Aadorf

Die leuchtenden Farben des Alltags

Er hat in Rom, in London, in Paris ausgestellt – und ist dabei immer wieder nach Aadorf in seine Wohngalerie zurückgekehrt. Jetzt stellt der Maler Schäfli Anton Zanvit seine expressiven Bilder in der Bibliothek Aadorf aus.

Farben und Formen faszinieren den Aadorfer Künstler Schäfli Anton Zanvit. Foto: Marc Dahinden

Farben und Formen faszinieren den Aadorfer Künstler Schäfli Anton Zanvit. Foto: Marc Dahinden

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Ein leuchtend roter Pullover, als Strickarbeit auf dem Schoss der Mutter. Ein lachsfarbener Tisch, um den sich in dezenteren Farben Menschen, Freunde gruppieren. Ein gelbes Buch, umgekehrt aufgeschlagen auf dem Sofa, neben einer ermüdet Schlafenden.

Farben, Formen, Stimmungen begeistern den Maler Schäfli Anton Zanvit. Er entdeckt sie in seinem Alltag, als Szenen und manchmal nur als Augenblicke, die er festhält. Als schnelle Skizze in Postkartengrösse. Oder als wandfüllendes Gemälde auf Leinwand. Ein wiederkehrendes Motiv ist die lesende Frau. Es passt also gut, dass die Werke des Aadorfers seit gestern in der Aadorfer Schul- und Gemeindebibliohtek ausgestellt sind.

«Mit meiner Arbeit möchte ich zeigen, wie schön unsere Erde ist.»Schäfli Anton Zanvit,
Künstler

«Die Lesende habe ich eigentlich aus ganz praktischen Gründen zu einem Motiv gemacht»,erinnert sich Zanvit beim Besuch in seiner Wohngalerie in Aadorf mit einem Lachen. Menschen zu porträtieren, sei nicht ganz einfach: «Eine Pose wirkt schnell unnatürlich oder wird mit der Zeit für das Modell unbequem. Anders beim Lesen. Das Modell ist entspannt und ich habe Zeit zum Malen.» Zanvit erzählt entwaffnend ehrlich und mit spürbarer Freude an der Kunst von seinen Bildern, vom Leben als Künstler, von seiner Passion für Farben.

Seine Szenen findet der Künstler beim frühmorgendlichen Spaziergang ins Hallenbad oder auf Reisen, etwa beim Kitesurfen in Ägypten. Es ist eine Landschaft im schweizerischen Herbst, die seinen Blick fängt, ein Sonnenaufgang am ägyptischen Strand, ein Olivenhain in Italien. Szenen, die er aufnimmt und expressiv wiedergibt, auf Gemälden, die von detailgenauen Skizzen bis zu abstrakten Farbkompositionen reichen.

Erste Ausstellung mit 13

Zanvit ist ein umtriebiger Künstler, sein Ausstellungskatalog ist lang. Aktiv nimmt er Kontakt mit Galerien auf und stellt seine Bilder aus, weiter arbeitete er als Illustrator beispielsweise schon für das Kantonsspital Winterthur und für die Gemeinde Aadorf, mit seinem Blick für Formen und Farben ist er zudem als Zeichenlehrer tätig.

Gerne verschenkt er seine Kunst aber auch mal, als Gegenbewegung zum Kunstmarkt, der, so Zanvit, Kunst mehrheitlich nur noch als Wertanlage verstehe. Passend zu diesem selbstsicheren Auftreten in der Kunstwelt ist daher, dass der Künstler seine erste Ausstellung bereits mit 13 Jahren selber organisiert hatte: Er stellte seine Bilder in den Schaufenstern der Aadorfer Geschäfte aus und durfte sich bereits über einen ersten kleinen Eintrag in der Lokalpresse freuen.

Dem Dorf Aadorf ist Zanvit all die Jahre treu geblieben. Hier hat er ein Haus zu einer grosszügigen, lichtdurchfluteten Wohngalerie umgebaut. Überall hängen seine Bilder, die seine Reisen dokumentieren.

Im Garten stehen Skulpturen, die Menschenrechte auf dreissig Säulen etwa, ein Projekt, das er inzwischen an verschiedenen Orten hat ausstellen dürfen. Sonst ist seine Arbeit aber nicht so explizit politisch: «Ich möchte mit meiner Arbeit eher auf sanfte Art zeigen, wie schön unsere Erde ist. Was für eine schöne Stimmung das Zusammensein mit Freunden, das entspannte Sein in der Natur erzeugen kann.»

«Zugang weniger linear»

Für seine Ausstellung in Aadorf hat der 69-Jährige verschiedene Stücke aus seinem langjährigen Schaffen ausgesucht. Das Thema ist «Lesen in Bildern». «Bilder werden ja auch auf eine Art gelesen. Aber anders als beim Lesen in einem Buch erfolgt der Zugang weniger linear und oft vielschichtiger und ganzheitlicher», sagt Zanvit.

«Vielleicht spricht einen zuerst ein heller Fleck auf dem Bild an. Vielleicht erkennt man eine Figur. Vielleicht spricht einen das Bild unmittelbar auf eine emotionale Weise an. Ein Bild ermöglicht oft, etwas weiter zu gehen, etwas zu zeigen, das eigentlich unaussprechlich ist.»

Ausstellung: «Lesen in Bildern», bis 6. Juli 2019, Gemeinde- und Schulbibliothek Aadorf.

Erstellt: 15.03.2019, 09:35 Uhr

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