Buch am Irchel

Ein ganzes Dorf führt seine Sage auf

Im Stammberg bei Buch am Irchel führen die Dorfbewohner neuerdings das Freilichtspiel «D`Rotlaubbuech» auf. Als Bühne dient der Wald; zu sehen gibts Bauern, Ritter, einen Chor samt Orchester, Geissen und Pferde. Ein beeindruckendes Spektakel: Spannend, dramatisch, unerwartet.

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Im Stammberg steht in den nächsten Tagen alles im Zeichen des 17. Jahrhunderts. Dort wird seit der Premiere am Freitag bis am 5. August das Freilichtspiel «D`Rotlaubbuech» aufgeführt, bei dem unzählige Buchemer mitwirken.Das Stück beginnt genaugenommen schon beim Betreten des Waldes: Korbflechter und Sensenschleifer begleiten das Publikum zum Schauplatz mit Tribüne, wo die einzigartige Rotlaubbuche steht. Dort wird ein Huhn gerupft, während Kinder in schmuddeligen Schürzen mit Kieselsteinen spielen.

Liebe mit Bedingungen

Im Zentrum steht ein stattliches Riegelhaus mit schicken Holzmöbeln, rechts daneben eine ärmliche Holzhütte mit offenem Feuer. Dort wohnen der Zehntmeister mit seiner hübschen Tochter Meret und nebenan ein verschuldeter Kleinbauer mit den Söhnen Chueri und Chlyjogg. Das Leben ist hart, ännet der Grenze tobt der 30-jährige Krieg. Trotzdem sind die Menschen genügsam und zufrieden. Kleine Freuden wie die bevorstehende Spinnstubete im Hause Zehntmeister sind besonders willkommen. Und Chueri hat ein Auge auf Meret geworfen, aber das missfällt ihrem Vater.

Sage um botanische Rarität

Es klopft an der Tür bei Zehntmeisters. Dorli, Annelisi, Berti, Gret, Luise und Rösli in bunten Schürzen betreten schwatzend die Stube, während Meret Kuchen und Wein auftischt. Heuer ist ein besseres Jahr, das Korn steht hoch. «Nicht wie letztes Jahr, wo wir das Mehl mit Baumrinde strecken mussten», diskutieren die Mädchen, »oder als Mutter die Suppe mit Unkraut kochen musste.»

Die Mädels spinnen, singen und warten ungeduldig auf die Burschen. Als der Zehntmeister Meret und Chueri beim Kuss erwischt, wird der jungen Liebe eine Bedingung gestellt: Wird die Ernte ertragreich, sollen sie zusammen sein.

Regisseur Thomas Ganz ist der Kopf dieses Riesenprojektes. Seine Arme und Hände sind 32 Schauspieler, 26 Chorleute und 160 ehrenamtliche Helfer. Die ersten Fäden zog Ganz bereits vor zwei Jahren. Ab Februar probte der Theaterchor, im Mai wurde die imposante Kulisse aufgebaut. Alle zeigten sich unermüdlich, selbst bei strömendem Regen wurde keine Probe ausgelassen. Die Festwirtschaft mit 300 Plätzen und die Bar mit Blick auf Buch stehen ebenfalls bereit. Das Stück stammt von 1948, aus der Feder der Lehrerin Ida Walch. Sie erzählt die Buchemer Sage, wonach die Rotlaubbuche wegen eines grässlichen Mordes rote Blätter tragen soll. Zwei Brüder hatten sich in einer Hungersnot um eine Maus gestritten, woraufhin der eine den andern erschlug und das Blut auf die Blätter spritzte. Sage hin oder her. Fest steht, dass es sich hier um eine botanische Rarität handelt. Im Stammberg steht nämlich die erste Rotlaubbuche (die einst grünen Blätter verfärben sich durch die Sonne rot) der Welt, sie ist 370 Jahre alt. Nach einem Sturm 2007 ist davon nur noch ein morscher Stamm übrig. Das Freilichtspiel stellt nun einen 80- jährigen Abkömmling der ursprünglichen Buche ins Zentrum.

Obwohl alle Schauspieler Laien sind, ist das Stück von hoher Qualität. Zu Beginn liegt teilweise noch Unsicherheit in den Stimmen, aber diese legt sich mit jedem Wort. Die Sprache ist urchig, der spielerische Einsatz gross. Orchester und Chor unterstreichen die Szenen emotional. Ein Höhepunkt ist der Auftritt der galoppierenden Pferde, während ausbüxwillige Geissen im Hintergrund für Erheiterung sorgen. Der langjährige Regisseur verspricht: «Es ist wie ein echtes Anker-Gemälde.»

Die Moral von der Geschicht...

Ein geschickter Coup ist der Auftritt von zwei Sprechern, die für Hintergrundinformationen sorgen: Lara und ihr Grossvater. Der Grossvater erklärt der quirligen Lara geduldig, dass junge Leute in Hungersnöten oftmals auswanderten, um als Söldner anzuheuern und Kleinbauern dem Vogt von Wülflingen den Zehnten abtreten mussten. Und während Blitze durch den Wald zucken, geschieht das Unheil: Die Ernte ist zerstört. Die Konflikte spitzen sich zu, die Handlung gewinnt an Fahrt. Und so viel darf gesagt werden: Der Ausgang des dramatischen Stücks kommt eher unerwartet. Die Buche ist grell beleuchtet, Lara und der Grossvater treten auf: Die Not damals in Buch war gross - heute sollten wir schätzen, was wir haben. (Landbote)

Erstellt: 16.07.2018, 17:30 Uhr

D’Rotlaubbuech

Di. bis So.,Vorspiel ab 19:45 Uhr, Spielbeginn 20.30 Uhr. Derniere: So, 5. August. Tickets Fr. 50.-, erm. Fr. 25.

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