Stammheim

Der ehemalige Giesser pflegt Reben und malt

Der Maler und Winzer Erwin Frefel zeigt seine Bilder in Waltalingen. Aquarellieren hat für ihn Parallelen zu seiner früheren Arbeit in der Giesserei.

Erwin Frefel hilft mit bei der Pflege von Weinreben unterhalb des Schlosses Schwandegg in Waltalingen.

Erwin Frefel hilft mit bei der Pflege von Weinreben unterhalb des Schlosses Schwandegg in Waltalingen. Bild: Therese Schurter

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Kraftvoll steigt Erwin Frefel zu seinen rund 180 Rebstöcken der Sorte Müller-Thurgau den Hang hinauf und beginnt mit dem Winterschnitt. Mittlerweile ist er fast ein bisschen zu Hause bei der Familie Keller, der Besitzerin des Rebhangs. Gerne hilft er im Rebberg mit. Zudem unterstützt er die Familie bei Anlässen wie der Weihnachts-Weindegustation und verschönert das gemütliche Weinstübli mit seinen Naturbildern. Einige seiner Werke sind derzeit in der Ausstellung im Eventraum des Familienweinguts zu sehen.

Zu Hause ist Erwin Frefel seit 1977 in Seuzach. Im stadtnahen Dorf fühlt er sich wohl, und er ist hier verwurzelt. Als Rentner nutzt er die freie Zeit für seine vielfältigen Aktivitäten. Als Frühaufsteher nutzt er den Tag und besucht dreimal pro Woche das Fitnessstudio in Seuzach. «Wichtig ist, alle Körperpartien zu bewegen, damit der Rost abfällt», sagt er. Ein weiterer Fixpunkt ist das wöchentliche Treffen mit seinen Malkollegen, hauptsächlich Aquarellisten, in einem Raum in Sulz-Rickenbach.

Bleistift, Tusch und Farbe

Vor mehr als 30 Jahren hat Erwin Frefel angefangen, intensiv zu malen. Er besitzt immer noch seine allererste Zeichnung, datiert mit 17.9.1986. Gemalt hat er sie in einem Kurs in der Gewerbeschule, im «Rosthuufe» in Winterthur. In Grundlagenkursen im Freihandzeichnen erhielt er das Fundament für die Aquarellmalerei. Ein weiteres Hobby, das er schon sehr früh ausübte, war die Fotografie. Er entwickelte die Abzüge selber in Schwarzweiss und war fasziniert von der Möglichkeit, etwas ins rechte Licht zu rücken. Fotografieren schärfte seinen Blick für Kompositionen.

«Das Malen ab Skizze ist für mich intensiver, ich erkenne die Details besser»Erwin Frefel

Auch seine Motive für die Malerei fotografiert er ab und zu. Oft erstellt er vor Ort erste Skizzen. Wieder zu Hause, werden diese dann verbessert und ausgeschmückt. Im Rucksack hat er immer ein kleines Skizzenset dabei. «Das Malen ab Skizze ist für mich intensiver, ich erkenne die Details besser», sagt Erwin Frefel. In seinen Bildern widerspiegle sich das Leben. «Am Beispiel der Rebe: Sie ist verwurzelt, robust, braucht jedoch Pflege zum Gedeihen, steht oft an steilen Hängen, denn das Leben geht nicht immer geradeaus.» Natur und Technik ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Leben, sie finden sich auch in seinen Bildern wieder. Geboren 1942 und aufgewachsen als Bauernsohn in Weingarten TG, liess sich Erwin Frefel schon immer von der Natur inspirieren. Das lehrte ihn Bescheidenheit und genaue Beobachtungsgabe.

Ein Bild von Erwin Frefel mit dem Titel «Lisi, die lustige Kuh». Bild: PD

Giessen und Malen

Als gelernter Giesser stellt er hohe Ansprüche an sich selber. 35 Jahre arbeitete Frefel in der damals neu eröffneten Giesserei Sulzer in Oberwinterthur bis zu deren Schliessung. Aquarellmalen, seine bevorzugte Technik, hat Parallelen mit der Arbeit in der Giesserei. «Das Fliessen der Farben ist spannend und inspirierend, jede Form ist nur einmal brauchbar, jeder Pinselstrich ist einmalig, fast unkorrigierbar», so der Künstler über seine Leidenschaft.

Segelfliegen und Singen

Frefel hatte ein weiteres Hobby: Segelfliegen. Vierzig Jahre war er in der Segelfluggruppe Winterthur aktiv, auch als Instruktor. Vor drei Jahren hat er altershalber aufgehört. «Ich bin zufrieden, was ich alles erleben konnte, aber natürlich fliege ich immer noch gerne als Passagier im Doppelsitzer mit.» In höhere Sphären kann er sich beim Singen im Chor Cantus Sanctus schwingen. Die Musik gibt ihm ein befreiendes Gefühl, er kommt jeweils erholt und belebt nach Hause. Er hört auch tagsüber klassische Musik im Hintergrund und geht recht häufig ins Theater, vor allem ins Tanztheater, wo ihn der persönliche Ausdruck der Bewegungen fasziniert.

Die Bilderausstellung von Erwin Frefel ist an der Weindegustation der Familie Keller zu sehen, an der Hauptstrasse 2, Waltalingen. Freitag, 13. Dezember, von 16 bis 21 Uhr; Samstag, 14. Dezember, von 12 bis 21 Uhr.

Erstellt: 10.12.2019, 09:34 Uhr

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