Pfungen

Der Tango flirtet mit dem Ländler

Ländlermelodie trifft Tangotakt und umgekehrt – das Ergebnis ist eine frische, energiegeladene und oft auch witzige Musik, die sofort in die Beine geht. Bald auch in Pfungen.

Stark im Ausdruck auf dem Tanzboden der Ländlerleute und auch im Tango-Café: Das UR-Tango-Orchester vereint das Beste aus zwei Welten.

Stark im Ausdruck auf dem Tanzboden der Ländlerleute und auch im Tango-Café: Das UR-Tango-Orchester vereint das Beste aus zwei Welten. Bild: Paul Glaus

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Tango ist sicherlich nicht das Erste, was einem einfällt, wenn man an Pfungen oder gar an die Urner Föhntäler denkt. Und doch: Bald erscheint das Album «UR-Tango», das den Tango argentino mit Zentralschweizer Volksmusik verbindet – pünktlich zum entsprechenden Konzert in Pfungen.

Im Herbst 2015 haben derrheinische Konzertpianist und Musiktherapeut Robert Schmidt und die Aargauer Organisationspsychologin Annette Schmidt in Erstfeld UR das Projekt UR-Tango ins Leben gerufen. Es erweitert nicht nur das herkömmliche Repertoire der Tanzmusik aus Buenos Aires, sondern auch die übliche Besetzung. Bandoneon, Violine, Klavier und Kon­trabass – so anders als bei einer hiesigen «Ländlermusig» ist das gar nicht.

Schwyzerörgeli im Tangotakt

Und das Album mit Livemitschnitten beweist, wie viel Feuer in dieser neuen Mischung steckt. Es erscheint am 23. Februar, bevor das UR-Tango-Orchester am 24. Februar in Pfungen aufspielt. Hier nämlich haben die Tango-Begeisterten Annette und Robert Schmidt im Herbst 2016 den alten Gemeindesaal gekauft und haben ein Kulturzentrum und Tangolokal eingerichtet: die «Ortschafft Kultur».

Krachfideles  Schwyzerörgeli,  kokettes Bandoneon,  sentimentale Violine und uno, dos, tres y cuatro: Plötzlich weiss man gar nicht mehr, wo man denn nun eigentlich ist.

Dreizehn eigens geschriebene Stücke von Robert Schmidt, ein klassisch-argentinischer Tango und drei Kompositionen von Gastmusikern bitten zum Tanz. Vielversprechende Titel wie «Ä Lachoonigä», «Gallo Ciego», «Der Montagssepp» oder gar «Muota-Musette» schlagen den Bogen zwischen den Kulturen.

Filmreife Melancholie in Mundart am Piano («Mis Üri») steht neben dramatisch instrumentierten Naturschauspielen («Dr Feen»). Ländlermelodie trifft Tangotakt und umgekehrt – krachfideles Schwyzerörgeli, kokettes Bandoneon, sentimentale Violine und uno, dos, tres y cuatro: Plötzlich weiss man gar nicht mehr, wo man denn nun eigentlich ist. Und noch viel wichtiger, dass der starke Ausdruck hier wie dort zu Hause ist, auf dem Tanzboden und im Tango-Café.

Seit dem Startkonzert im Frühling 2016 hat UR-Tango zahlreiche Anlässe durchgeführt, die das Projekt der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben. Das Mitmachen der Bevölkerung war von Anfang an fester Bestandteil des Konzepts. Zweimal im Monat gibt es Tangoabende für erfahrene Tanzende und Einsteiger, angeführt von den Schmidts.

Proben für die kleine Tournee

Das Projekt UR-Tango vereinigt verschiedene Combos wie das UR-Tango-Quartett und die Gruppe Pflanzplätz mit musikalischen Gästen und dem UR-Tango-Orchester selber, einem Laienorchester, das die traditionellen Instrumente um Blasinstrumente, Gitarre und Gesang erweitert. Workshops für Laienmusiker und Austausch mit Berufsmusikern der Zentralschweizer Volksmusik und des Tango argentino haben die Projektarbeit auf dem Weg zum Schlusskonzert in Altdorf im November begleitet. Momentan probt das Orchester für seine kleine Schweiztournee anlässlich des neuen Albums wieder wöchentlich. (Landbote)

Erstellt: 13.02.2018, 10:58 Uhr

Robert Schmidt, Tangopianist und Dirigent des UR-Tango-
Orchesters

Nachgefragt

«Die Erotik geben die Tanzenden»

Sie bringen Tango und Ländler zusammen auf ein Album.Warum tun Sie das?
Robert Schmidt: Für mich alsTango-argentino-Pianisten ist es spannend, durch Kombination mit Ländler neue Farben und neue Stimmungen in den Tango reinzubringen.

Aber Tango und Ländler,das sind ja zwei völligunterschiedliche Welten.
Hier wie dort unkompliziertes Musizieren und Tanzen. Auch die Besetzungen gleichen sich.

Und doch: Tango steht für Feuer, vielleicht auch für Erotik, was man vom Ländler nicht sagen kann. Stimmts?
Mit Tango assoziiere ich Kraft, kraftvollen Rhythmus und auch eine gewisse Melancholie, obwohl der ursprüngliche argentinische Tango fröhlich war. Die Erotik geben die Tanzenden hinzu im Spiel zwischen Mann und Frau. Ländler hat auch eine Energie im Rhythmus, die die Tanzenden mitreissen kann.

Der Tango war einst fröhlich?
Ja, die Stimmungswende brachte um die Jahrhundertwende die Enttäuschungen der vielen Einwanderer, ausgedrückt in Tangoliedern wie «Mi noche triste», gesungen von Carlos Cardel.

Was dürfen die Besucher des UR-Tangokonzerts in Pfungen am 24. Februar erwarten?
Den wohl ersten auf «Ürnerdütsch» gesungenen Tango argentino.

Was kann Ihre Musik?
Stimmungen beeinflussen, Hörende mitreissen, Beine bewegen, Integration ermöglichen.

Interview: Melanie Kollbrunner

Konzert des UR-Tango-Orchesters in der Ortschafft Kultur

Hinterdorfstrasse 10, Pfungen: 24. Februar, 19.30 Uhr. Tangotanzen in der Ortschafft: zweiwöchentlich dienstags ab 27. Februar, 19 Uhr mit musikalischen Inputs durch den Tangopianisten Robert Schmidt. Um 18 Uhr Einführung für Tangoanfänger.
Die CD ist ab dem 23. Februar unter www.ortschafft.ch/shop erhältlich für 25 Fr.

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