Ossingen

«Meine Texte fühlen sich an wie meine zweite Haut»

Jan Rutishauser steht als Kabarettist seit sieben Jahren auf der Bühne. Am 4. Oktober zeigt er im Herminenkeller sein Programm «gepflegte Langeweile» eines der letzten Male.

Wenn er beim Schreiben nicht weiter kommt, gönnt sich Jan Rutishauser eine Dosis Langeweile.

Wenn er beim Schreiben nicht weiter kommt, gönnt sich Jan Rutishauser eine Dosis Langeweile. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wenn Jan Rutishauser beim Texte schreiben nicht weiterkommt, verschreibt sich der Kabarettist einfach selbst eine Dosis Langeweile. «Ich setzte mich an einen Tisch und mache nichts», sagt Rutishauser. Was Langeweile für ihn zum Wundermittel im Alltag macht, erzählt er in seinem Programm «gepflegte Langeweile».

Am 4. Oktober ist der 32-Jährige im Herminenkeller in Ossingen zu sehen. «Meine Texte fühlen sich an wie meine zweite Haut», sagt Rutishauser. Jeweils zwei bis drei Jahre tourt er mit einem Programm von Bühne zu Bühne. Nach seinem zweiten Abendprogramm ist bereits das dritte mit dem Namen «absolute Perfektion» geplant, das im Januar starten wird. In Ossingen zeigt er «gepflegte Langeweile» bald zum letzten Mal.

«Der Text lebt aber weiter, wenn auch nur im privaten Rahmen», sagt der Kabarettist. Auf Geburtstagen oder anderen Festen trage er manchmal Auszüge seiner Texte vor. Das Vortragen sei ihm jedoch nicht von Beginn an leicht gefallen: «Vor meinem ersten Auftritt war ich so nervös, das war eine Katastrophe.» Obwohl er inzwischen einige Bühnenerfahrung hat, ist ein Teil der Nervosität geblieben: «Heute ist es aber vielmehr ein freudiges Aufgeregtsein.»

Rutishausers Texte haben immer einen wahren Kern

Im Kabarettistsein hat Rutishauser seine Berufung gefunden: «Wenn ich morgens aufstehe, freue ich mich darüber, dass ich das machen kann.» Das Publikum zum Lachen zu bringen, mache ihn glücklich. «Natürlich erhoffe ich mir, dass ich es mit meinen Texten auch ein wenig berühren kann.» Denn seine Texte sind meist sehr persönlich. «Alles was ich schreibe, hat einen wahren Kern.» Oft sind es Erlebnisse, die er dann etwas überspitzt wiedergibt. So beispielsweise auch die Geschichte, wie er in seiner Zeit am Gymnasium eine Mitschülerin beeindrucken wollte. In der Erzählung beschreibt Rutishauser, wie die ganze Schule ihm dabei zusah, wie er sich «zum Affen» gemacht hat. «Das veranschaulicht mein Empfinden natürlich viel besser, als wenn nur von mir und ihr die Rede wäre.»

«Vor meinem ersten Auftritt war ich so nervös, das war eine Katastrophe.»Jan Rutishauser, Kabarettist

Als Testperson für sein Geschriebenes dient sich Rutishauser gleich selbst: «Ich bin sozusagen mein erstes Publikum.» Denn bevor er einen Text schreibe, wisse er schliesslich nicht, was ihm in den Sinn käme. «Manchmal bin ich von mir selbst überrascht.» So komme es vor, dass er wegen seiner eigenen Ideen laut lachen müsse.

Dank Gitarre eine rhythmische Note

Nicht nur mit Kabarett, auch mit Poetry-Slam-Texten steht Rutishauser regelmässig auf der Bühne. Beispielsweise war er schon mehrfach Finalist bei den Schweizer Poetry Slam Meisterschaften und wurde 2018 Dritter. «Bei den Slams sind jeweils etwas andere Texte gefragt, als beim Kabarett.» Slam-Texte seien durch die Reime lyrischer und rhythmischer. Doch auch «gepflegte Langeweile» habe Dank seiner Gitarre eine rhythmische Note. Mit ihr begleitet sich Rutishauser selbst. «Ich singe, aber nicht gut», sagt er und lacht. Die paar schrägen Töne scheint das Publikum ihm bis anhin verziehen zu haben: «Manchmal muss ich auch eine Zugabe geben.»

Davor den Faden zu verlieren, hat er heute weniger Angst als früher: «Inzwischen ist es mir nämlich schon einmal passiert.» Irgendwie sei ein Dialog zwischen ihm und einer Zuschauerin entstanden, nach welchem er keine Ahnung mehr hatte, was als nächstes dran war. «Da musste ich erstmal in meinen Notizen nachschauen.» Solche Erlebnisse seien gut, um sich weiterzuentwickeln. «So sieht auch das Publikum, das ich nur ein Mensch bin.»

Jan Rutishauser: «Gepflegte Langeweile», Freitag, 4. Oktober, 20.30 Uhr. Herminenkeller, Steinerstrasse 23, Ossingen. Eintritt: 25 / 15 Fr. Tickets und Infos: www.gemeindevereinossingen.ch/veranstaltungen oder www.janrutishauser.ch

Erstellt: 30.09.2019, 11:58 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!