Elgg

Disco-Pädagogen-Punk à la Deville

Der Autor und Comedian Dominic Deville erzählt in Elgg, wie viel Anarchie in Kindergärten steckt.

Etwas Kindergarten steckt noch in Dominic Deville.

Etwas Kindergarten steckt noch in Dominic Deville. Bild: Tamedia

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Kinder sind nicht süss. Vielleicht einzelne Exemplare, wenn man nicht so genau hinschaut oder mit dem verklärten Blick der Eltern auf den eigenen Nachwuchs blickt. Doch in Gruppen und durch die Brille des professionellen Erziehers betrachtet, sind Kinder egoistische Anarchos, die nur darauf warten, ihre Umwelt ins Chaos zu stürzen. Als einzige Bastion wirkt dagegen: der Kindergärtner.

Diese nüchterne Wahrheit ist nur eine von unzähligen Weisheiten im Buch von Autor und Satiriker Dominic Deville, «Pogo im Kindergarten». Bevor er nämlich Late-Night-Gastgeber der Sendung wurde, die den gleichen Namen wie er selber trägt, war der Satiriker Kindergärtner. Und Punk. Eine teuflische Mischung, die erstaunlich viele Parallelen aufweist.

Keine Lesung

Am Samstag um 20 Uhr liest er im Kultursaal im Bärenhof in Elgg aus seinem Punk-Pädagogik-Werk. Wobei «lesen» an dieser Stelle keine falschen Erwartungen wecken soll. «Die Lesung verändert sich. Es wird immer weniger gelesen, habe ich festgestellt», sagt Deville, «Es wird von einer Lesung mehr zu einem Programm.»

«Man bringt mich aus dem Kindergarten, aber den ­Kindergarten nicht aus mir.»Dominic Deville

Er persönlich halte Lesungen für etwas ziemlich Langweiliges, sagte Deville einmal an einem Auftritt. Deshalb sind die Auftritte mit seinem Buch auch eher pädagogische Punk-Seminare mit Disco-Einfluss als klassische Lesungen mit einem artig gekleideten Autor hinter einem geschmackvoll beleuchteten Lesepult.

Deville vermittelt zwischen Punks und Pädagogen, er spielt seine Lieblingsplatten (deren Songs selten mehr als drei Akkorde haben) und erzählt und liest aus seiner Zeit als Kindergärtner (in diesen Geschichten kommt er selten gut weg). «Man kann sich überraschen lassen», meint er. Was wiederum gut zu dem Buch passt. Weil auch der Kindergartenalltag alles andere als in vorhersehbaren Bahnen verläuft.

Etwas bleibt

Da gibt es Aufständische, Revoluzzer, unbeeindruckte Ignoranten, hyperaktive Chaoten, getriebene Träumer und dieses eine Kind, um das man immer Angst hat, es sei verloren gegangen. Mittendrin der Autor, voller Energie und Idealismus und meist zum Scheitern verurteilt.

Die Zeit, als Dominic Deville Kindergärtner war, ist schon ein Weilchen her. Als er in dem Dorf, wo er Kindergärtner war, seine Lesung hielt, habe er teilweise Erwachsene getroffen, die im Buch als Kinder vorkamen.

Auch aus dem Kindergärtner-Punk Deville wurde inzwischen ein Autor und Fernsehmoderator. Aber irgendwas bleibt. «Man bringt mich aus dem Kindergarten, aber den Kindergarten nicht aus mir.»

Erstellt: 10.09.2019, 10:23 Uhr

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