

Die naturhistorische Sammlung von Heinrich Götz. Bild: Enzo Lopardo

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Kurios, seltsam, mutet sie an, die naturhistorische Sammlung in dem Raum der Grösse eines Tante-Emma-Ladens. Er befindet sich im Erdgeschoss der ehemaligen Gastwirtschaft Sonne in Benken. Eine Schneeeule starrt einen an, ein Emu bewegt sich, wenn man auf den knarrenden Parkett in seiner Nähe tritt. Das Auge des Besuchers weiss nicht wohin mit dem Blick. Es erfasst die Ausstellung nicht, schaut von Vitrine zu Vitrine, da ausgestopfte Vögel, da Kristalle, dort Gesteine, Schnecken, Muscheln und tropische Schmetterlinge, alles in jeder erdenklicher Form und in grosser Anzahl.

Ein Junggeselle

Eine kleine Sammlung ist das nur auf den ersten Blick. Die Objekte liegen eng aneinander, ein jedes akkurat von Hand beschriftet: «Spermetes punctulata. Muskatfink. Asien.» Ein wunderschöner kleiner Vogel mit blutroten Tupfen am Hals. «Renicero, Spec. Hinterkiefer. Eckzähne Nashorn. Quarzwerk Benken.» Der Nashornzahn wurde also ganz in der Nähe in der Grube gefunden, wo zwischen 1840 und 1980 Quarzsand abgebaut wurde.

«Heinrich Götz ist nie weit gereist und war zeitlebens nie am Meer»Karin Keller

Sonst stammen die meisten Objekte aus in der ganzen Welt verstreuten Orten. So liegt eine Gesteinsprobe aus dem Binntal neben einem Stein aus Colorado.«Heinrich Götz ist nie weit gereist und war zeitlebens nie am Meer», sagt Karin Keller, die durch das naturhistorische Kabinett führt. Der Tierarzt Dr. Jakob Heinrich Götz hat die Sammlung in Benken zusammengetragen. Er war der Urgrossonkel von Karin Keller.

Fast alle Objekte habe Götz von anderen Sammlern gekauft oder mit ihnen getauscht. «Das ging ganz schön ins Geld.» Doch Götz hatte nie geheiratet und musste keine Familie ernähren.

Ein Lebenswerk

Der Junggeselle war leutselig, sang in Chören, dirigierte sie und spielte gerne Theater. Beruflich übte er das Amt des Bezirkstierarztes im Weinland aus und war zugleich Grenztierarzt. Doch neben dies allem müssen ihm in seinem Leben tausende und abertausende von Stunden Zeit geblieben sein, um sich seiner Sammlung zu widmen.

Sie wurde zu seinem Lebenswerk. Er arbeitete ab vermutlich etwa 1890 bis zu seinem Tod 1934 daran. Dazu nur eine Zahl: Unter vielem anderen beherbergt die Sammlung schätzungsweise 2500 Muscheln und Meeresschnecken. Die grösste misst in der Breite 40 bis 50 Zentimeter, andere sind nur so gross wie der kleine Fingernagel. Doch selbst diesen Exemplaren ist ein mit winziger Schrift beschriebenes Schildchen zugeteilt.

«Gerade in ihrem alten ursprünglichen Zustand, in den alten Schaukästen, hat die Sammlung ihren Reiz»Karin Keller

Götz‘ Sammlung bleibt wo sie ist. Sie würde laut Keller Schaden nehmen, wenn man die einzelnen Objekte in die Hand nähme und versuchen würde, sie irgendwo anders zu platzieren. Das gilt besonders für die Schmetterlinge und – sie fallen erst jetzt ins Auge – die präparierten Fische, die von der Decke hängen. «Gerade in ihrem alten ursprünglichen Zustand, in den alten Schaukästen, hat die Sammlung ihren Reiz», sagt Keller. Als man ihr riet, die Objekte mit modernen Lampen besser zu beleuchten, lehnte sie ab. «Am besten man fasst hier nichts an.»

Die Familie Götz wirtete über 170 Jahre im Gasthaus Sonne, und betrieb das Restaurant noch bis 1991 selbst. Heinrich Götz wurde in diese Familie und ihr Gasthaus hineingeboren. Mit seinem Beruf wählte er einen für seine Verhältnisse ungewöhnlichen Lebensweg.

Er wohnte aber dennoch stets im Gasthaus seiner Familie, was ihm jede Hausarbeit abnahm und zusätzlich Zeit für sein Werk frei machte. So gäbe es ohne Gasthaus vielleicht keine Sammlung.

Die Sammlung ist jeden ersten Sonntag im Monat von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr offen, nächster Termin ist der 5. Mai.

Erstellt: 02.05.2019, 11:32 Uhr

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