Elsau

«Ausgelernt hat man nie»

Heinz Baltensperger hat sich einen Namen mit Pferdeporträts gemacht. In seiner 27. Ausstellung zeigt der Elsauer lebensnahe Szenen aus der Arbeit mit Pferden. Manche sind eine Reise in die Vergangenheit.

In 52 Jahren hat es Heinz Baltensperger aus Räterschen zu einer bemerkenswerten Kompetenz in der Pferdemalerei gebracht.

In 52 Jahren hat es Heinz Baltensperger aus Räterschen zu einer bemerkenswerten Kompetenz in der Pferdemalerei gebracht. Bild: Madeleine Schoder

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er ist selbst mit Ross und Wagen auf den Wegen in Eidberg herumgefahren. «Am Holmen geht es etwas bergauf, das ist gut, um die Kondition zu trainieren», sagt Heinz Baltensperger. Im Restaurant Frohsinn Eidberg zeigt er 26 Pferdebilder, gestern Abend war die Vernissage. Vieles sei noch wie früher, die Gegend sei bisher weitgehend verschont worden von landschaftlichen Eingriffen. Auf Baltenspergers Bildern sieht man Pferde den Pflug ziehen, sie trotten vor Kutschen und bilden eine Troika – eine russische Anspannung mit drei Tieren, wie der Maler erklärt.Seit 1965 beschäftigt sich der heute 71-Jährige mit dem Zeichnen und Malen von Pferden, seit seiner Lehrzeit. Zunächst wurde er handwerklicher Maler, dann sattelte er um zum Freileitungsmonteur der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich. Sich als Kunstmaler durchzuschlagen, war für den Vater von drei Söhnen keine echte Alternative: «Ich habe nicht gewusst, ob man davon leben kann.» Dafür liess er sich etwas früher pensionieren und bietet seine Pferde- und Wildtierbilder nun auch als Auftragsarbeiten an.

Offen für Auftragsarbeiten

So mancher hat gerne ein Porträt seines Pferdes zu Hause. «Erst mache ich mehrere Fotos, dann zwei, drei Entwürfe», sagt Baltensperger. Wenn er seine Skizzen vorlege, sei er offen für Änderungswünsche, «deshalb trifft man sich ja». Der Besitzer müsse die charakteristischen Züge seines Tieres wiedererkennen. Das scheint der Fall zu sein, denn die Mundpropaganda funktioniere.

Auch Baltenspergers Frau sei mit Pferden aufgewachsen, aber sie habe nicht den gleichen engen Bezug. «Sie begleitet mich zu Reitveranstaltungen, da lernt sie Leute kennen und unterhält sich.» Mit Gleichgesinnten ein gemeinsames Thema zu haben, gefällt auch dem Künstler an seinem Hobby. Gerade im Engadin habe er dadurch Menschen getroffen und Zugang zu Höfen erhalten, die ihm sonst verschlossen geblieben wären.

So sind Gemälde entstanden, die die Tiere frei in Schweizer Landschaften zeigen. Er mache keine Fotoübertragung, sondern arbeite aus dem Kopf. Bewegungen, welche die aufbäumenden, springenden und laufenden Rösser ausführten, seien dabei das Schwierigste. Und manchmal sehe eine an sich korrekte Wiedergabe einer Stellung doch komisch aus, sodass er sie abändere.

Auf der Gotthard-Kutschfahrt

Selbst hält Heinz Baltensperger keine Pferde, dafür aber seine Kinder. Ein Sohn hat sogar Hufschmied gelernt, aber er reite nicht mehr wie dazumal von Hof zu Hof, sondern fahre mit dem Auto. Zu seinem 70. Geburtstag bekam der Vater eine Fahrt mit dem Gotthard-Express von Andermatt nach Airolo geschenkt. Er erinnert sich, dass es am Vorabend noch fürchterlich regnete, aber am grossen Tag war es klar. Das Erlebnis war perfekt, als er auf dem Bock Platz nehmen durfte. Schliesslich besitzt er das Brevet für Kutschen.

Nein, die Pferdemalerei werde ihm auch nach über einem halben Jahrhundert nicht langweilig, sagt der Autodidakt. Rösser seien vielseitig, ausserdem habe man nie ausgelernt. Damit auch Dressurreiter – ein Genre, das ihm augenscheinlich etwas weniger nahe liegt – Passendes unter seiner Auswahl finden, hat er das Bild «Pas de deux» aufgehängt. Ein typisches Sujet ist eher sein Appenzeller Käser mit einem Fuhrwerk, das eine ganze Hüttenausrüstung, Kessel, Butterschleuder und eine Bank transportiert. Im Übrigen fällt auf, dass seine Motive kernige Bauern bei der Arbeit zeigen, keine Frauen. Das sei keine Absicht, betont er, gerade zu Kriegszeiten hätten ja auch die Frauen auf dem Feld ihren Mann gestanden. (Landbote)

Erstellt: 30.11.2017, 16:18 Uhr

Ausstellung

Bis 28. Januar im Restaurant Frohsinn Eidberg. Mi–Sa 9.30 bis 23 Uhr, So 9.30–21 Uhr.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!