Neftenbach

Diese Herzen helfen heilen

Um Frauen mit Brustkrebs die Behandlungszeit angenehmer zu machen, nähen Neftenbacherinnen einen Tag lang Kissen in Herzform. Die Idee dafür stammt ursprünglich von einem anderen Kontinent.

Ein gutes Dutzend Helferinnen aus Neftenbach nähen rund 100 Herzkissen für Frauen mit Brustkrebs.

Ein gutes Dutzend Helferinnen aus Neftenbach nähen rund 100 Herzkissen für Frauen mit Brustkrebs. Bild: Marc Dahinden

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6000 Frauen erkranken hierzulande laut der Krebsliga Schweiz jährlich an Brustkrebs. Bei den Männern sind es im Schnitt 50 Fälle pro Jahr. «Meine Hände reichen nicht, um alle Betroffenen, die ich kenne, aufzuzählen», sagt Gertrud Epprecht. Sie ist Mitglied beim Quiltverein von Neftenbach, der dieses Jahr zum zehnten Mal das Herzkissennähen organisiert.

Einen Tag lang produzieren die Vereinsmitglieder und weitere Frauen aus dem Dorf Kissen in Herzform. Sie sollen den erkrankten Frauen eine Stütze sein. Denn auf die Diagnose Brustkrebs folgt meist eine Operation, bei der manchmal ein Teil, manchmal das ganze Brustgewebe entfernt werden muss. «Der Eingriff hinterlässt Narben, die schmerzen», sagt Epprecht. Das Herzkissen können die Frauen zwischen Arm und Oberkörperklemmen, um die Wunde zu entlasten.

Berge an Material

«Die Idee für die Herzkissen kam von Amerika in die Schweiz, wie so manches», sagt Epprecht und lacht. In Neftenbach war es jedoch Kathrin Kurth, die das Projekt anstiess. Kurth war ebenfalls Mitglied bei den Nefti-Quiltern, sei dann jedoch weggezogen. «Das Projekt lebt aber weiter», sagt Epprecht. Jedes Jahr kommt Kurth, die ihre Idee inzwischen auch in andere Gemeinden getragen hat, vorbei, um die Kissen abzuholen. «Sie liefert unsere fertigen Arbeiten dann an die Spitäler aus.»

Wer welches Herzkissen bekommt, wissen die Näherinnen nicht. Die 13 Helferinnen sitzen um die Tische im Kirchentreff von Neftenbach, plaudern und produzieren in Fliessbandarbeit. Jede von ihnen macht den ganzen Tag denselben Arbeitsschritt. Auf einem Tisch ist ein Berg aus Stopfmaterial getürmt, auf dem nächsten liegen unzählige Stoffe. «Es ist einfach eine super Sache», sagt eine Helferin beim Stopfposten. Sie sei durch die Anzeige im Gemeindeblatt dazu gestossen und nun bereits zum vierten Mal dabei.

«Ich mache es auch, weil ich einfach unglaublich dankbar bin»

«Ich mache es auch, weil ich einfach unglaublich dankbar bin», sagt eine Näherin, die gerade ein geblümtes Stoffherz zunäht. Erst vor kurzen habe sie wieder die routinemässige Mammografie-Untersuchung gehabt. «Ich bin so erleichtert, dass bei mir alles gut ist.» Dass gesund zu sein nicht selbstverständlich ist, hat Organisatorin Epprecht in ihrem nächsten Umfeld erlebt. Auch ihre Mutter habe zwei Mal gegen den Krebs gekämpft und es beide Male geschafft. «Es ist schön, wenn wir so unseren Beitrag leisten können», sagt sie.

Für jeden etwas

Mit viel Bedacht stellt Epprecht die passenden Stoffe für die Kissen zusammen. «Nicht jede Frau mag rosa oder Blümchenmuster.» Damit alle fündig werden, mache sie extra auch etwas «jungenhafte» Kissen. Auf dem Tisch mit den fertigen Herzen stehen Blau-weiss gestreifte Kissen neben hellrosa geblümten und solchen mit Glückskäfer-Muster. Um halb elf haben die Näherinnen 27 Kissen genäht. «Unser Ziel ist es, mindestens 100 zu schaffen.» Sie seien aber guter Dinge, dass das klappt. Einmal hätten sie über 140 Kissen geschafft. «Dank den freiwilligen Helferinnen aus dem Dorf kommen wir gut voran.»

Erstellt: 16.01.2020, 16:25 Uhr

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