Kleinandelfingen

In der Kunst findet sie Perfektion

Annette Grunert ist neben Pinseln und Farbkasten gross geworden. Heute stellt sie ihre eigene Kunst aus.

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Während die Menschheit auf der Suche nach einem zweiten, bewohnbaren Planeten ist, hat Annette Grunert sich schon einige Welten erschaffen. «Wenn ich an meinen Weltenbildern arbeite, gehören sie mir, sobald ich sie ausstelle, gehören sie allen», sagt die Künstlerin. Im knapp 60 Quadratmeter grossen Raum der Galerie im Gemeindehaus in Kleinandelfingen sind ihre Bilder und Plastiken ausgestellt.

«Meine Kunst soll Freude machen», sagt Grunert. An den Wänden hängen ihre bunten Bilder, die allesamt aus einfachem Papier gefertigt sind. Die kleinen, farbigen Quadrate, die sich aus einem Flechtmuster ergeben, erinnern durch den Ölanstrich an Mosaiksteine. Auf vielen der Werke steht eine Kugel, eine «Welt», wie es die 57-Jährige selbst bezeichnet, im Zentrum.

Die Technik, die Grunert bei ihren Bildern anwendet, erfordert Präzision. «Dieses Flechten habe ich schon im Kindergarten gemacht», hätten schon einige zu ihr gesagt. Damit am Ende aber genau das Muster entsteht, das sich die Künstlerin vorstellt, reicht einfache Webetechnik nicht aus. «Ich überlege mir vorher alles genau im Kopf.» Die Farbe jedes einzelnen Quadrats ihrer Bilder sei vorbestimmt. «Ich überlasse nichts dem Zufall, das ist alles Mathematik.»

Aus drei wird eins

Dass sich Annette Grunert dennoch als Chaotin bezeichnet, scheint bei den exakten Formen schwer vorstellbar. «In der Kunst stelle ich mich der Herausforderung, genau zu arbeiten.» Meist benötigt sie für eine ihrer Welten etwa zwei Monate. Jedes der geflochtenen Werke besteht aus zwei bis drei Bildern, die auseinandergeschnitten und neu zusammengefügt werden.

«Keine Farbe kommt zweimal auf einem Bild vor», sagt die Künstlerin. Jedes Quadrat sei eine neue Mischung und somit einzigartig, leuchtstiftgelb, meerblau, silber oder blutrot. Grunert will aus allen Farben das Beste holen. «Viele mögen etwa kein Braun, das probiere ich dann durch eine knallige Nachbarsfarbe aufzuheben», sagt sie und deutet auf ein kleines braunes Feld, das neben einem leuchtend orangen Quadrat steht.

Als Tochter zweier Textildesigner ist Grunert im Toggenburg aufgewachsen. «Da gehörten Pinsel und Farben zum Alltag.» Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihrem Hund am Bodensee. Bei Spaziergängen mit ihrem Vierbeiner kommen ihr oft Ideen für neue Projekte. «Die schreibe ich mir dann auf Ideenzettel, die ich später hoffentlich wieder finde», sagt sie und lacht.

140 Jahre alt

Um all ihre Ideen umzusetzen, braucht die Künstlerin genügend Zeit: «Ich werde sowieso 140 Jahre alt, das habe ich schon als Kind gesagt.» Es ist eine unbeschwerte, kindliche Neugier, die sie antreibt, sich auf neue Wege zu begeben. Neben den Flechtbildern hat Grunert auch Kugeln aus Papierröllchen gefertigt. «Ob es funktioniert, sieht man erst am Ende», sagt sie und dreht einen der Bälle in den Händen.

Bevor sie mit der Arbeit beginnt, trägt Grunert ihre Ideen lange im Kopf herum. «An dem hier habe ich zwei Jahre lang studiert», sagt sie und deutet auf ein Bild mit dem Namen «Saubermannwelt». Weisse und silberne Quadrate, in der Mitte eine bunte Kugel, die zu strahlen scheint. Auch wenn Grunert vor allem mit quadratischen oder Kreisformen arbeitet, wurde ihr dabei bis jetzt nicht langweilig. «Man muss eben näher hinsehen, um alle Details zu erkennen.» Damit hat die Künstlerin recht: Betrachtet man die Quadrate im Einzelnen, merkt man, dass auch sie bereits eine Welt in sich sind.

Annette Grunert in der Galerie im Gemeindehaus. Vernissage: Freitag, 6. September, ab 19 Uhr. Geöffnet bis 29. September. Fr 16–20 Uhr, Sa 14–18 Uhr, So 11–15 Uhr. Schaffhauserstrasse 11, Kleinandelfingen. www.weinlandgalerie.ch

Erstellt: 05.09.2019, 16:13 Uhr

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