Andelfingen

Die letzten Tage der Weinländer Land-Art

Endspurt für den Grossanlass 2017 im Weinland: Die Land-Art-Ausstellung NaThurart wird ab 1. Oktober abgebaut. Grund, die künstlerischen Interventionen am Fluss noch einmal in Augenschein zu nehmen.

«Hoffnungsvolle Begegnung im Wald». Auch die NaThurart-Organisatoren hoffen: Auf eine Rettung des Werks.

«Hoffnungsvolle Begegnung im Wald». Auch die NaThurart-Organisatoren hoffen: Auf eine Rettung des Werks. Bild: Madeleine Schoder

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Wer den NaThurart-Weg noch sehen will, sollte sich jetzt sputen. Am Sonntag läuft die Land-Art-Ausstellung am Ufer der Thur aus. Über die Zukunft der Kunstinstallationen sei noch keine Entscheidung gefallen, sagt Pro-Weinland-Kommunikationschef Hannes Huggel (Foto). «Wir suchen Ideen, wie einzelne Kunstwerke weiterleben können.» Denn der Unterhalt der Landschaftsflächen durch das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) steht an; beim Mähen der Wiesen steht das Objekt «Runenwurf» von André Kummer und Roman Steiner im Weg. Auch die Baumskulptur «Hoffnungsvolle Begegnung im Wald» von Leander Locher «darf nicht weg müssen». Aber was kann man mit einer Lianenhängematte machen, fragt Huggel mit Blick auf das Werk «häängä oder chillen» von Regula Zimmermann.

Nicht so viel passiert

Nur wenig Einfluss hat die Natur in den abgelaufenen drei Monaten genommen, vielleicht weniger, als man erwartet hatte. Allein die «Fundstücke» von Laura Manfredi sucht man vergeblich. Eine Wiese direkt am Thurufer wurde diesen Sommer überflutet, aber fast alles hielt dem Wetter – man denke auch an die harten Regentage Anfang August – stand. So gestaltet sich der Spazierweg weiterhin kurzweilig und inspirativ.

Er ist ausgeschildert, allerdings erst, wenn man fast schon davor steht. Wer vom Bahnhof Andelfingen kommt, folgt Wegweisern Richtung Thurweg, Badi, Klärwerk oder auch Weinwanderweg. An der Badeanstalt kann man das Auto parkieren. Erst einige Hundert Meter hinter der Kläranlage Andelfingen (ARA) beginnt (eigentlich endet) der Pfad. Hier kann man einen Plan mitnehmen, der die Kunstwerke kurz beschreibt, denn an den Stellen selbst sind zwar jeweils Sponsorenlogos angebracht, aber nicht einmal der Titel der Arbeit. Das andere Ende des Pfads befindet sich, ebenfalls mit Parkplatz, an der Altener Brücke. Rund 3000 Prospekte seien den Boxen entnommen worden, erzählt Huggel, insofern rechnet er die Besucherzahl auf über 6000 hoch.

Viele waren noch nicht da

Tatsächlich trifft man am vergangenen Sonntag auf Einheimische, die noch gar nie da waren, und ­einige, die den Weg zum ersten Mal ablaufen. Offenbar haben viele organisierte Wandergruppen das Angebot genutzt, denn Hannes Huggel berichtet, dass sich «alle» beklagt hätten, dass es zu wenig Restaurants am Weg gäbe und die ganz wenigen geöffneten Adressen vom Zustrom profitiert hätten. «Es ist unglaublich viel Goodwill unter den Leuten entstanden», sagt er auch, manche Besucher, wie eine Seniorengruppe des Ortsvereins Ossingen, hätten sogar eigene Kunstwerke gebaut. Und: Kein Abfallproblem, kein Vandalismus habe den Naturgenuss beeinträchtigt.

Der Parcours zieht sich über gut zwei Kilometer, leider fehlt eine Streckenangabe oder Laufzeit im Flyer beziehungsweise auf der Webseite. Um die 18 Land- Art-Skulpturen zu finden, den Text dazu zu lesen und sie auf sich wirken zu lassen, sollte man eine bis anderthalb Stunden einplanen. Der Rückweg geht dann natürlich schneller.

Eine Finissage gibt es nicht

Internationale und regionale Künstler haben hier ihrer Schaffenskraft, Naturverbundenheit und Lebensfreude Ausdruck gegeben. Mit einfachsten Mitteln wohlgemerkt, denn Nägel, Leim oder Metallverstärkungen durfte man nicht einsetzen. Besonders wirkungsvoll sind die Arbeiten, die sich nicht in einem bastelnden Klein-klein ergeben haben, sondern grosszügig Perspektiven in der Landschaft anregen: der Publikumsliebling «Riverbed» von Stefano Devoti, der bereits erwähnte «Runenwurf» und sogar die Traumfänger der dazumaligen Klasse 2B1 der Sekundarschule Andelfingen.

Medienecho war das Ziel

Lange wurde im Vorfeld die Werbetrommel für das Projekt und das Fundraising gerührt, bei der Eröffnung überschlugen sich die Präsentationen. Da verwundert es doch, dass die NaThurart nun sang- und klanglos vergehen soll. «Was hätte man an einer Finissage veranstalten sollen?», fragt Huggel etwas ideenlos zurück, die Künstler seien wieder abgereist. Wichtig sei die Presseresonanz, die man habe auslösen können. «So ein Medienecho hat es im Weinland noch nie gegeben», behauptet er. Gibt es eine Weiterführung der Aktion? Nein, sagt Huggel, es ist vollbracht. Jetzt kann man nur noch warten, bis die Natur das Werk vollendet. (Landbote)

Erstellt: 25.09.2017, 17:08 Uhr

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