Kleinandelfingen

Ein echtes Mehrgenerationenhaus

Gleich hinter der Thurbrücke fällt das stolze Haus zur Friedau auf. Hier lebt Ulrich Landolt mit seiner Familie. Und zwar mit einer grösseren, als in den Betten schläft.

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Am besten gefällt ihm die «Gartenlaube», der naiv-erzählerisch bemalte Korridor im ersten Stock des Hauses zur Friedau in Kleinandelfingen. Hier kann Ueli Landolt (Bild) seinen Ahnen in den Sommerferien zuschauen: Der Urgrossvater, Bauunternehmer Ulrich Landolt-Landolt, wartet in Hauptmannsuniform mit seiner Frau Emma in der Zwischenstation Eismeer der soeben eröffneten Jungfraubahn. Die Töchter Martha, Fanny und ihr Neffe Max halten sich dagegen in einer Sommerlandschaft mit Eiger, Mönch und Jungfrau auf. Maxlis Eltern erkennt man im Sonntagsgewand am Urnersee, während Landolts Söhne Eugen und Robert auf Velos durch die Axengalerie fahren.Diese regionale Ausprägung eines Jugendstil-Idylls war durch die illustrierte Zeitschrift «Die Gartenlaube» inspiriert; einem bunten Heft, das im ausgehenden 19. Jahrhundert als Familienlektüre beliebt war. 1905 schuf Karl Keller aus Marthalen die Wandmalerei — 1943 wurde sie weiss überstrichen, um den Raum vermieten zu können. Erst 2000 kam das «Erinnerungsalbum» wieder zum Vorschein.

Sechs Jahre Restaurierung

Inzwischen hatte der heutige Besitzer das Haus seinen Eltern abgekauft und arbeitete sechs Jahre an der denkmalpflegerischen Restaurierung mit. Viel Geld und viele Arbeitstunden steckte er hinein: «Jeden einzelnen Parkettriemen habe ich herausgenommen und nummeriert», sagt Ueli Landolt. Wie immer bei gelungenen Renovierungen wirken die Räume, als ob sie nie anders ausgesehen hätten. Dabei ist vor die hölzernen Fenster ein Isolierglasrahmen aufgesetzt und das Haus nun wohlig durch Fussbodenheizung durchgewärmt.

Im Schlafzimmer erinnern blumengerankte Initialen an die fünf Kinder des Erbauers. Die heutigen Bewohner haben sich bemüht, auch die verloren gegangene Möblierung wieder zeitgenössisch zu gestalten. Dabei hat Ueli Landolt nicht nur gute Erinnerungen an das einstige Haus der Grosseltern.

Kinoklassiker im Keller

Er führt in den Keller. Manchem ist dieser als gemütlicher Kulturort mit Filmvorführungen und Theater bekannt. Einmal im Monat schmücken er und seine Frau das Gewölbe mit Kerzen, Blumen und Efeu. Eine Bar wird eröffnet und der 35 Millimeter-Filmprojektor wirft einen Kinoklassiker auf die Leinwand. Die kleine Theaterbühne wurde schon von vielen bekannten Namen bespielt. Für die Veranstaltungen erhält das Paar keine Unterstützung von der öffentlichen Hand; ihr Engagement nennen sie ein Geschenk an die Gesellschaft.

Der Hausherr (Jahrgang 1955) weiss aber auch noch genau, wie er mit seinem Bruder in den Kellerraum gesperrt wurde, wenn sie etwas ausgefressen hatten. «Wenn es etwas Grösseres war, wurden auch noch die Sicherungen herausgedreht.» Dabei seien sie nicht die erste Generation gewesen, die ihre Strafe im Keller abhocken musste: Zwei auf die Holztür gezeichnete Figuren lassen erkennen, dass es schon früher jemandem dort unten langweilig gewesen sein muss. «Und wenn der Nachbarjunge merkte, dass wir nicht zum Spielen erschienen, dann warf er uns Äpfel durchs Oberlicht, so dass wir wenigstens nicht hungern mussten.»

Privates und Repräsentanz

Dennoch, erzählt Landolt, habe er das Haus immer geliebt, gerade auch wegen der Kunst, die einen schon im Entree begrüsst. Dort hat Karl Keller, dessen Nachfahre übrigens der Holzbildhauer Ignaz Jans ist, auf Wunsch der Auftraggeber die Isola S. Giorgio in Venedig und mutmasslich das Schlössli Wörth verewigt. Romantische Orte, die für den Bauherrn einen sentimentalen Wert gehabt haben könnten.

Von aussen gibt sich das Gebäude an der Schaffhauserstrasse 3 besonders städtisch und repräsentativ. Fassadenmalereien im Stile des Zürcher Polytechnikums zeigen nicht nur Pestalozzi und Zwingli als Hüter der Erziehung und des Glaubens, sondern auch die Künstler Michelangelo, Dürer, Raffael und Thorwaldsen. Letzterer schuf das patriotische Löwendenkmal in Luzern. Es ist ein eigenwilliges Haus, das Botschaften aus der Vergangenheit ins 21. Jahrhundert schickt. (Landbote)

Erstellt: 28.12.2017, 15:05 Uhr

Ueli Landolt (Bild: zvg)

Nächste Filmvorführung

Immer Ärger mit Harry (USA 1955), Komödie von Alfred Hitchcock. Freitag, 5./Samstag, 6. Januar, 20 Uhr (Bar ab 19 Uhr). Karten: Fr. 17. Vorverkauf Meier Elektro, Tel. 052 305 22 05.

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