Zell

Auftauchen und verschwinden in der Zeller Kulturschmitte

Zur Vernissage von Dorothea Kellermüller und Romy Ott reisten am Samstagabend auch viele Besucher aus Winterthur an.

Figur von Romy Ott und Bild von Dorothea Kellermüller in der Kulturschmitte Zell.

Figur von Romy Ott und Bild von Dorothea Kellermüller in der Kulturschmitte Zell. Bild: Enzo Lopardo

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Durch den Regen kämpften sich am frühen Samstagabend viele Menschen vom Bahnhof Rämismühle-Zell ins Dorf. Umso erfreulicher war dort der Empfang in der Kulturschmitte, wo die Vernissage von zwei Künstlerinnen stattfand: Ein warmer Raum, eine herzliche Stimmung und vor allem das prasselnde Feuer im Kamin sorgten für eine wohlige Stimmung. Schnell war die Kälte vergessen und die Glieder wieder aufgewärmt.

Auch die Kunstwerke trugen zur warmen Atmosphäre bei: Plastiken aus Bronze oder schwarzem Ton oder Acrylbilder und Holzdrucke mit viel Flächen in Weiss, Rot, Grau und Schwarz. Die Ausstellung zum Thema «Auftauchen und verschwinden» ist die erste Zusammenarbeit der beiden Künstlerinnen Dorothea Kellermüller und Romy Ott.

Figuren mit Geheimnis

Beim Eintreten in den kleinen Raum fallen die Werke von Dorothea Kellermüller ins Auge. Vor allem die Acrylbilder wirken kräftig und dynamisch und ziehen sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Auf den ersten Blick fast übersehen könnte man hingegen die teils kleinen Figuren von Romy Ott. Sie sind meist aus Manganton und stehen in den Ecken auf einem Sockel oder auf Fenstersimsen. Sie tragen Namen wie «Sitzende», «Lesende» oder «Paar». Fast traut man sich nicht, in ihrer Gegenwart laut zu sprechen. Vielmehr möchte man ihnen ganz nahe sein, um vielleicht das Geheimnis der Figuren zu lüften. Sie scheinen alle eine individuelle Geschichte zu erzählen, wirken gedankenverloren und etwas melancholisch. Schnell hat sich ein Grüppchen um eine Bronzeplastik gebildet mit dem Namen «Lebensrahmen». In kleinen Vierecken, die aufeinandergestapelt sind, begegnen sich hier kleine Figuren, die alle ihre eigene Last zu tragen scheinen.

Farben, die verschwinden

Bald hatte sich der Raum gut gefüllt, und die Besucherinnen und Besucher genossen drei Lieder des Duos rondom. Mit Cello, Klarinette, Akkordeon und Gesang nahm das Duo die Gäste mit auf eine Reise um die Welt. Dann begrüsste Galeristin Nathalie Buchli die Anwesenden. Der Titel «Auftauchen und verschwinden» bedeute für sie, dass die Wahrnehmung von Kunst sehr beweglich sei. Eindrücke entstehen und ändern sich, und schliesslich gelange man in eine subtile Traumwelt und erkenne immer mehr. Und tatsächlich ging es den meisten Besuchern so: Je länger sie sich mit einem Objekt beschäftigten, desto mehr Gedanken kamen auf, verschwanden vielleicht wieder oder präzisierten sich. Nathalie Buchli sprach aus, was wohl viele im Raum irgendwie spürten: Die Plastiken von Romy Ott scheinen verträumt zu flüstern, fast schon spüre man ihren Atem.

Dorothea Kellermüller, die unter anderem auch Tanzkurse leitet, sei von Bewegung fasziniert, so Buchli. Bei der bildenden Kunst sei sie eher durch Zufall gelandet. Gerade der Holzdruck finde sie sehr spannend: Farben kommen und verschwinden zwischen den Schichten. Ihr gefallen die Arbeitsschritte beim Holzdruck: «Das Kraftvolle beim Holzschnitzen, das spielerische Schichtenlegen mit verschiedenen Holzplatten und der Moment des Staunens, wenn ich das Blatt vom Holz löse», so Kellermüller. Es sei nie wirklich voraussehbar, was entstehe.

Nach der offiziellen Eröffnung war der Raum so voll, dass viele für ein Gespräch lieber hinaus in den Regen gingen – im Wissen, dass sie jederzeit wieder in den gemütlichen Raum zurückkehren konnten.

Erstellt: 06.10.2019, 16:28 Uhr

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