Illnau-Effretikon

Die Kyburgiade beweist Mut für Experimente

Die Kyburgiade geht neue Wege und bringt im August an drei Abenden neun sehr verschiedene Formationen ins Schloss und den Schlosshof.

Der «Cellonaut» Wolfram Huschke wird die Tänzerin Debora Rusch begleiten.

Der «Cellonaut» Wolfram Huschke wird die Tänzerin Debora Rusch begleiten. Bild: PD

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Da muss einem das Wort Crossover einfallen, auf den ersten Blick. Auf den zweiten ist man sich dann schon nicht mehr sicher. Denn das Programm der Kyburgiade sprengt sogar diesen weiten Rahmen. Und das bereits am ersten von drei Abenden: Innert dreier Stunden spielen da nicht weniger als fünf Formationen auf fünf Bühnen – für einmal im Schloss statt im Hof. Hier gibt es klassisches Streichquartett, dort Elektronik, auch Klavierduo und Ausdruckstanz sind vorgesehen – diese Auftritte dauern je 20 Minuten und finden zur gleichen Zeit statt, das Publikum bewegt sich in Gruppen von einer Bühne zur nächsten.

Das Line-up ist ein gewagtes Experiment des neuen Geschäftsleitungsduos Stefanie Hauri und Dario Hauri. Die dreissigjährige Stefanie Hauri und ihr Cousin von der Aargauer Eventagentur Zeitpol haben die Leitung im letzten Herbst von der langjährigen Geschäftsführerin Ruth Zenger übernommen; Zenger und die Hauris arbeiten auch beim ähnlich aufgestellten Festival Lenzburgiade zusammen.

Tanz zum «Cellonauten»

Einen Namen in der Showszene hat die 1993 geborene Tänzerin Debora Rusch: 2017 hat sie zur Eröffnung der Sport Awards des Fernsehens SRF getanzt; bei ihrem Auftritt in der Kyburg lässt sich Rusch vom unerschrockenen «Cellonauten» Wolfram Huschke begleiten. Sonst setzt das Festival meist auf wenig bekannte Künstler. Beim Ensemble Audace etwa handelt es sich um ein junges deutsches Streichquartett, deren Mitglieder bei Orchestern in Mannheim, Ludwigshafen und Frankfurt spielen. Auf die Kyburg bringen sie die ersten drei Sätze eines Streichquartetts von Brahms mit.

Unter dem Motto «Lasst uns träumen» sind am ersten Abend ausserdem die «Twiolins» zu erleben, das Violinduo der 1984 und 1986 geborenen Geschwister Marie-Luise Dingler und Christoph Dingler aus Mannheim, die sich den Crossover auf die Fahne geschrieben und dafür 2009 sogar einen Kompositionswettbewerb ins Leben gerufen haben.

Wortwörtlich experimentell wird es mit dem Duo Stefan Schulzki und Beatrice Ottmann. Die Sängerin und der Klangkünstler kreieren einen rhythmischen Soundteppich, wie man ihn auf der Kyburg wohl noch nie gehört hat. Dabei kommen auch Gedichte von Goethe, Eichendorff und Unica Zürn zum Einsatz. Klassisch unterwegs ist das Klavierduo der Zwillingsschwestern Susan und Sarah Wang, die seit einigen Jahren in Deutschland leben.

«Vivaldi Nuevo»: Der zweite Festival-Abend – der wie der dritte dann wieder traditionell im Schlosshof stattfindet – trägt das Gesicht von Srdjan Vukasinovic. Der Akkordeonvirtuose hat sich zum Ziel gesetzt, der Musik des Barockkomponisten Vivaldi ein moderneres Kleid zu verpassen – er wird dies zusammen mit dem Klassik Nuevo Orchestra tun, das von einer Partnerin Sira Eigenmann geleitet wird; das Paar führt jeweils im Frühling in Winterthur ein eigenes Festival durch. Unterstützt wird es vom bekannten Schweizer Klangkünstler Andres Bosshard, der 2014 das Winterthurer Stadtjubiläum mit einer Klangwolke eröffnete.

Nachts im Schlosshof

Der dritte Abend schliesst inhaltlich an den ersten an. Mit dem Perkussionsduo Jessica und Vanessa Porter. Mit dem kanadischen Pianisten Lubomyr Melnyk, der in seinen Kompositionen Elemente der Minimal Music mit spätromantischen Harmonien verschmilzt und sich als Nachfolger von Franz Liszt versteht. Und mit der singenden Cellistin Lana Kostic alias Lakiko, die aus Klassik und Volksmusik eindrückliche, zur Melancholie neigende Soundlandschaften baut.

Dieser letzte Abend möchte die Nacht im Schlosshof erlebbar machen und dauert von 21.30 bis 0.25 Uhr. – Während die Konzerte in früheren Jahren bei widrigen Wetterbedingungen nach Winterthur verlegt wurden, finden die Anlässe vom Freitag und Samstag nun auf jeden Fall im Schlosshof statt.

Kyburgiade: 8.-10. August, Schloss Kyburg. Für alle Konzerte werden ausschliesslich Tickets zum Einheitspreis von 65 Fr. angeboten (Jugendliche bis 16 Jahre 32.50 Fr.). www.kyburgiade.ch

Erstellt: 08.07.2019, 12:10 Uhr

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