Henggart

Die unterhaltsame Zähmung eines Drachens

Der Herbst ist da, wenn die «Leuebühne» mit einem amüsanten Stück aufwartet. Diesmal heisst es «Do chasch Gift druf näh!» und handelt von einem (menschlichen) Drachen.

Hausmädchen Sara (Merel Gooijer) auf dem roten Sofa und Assistentin Michelle (Regula Ammann) fürchten ihre Herrin.

Hausmädchen Sara (Merel Gooijer) auf dem roten Sofa und Assistentin Michelle (Regula Ammann) fürchten ihre Herrin. Bild: Madeleine Schoder

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Bühne im schönen, alten Saal des Bahnhöfli Henggart ist als Wohnzimmer im asiatischen Stil eingerichtet: Fächer, Kalligraphien, Schwerter hängen an der Wand und mittendrin steht ein rotes Sofa. Die Darstellerinnen und Darsteller warten geschminkt und kostümiert auf ihren Einsatz, derweil die Techniker noch auf Leitern klettern, Scheinwerfer richten, Kabel verlegen. «Chasch mal probiere, Leo», tönt es aus den Kulissen. Und der Angesprochene quittiert mit «Chunnt no nüt» – worauf Laute des Unmuts folgen. Dann klappt es – oh Wunder! – doch noch mit der Toneinspielung: Die Hauptprobe kann beginnen.

Von Natur aus schlecht gelaunt

Wir befinden uns in der Villa von Drachenstein, wo sich das Hauspersonal nervös auf das Aufwachen der Hausherrin einstimmt und alle Details bis hin zum 2,8-Minuten-Ei nochmals minutiös durchcheckt. Denn wehe, es entspricht etwas nicht den Vorstellungen der Hausherrin: Dann bricht ein Donnerwetter los, das für den Rest des Tages kein Ende nimmt. Aber eigentlich braucht Adelheid von Drachenstein (Monika Rügge) für ihren Ärger gar keinen Anlass: Sie ist von Natur aus schlecht gelaunt, denn sie ist unter anderem frustriert darüber, dass sie vom Lokalblatt noch nie unter der Rubrik «Personen, Persönlichkeiten und Legenden» gewürdigt wurde, was zuvor all ihren Familienmitgliedern und kürzlich – zu ihrem grossen Ärger – sogar ihrer Freundin Burga von Burgstein (Eveline Schmidli) beschieden war.

«Das Blatt wendet sich, als der Koch rausfliegt und es seiner Peinigerin endlich mal 
heimzahlen will.»

Unter Adelheid von Drachenstein, die von allen insgeheim nur «Drache» genannt wird, leiden vor allem das Hausmädchen Sara (Merel Gooijer), ihre Assistentin Michelle (Regula Ammann) und der Koch Jürg (Beat Huwiler), der auch innerlich kocht – vor Wut. Während Sara versucht, Ärgernisse vorherzusehen und alle möglichen Wünsche zu erfüllen, widerfährt der etwas tollpatschigen Michelle ein Missgeschick ums andere, was sie zur bevorzugten Zielscheibe des Drachen macht. So auch diesmal: Noch im Morgenrock tritt der Drache auf den Plan und staucht erst mal alle zusammen.

Bitterbös, gemein, verletzend bis zur Unerträglichkeit ist sie – und man fragt sich bereits, was an diesem Lustspiel lustvoll, komisch oder unterhaltend sein soll. Doch zum Glück kommt es anders: Das Blatt wendet sich, als der Koch rausfliegt und es seiner Peinigerin (da er ja sowieso nichts mehr zu verlieren hat) endlich mal heimzahlen will. Er überredet die Mädchen, ihr ein «Gift» zu verabreichen, das sie zwar nicht umbringt, aber doch mal eine Zeit lang ruhigstellt.

Grosszügigkeit wider Willen – mit Folgen

Der Plan gelingt zwar, doch zieht er eine Folge von Vertuschungsmanövern nach sich, die für Spannung und Heiterkeit sorgen: Wie erklärt man die Absenz ihrer Freundin Burga, die zu Besuch kommt? Was sagt man ihrem Verflossenen, Küde, der als guter Geist im Hause zum Rechten sieht? Und wie bringt man Doktor Ross (beide Rollen: Rolf Aerne) dazu, den benebelten «Drachen» ins Sanatorium zu schicken, ohne dass er Verdacht schöpft? Und dann ist da noch die Sache mit der Millionen-Spende – ein weiteres «kleines Missgeschick» von Michelle. Denn als Folge davon taucht nicht nur Carla Hanser von der reich bedachten Organisation auf, sondern auch die Journalistin Linda Schreiner (beide Rollen: Melanie Geiger), die die «grosszügige» Frau von Drachenberg nun doch endlich würdigen möchte. Unter der Regie von Valérie Cuénod wartet das Ensemble mit tollen schauspielerischen Leistungen auf, allen voran die furchteinflössende Monika Rügge – doch auch das zunehmend rebellische, beziehungsweise kreative Hauspersonal agiert überzeugend.

«Do chasch Gift druf näh!» Premiere am Freitag, 20. September., 20 Uhr. Weitere Aufführungen: 21. September, 20 Uhr, 22. September, 18 Uhr, 27. September, 20 Uhr, 28. September, 20 Uhr, 29. September, 18 Uhr, 2. Oktober, 20 Uhr, 4. Oktober, 20 Uhr, 5. Oktober, 20 Uhr. Saal des Restaurant Bahnhof, Alte Andelfingerstrasse 2, Henggart. Vorverkauf: www.leuebuehne.ch oder Telefon 077 410 95 43 (Dienstag bis Donnerstag, 18–20 Uhr). Eintritt: Fr. 25.-

Erstellt: 19.09.2019, 12:23 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles