Zell

Das willkommene Diktat des Materials

Die Kulturschmitte in Zell zeigt einen liebevollen Blick für Einzigartigkeiten.

Matthias Rühle lässt sich vom Material inspirieren.

Matthias Rühle lässt sich vom Material inspirieren. Bild: Lionel Hausheer

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Matthias Rühle hat halb gerauchte Zigarren in Wasser aufgehen lassen und sich von den Tabakblätterresten faszinieren lassen. Wie feine Trampelpfade ohne Ziel auf Karten unbekannter Orte ziehen sich feine Blattadern über die braun-welken Blätter. Und dann, wenn das Blatt zu Ende geht, aber noch Papier da ist, nimmt Matthias Rühle das Muster des Blatts mit Tusche und Farbe auf und denkt es weiter, ergänzt es.

Schwimmender Tabak

Die Tabakblätterbilder hängen in der Kulturschmitte in Zell. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, was die beiden Künstler Hansjörg Diener und Matthias Rühle dort ausstellen. Es sind Bilder und Skulpturen aus Material, das eigentlich auf dem Müll hätte enden sollen. Aber wenn man die zerbrechlichen Strukturen der Tabakblätter erst einmal genau betrachtet hat, fällt es einem schwer, dem nächsten Zigarrenstummel gewohnt lieblos zu begegnen.

Zerfressenes Holz

Einmal brachte jemand einen grossen Mandelbaumstamm zu Matthias Rühle. Als er anfing, den Stamm mit der Motorsäge zu bearbeiten, sah er, wie beinahe das ganze Holz von Würmern zerfressen war. Nur gerade der harte, dunkle Kern des Stammes war unversehrt. Anstatt einer grossen Skulptur stehen nun zierliche Stücke des edlen Kerns auf kleinen Podesten.

So lässt sich Matthias Rühle gerne von seiner Umwelt in die Kunstwerke dreinreden. Als er im Garten ein Stück Holz aus einer wuchernden Pflanze schneiden musste, sah er nach einer Weile plötzlich, dass sich da eine Figur drin verbarg. Die Figur tanzt nun auf einem kleinen Podest auf einem Bein. Aber dass die Figur tanzt, hat hier nicht der Künstler entschieden, wie das bei Skulpturen sonst üblich wäre. Hier tanzt das Material beinahe freiwillig. Und Rühle und Diener lassen das zu.

Verbogene Stahlkessel

Die Bilder und Skulpturen sind eine Liebeserklärung an die Einzigartigkeit der Dinge. Unter dem genauen Blick der beiden Künstler verlieren die Materialien ihren eindeutigen Zweck. Verbogene Stahlkessel, alte Luftmatratzen, Schwemmholz, Schleifsteine oder verwachsene Gartenpflanzen werden zu Ausstellungsstücken, weit weg von dem, was sie waren, bloss noch Formen und Farben. (Landbote)

Erstellt: 26.03.2019, 14:22 Uhr

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