Zell

«Blind, aber Flügel – Liebe wird’s genannt»

Das Zeller Chortheater bringt mit dem Kinder- und Jugendchor den «Sommernachtstraum» zur Aufführung.

Titania (Ursina Helg,rechts) im Zauberwald von Athen entbrannt zur Liebe für einen Esel. Foto: Sabine Bierich

Titania (Ursina Helg,rechts) im Zauberwald von Athen entbrannt zur Liebe für einen Esel. Foto: Sabine Bierich

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Zwei junge Männer verfolgen sich auf Leben und Tod durch den Wald. Es sind Lysander und Demetrius, die beide für die schöne Helena entbrannt sind, nachdem der Waldgeist Puck die Zaubertropfen, die er vom Elfenkönig Oberon bekommen hat, falsch verwendete. Diese Szene entstammt Shakespeares Liebeskomödie «Ein Sommernachtstraum», die Charlotte Joss für das Zeller Chortheater in Mundart für ein Singspiel bearbeitet hat.

Aus sich herausgehen

Ihre Tochter Sarah Deissler leitet den Kinder-und Jugendchor und führt mit ihr gemeinsam Regie. Ihr Sohn Kilian Deissler, Komponist, schrieb die Musik, und auch Ehemann Martin Deissler singt im Chor mit und zeichnet für die Produktionsleitung. Das Ensemble zählt rund 50 Mitglieder, die Hälfte sind Erwachsene, die andere Hälfte Kinder und Jugendliche inklusive zwei Musiker.

Zurück zu Lysander und Demetrius, gespielt von Patric Maurer und Michael Trstenjak. «Boomwhacker-Probe», sagt Charlotte Joss an. Boomwhackers sind unterschiedlich lange, verschiedenfarbige Kunststoffröhren, die, wenn man sie gegeneinander, auf den Boden oder Körper schlägt, Töne erzeugen. Die Jagd durch den Wald bekommt dadurch eine faszinierend rhythmische Getriebenheit. Nichts ist mehr am rechten Platz, alles wirkt verzaubert und wie verrückt. Scheinbar Verlässliches bekommt eine Schlagseite.

Charlotte Joss steht am Pult auf der linken Bühnenseite und dirigiert von hier aus den Chor und die Probe, macht Ansagen, springt hin und wieder auf die Bühne, ermuntert ihre Darsteller, noch mehr aus sich herauszugehen. Ihr gegenüber auf der anderen Seite der Bühne steht Sarah Deissler mit der Partitur in der Hand und singt mit ihr abwechselnd Kinderstimmen ein. Die heutige Probe ist bis auf ein Kind, Flavia, die Rad schlagend und keck den Puck spielt, ohne Kinder angesetzt. Die Musiker, Kilian Deissler und Sebastian Koelman, agieren alternierend am Keyboard, der Gitarre, Posaune und Oboe.

Prachtvolle Kostüme

Gespielt wird im Rikoner Engelburgsaal nicht auf der Bühne, sondern im Zuschauerraum, der mit schwarzer Folie ausgelegt ist und von dessen Decke, jeweils in einen Reif gefasst, an gespannten Drahtseilen brauner Tüll herabhängt: Die Bäume des Waldes von Athen. Sie können in der Waagerechten hin und her gefahren werden und sind mit Baumgeistern, sprich Chor, bevölkert.

Der Chor kann so in den verschiedenen Szenerien anwesend sein und bildet gleichzeitig das Bühnenbild. Dadurch bekommt der Raum eine interessante Tiefe. Die Bäume korrespondieren flirrend mit den prachtvollen Kostümen der Elfen und des Hofstaats. Nur die Kostüme der Handwerker sind schlichter gehalten. Die gewählten Braun- und Ockertöne für die Elfen und die Waldgeister, die mit viel Glitzer ausgestattet sind, bilden einen schönen Kontrast zu dem hellen Blau und kräftigen Rot, das für die Liebespaare gewählt wurde. Alle Kostüme wurden von Charlotte Joss und Esther de la Fuente selbst entworfen und genäht, die Masken, mit denen das Elfenvolk auftritt, von Sarah Deissler gefertigt.

Oft Sprechgesänge

Die Musik von Kilian Deissler hat Swing. Die Lieder sind oft Sprechgesänge, haben etwas chansonhaft Jazziges. Instrumentation und Notation sind immer ein wenig ironisierend und passen bestens zu der zärtlich bis rauen Art des Librettos. Das Volk von Athen grölt schräg skurril seinem Herrscher entgegen.

Die Handwerker sind als wunderbar dilettierender Gesangsverein in Szene gesetzt. Es werden aber durchaus auch lieblichere Töne angestimmt, so von den Liebespaaren und im Schlussgesang mit «Blind, aber Flügel – Liebe wird’s genannt» vom Chor, der damit nicht nur das Stück, sondern auch diese Probe beschliesst.

Ort: Engelburgsaal in Rikon, Samstag, 1. und 15. Februar sowie 13. und 27 Juni, jeweils um 19 Uhr. Sonntag, 2. und 16. Februar sowie 14. und 28. Juni, jeweils um 14 Uhr.

Erstellt: 23.01.2020, 16:57 Uhr

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