Stammheim

«Singen tut den Menschen gut»

Nadja Räss jodelt, seit sie ein Kind ist – und erklärt, warum auch Winterthur bald jauchzen wird.

Nadja Räss und Markus Flückiger gehen neue Wege.

Nadja Räss und Markus Flückiger gehen neue Wege. Bild: PD

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Nadja Räss, Sie präsentieren das Jodeln in einer innovativen Form. Was erwartet den Zuhörer auf der Hirschenbühne bei Ihrem Programm «sälbander»?
Nadja Räss: Markus Flückiger und ich spielen Musik, die in der Schweizer Volksmusik verwurzelt ist, aber wir gehen neue Wege. Ich mit dem Jodel und er mit dem Schwyzerörgeli, aber nicht nur. Insgesamt hat er vier verschiedene Instrumente auf der Bühne, weil alle unterschiedliche Grundtonarten haben, die zum Gesang passen. Er kann verschiedene Klangregister setzen, und dadurch tönt es immer anders.

Das Jodeln und das Schwyzerörgeli gehören historisch zusammen.
Ja, seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat das Instrument sehr viel Platz eingenommen in der Volksmusik, weil man damit harmonisch gleich mehrere Instrumente ersetzen kann.

Wo suchen Sie selbst Ihre Inspiration?
Bei ganz alten Aufnahmen aus der Schweiz, die ältesten sind von 1901. Heute hört man das Jodeln so nicht mehr oft, man ist es nicht mehr gewohnt. Beim Singen schaue ich auch gerne in andere Kulturen, welche mit anderen Stimmregistern arbeiten. Die skandinavische Gesangskultur und die aus dem Balkan sehr eindrücklich.

Früher sang man mehr gemeinsam, etwa bei der Stubete. Der österreichische Musikwissenschaftler Franz Eibner sagte: «Das Wirtshaus ist die Hochschule der Volksmusik.»
Wir haben einen etwas anderen Kreis als das traditionelle Jodlerabendpublikum, weil wir Volksmusik neu darbieten. Was wir machen, ist eher für ein musikinteressiertes Kleintheaterpublikum geeignet. Gerade erst haben wir im Baselbiet ein neues Stück ausprobiert, als Zugabe. Da hat das Publikum angefangen mitzusingen, weil es so eingängig war. Wir waren überrascht, das war wunderschön und hat in unseren Konzerten auch Platz.

Dabei haben die Menschen heute mehr Hemmungen, einfach herauszusingen.
Ja, das mag sein. Aber ich leite auch Workshops und spüre das Bedürfnis der Menschen, sich einbringen zu können. Singen tut den Menschen gut. Und es gibt viele Angebote wie offenes Singen oder Singstammtische. Das sollte man weiter fördern. In Einsiedeln, wo ich wohne, leite ich einen Chor, und ein wichtiger Bestandteil nach jeder Probe ist, in ein anderes Restaurant zu gehen und dort gemeinsam zu singen.

Sind die Wirte und Gäste damit einverstanden?
Die Wirte kommen und fragen, ob sie das Radio abstellen können. In Winterthur ist bald das Jodlerfest, «Winti jodelt 2019», da wird das in den Restaurants sicherlich auch passieren.

Ist das Jodeln ein intrinsisches Bedürfnis, das in Kindern natürlich angelegt ist?
Ja, ich glaube schon. Ich war gerade in Mailand an der Schweizer Schule, und die Kinder waren fasziniert, dass sie beim Jodeln laute Töne von sich geben dürfen, das tut ihnen gut. In den Erwachsenenchören habe ich oft Menschen, die von Lehrern gehört hatten: «Du kannst nicht singen.» Das ist sehr schade.

Das Duo Flückiger-Räss spielt am Donnerstag, 23. Mai, 20 Uhr. auf der Hirschenbühne an der Steiggasse 4, Stammheim. Tickets: 30/20 Fr. (bis 25 Jahre).

(Landbote)

Erstellt: 17.05.2019, 11:19 Uhr

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