Elsau

«Pantomime ist mehr, als Leute zum Lachen zu bringen»

Carlos Martinez spielt die Menschenrechte, ohne Worte. Seiner Botschaft fesselt Zuschauer weltweit.

Carlos Martinez spielt Menschenrechte.

Carlos Martinez spielt Menschenrechte. Bild: PD

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Carlos Martinez, Welcher der 30 Menschenrechtsartikel der Vereinten Nationen ist für Sie der wichtigste?
Als jemand, der in Spanien wohnt, kann ich sagen, dass mir das Recht auf Arbeit am wichtigsten ist. Ich bin sehr froh, dass ich den Beruf frei wählen und als Künstler leben kann. Der Artikel 3, «Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person», sollte am wichtigsten sein. Das ist vorausgesetzt.

Würden Sie vor gewissen Zuschauern, in Spanien vielleicht die nationalkonservative Partei Vox, nicht auftreten?
Nein, im Gegenteil. Ich würde nichts ändern am Programm. Das Problem sind Wörter, nicht Gesten. Wenn ich kein einziges Wort sage, kann mir niemand etwas anhängen – ich hätte dies oder das gesagt. Ich hatte schon Vorstellungen vor Politikern jeglicher Couleur und nie Probleme.

«Als ich vor Immigranten gespielt habe, hatten sie eine derart andere Kultur, dass sie nicht wussten, dass sie Menschenrechte haben.»

In den ersten 15 Minuten des Programms bleibt einem aber das Lachen im Halse stecken.
Ja, manchmal kommen Leute, die Karten von Freunden geschenkt bekommen, weil die eine meiner lustigen Shows gesehen haben. Dann sind sie vielleicht geschockt. Aber «Human Rights» erlaubt mir, in 14 Szenen zu zeigen, dass Pantomime mehr ist, als Leute zum Lachen zu bringen. Ich will jedoch nicht erschrecken, sondern durch Humor Hoffnung geben.

Sie treten auch in Schulen auf. Verstehen Kinder das Programm «Human Rights»?
Bei dieser Aufführung sollten keine Kinder unter 12 sein, das wäre uns lieber. Meine Vorstellungen sind für alle, aber der Beginn von «Human Rights» ist sehr intensiv und für manche schwer zu ertragen. Jüngere Kinder sehen etwas, was sie falsch verstehen könnten. Ältere Schüler erhalten ein Büchlein mit den Menschenrechtsartikeln zur Begleitung. Als ich vor Immigranten gespielt habe, hatten sie eine derart andere Kultur, dass sie nicht wussten, dass sie Menschenrechte haben. Dann mache ich es eher wie in der Schule, dann spreche ich auch und stelle ihnen nur drei, vier Artikel der Menschenrechtserklärung vor.

Was war die initiale Idee zu dieser Produktion?
Die Europäische Union rief 1996 das Projekt «Teaching through Theatre», Lehren durch Theater, ins Leben und bat Theaterkompagnien um Vorschläge. Damals trat ich noch als Schauspieler auf. Weil das 50-Jahr-Jubiläum der Menschenrechtserklärung von 1948 bevorstand, wählten wir dieses Thema. Später setzte ich das Stück pantomimisch um. 2004 war die Premiere.

Haben Sie in der Zeit etwas an Ihrer Darstellung verändert?
Ich änderte Dinge, um die Qualität zu verbessern, aber der Inhalt ist immer noch derselbe. Ich arbeite kontinuierlich daran, es klarer, verständlicher und präziser zu machen. Es ist so ein empfindliches, wichtiges Thema. Und jeder Tag ist anders, auch künstlerisch. Obwohl die Gesellschaft sich geändert hat, können die Menschen das Stück über die Pantomime durch ihren persönlichen Filter sehen, in ihren Kontext und ihre Umgebung stellen.

Sie unterrichten Pantomime, auch in der Schweiz. Was reizt die Menschen daran?
Mein Anfänger-Workshop «ABC der Pantomime» ist ein Basisprogramm, bei dem es hauptsächlich um Nachahmung geht. Es kommen Leute, die für ihr eigenes Leben lernen; etwa, im Alltag besser kommunizieren wollen. Das sind Lehrer, Ärzte, Köche, Büromenschen. Ich liebe es zu sehen, wie sie sich entwickeln. Der fortgeschrittene Workshop ist die «Grammatik der Pantomime». Diese Teilnehmer wollen selbst etwas entwickeln, vielleicht auf einer Hochzeit oder vor Freunden auftreten oder einfach ihre Technik verbessern.

Sie stehen seit 37 Jahren auf der Bühne und spielen fast jeden Tag. Ermüdet Sie das nicht?
Bis jetzt liebe ich, was ich tue. Während einer langen Tournee, spüre ich schon, dass mein Körper müde wird. Aber meine Agentur schaut gut zu mir und überfordert mich nicht – auch emotional. Ich gehe für ein, zwei Vorstellungen irgendwo hin und kehre dann nach Hause nach Barcelona zurück. So bleibe ich in meine Kunst verliebt.

Human Rights: Freitag, 13. September, 20 Uhr. Mehrzweckhalle Ebnet, Elsau. Türöffnung und Bistro ab 19 Uhr.Reservation: anmeldung@wuestfonds.ch, Tel. 079 702 86 54. Eintritt für Nicht-Elsauer: Fr. 25.

Erstellt: 12.09.2019, 12:06 Uhr

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