Ossingen

Ein Malerleben

Er gilt als Erfinder der Alpenmalerei und einer der grössten Schweizer Landschaftsmaler. Felix Meyer, Amtmann in Wyden, war aber auch ein Winterthurer Kind seiner Zeit.

Ein Schäferidyll in der Region: Felix Meyer malte auch seinen Wohnort Schloss Widen.

Ein Schäferidyll in der Region: Felix Meyer malte auch seinen Wohnort Schloss Widen. Bild: Nathalie Guinand

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«Schloss Widen», wie es einmal war, zeigt ein Gemälde im Foyer des Winterthurer Villa Lindengut. Heute können Wanderer die private Anlage bei Hausen von aussen bewundern. Die Amerikaner hatten für den Wiederaufbau zu zahlen, weil eines ihrer Flugzeuge 1944 nach einem Bombenangriff auf München führungslos in den Turm raste und grosse Teile abbrannten.

Aber diese Geschichte soll hier nicht erzählt werden. Auch dass die damaligen Eigentümer das im 19. Jahrhundert verwarloste Gebäude schon teilweise abbrechen liessen, um Steine für die Nationalbahnlinie Winterthur-Singen zu erhalten, soll nicht vertieft werden. Vor allem, weil nur wenig Material davon verwendet werden konnte, da der Bau hauptsächlich aus Tuffstein ausgeführt war (Quelle: Winterthurer Neujahrsblatt von 1910).

Es geht vielmehr um den Maler, Felix Meyer, der auch Schlossherr war, bis zu seinem Tod. Er machte für seine Zeit eine Bilderbuchkarriere, die auch viel über das damalige Leben aussagt.

Eine klassische Karriere

Felix Meyer (1653 - 1713) wurde als zwölfter Sohn des Prädikanten Hans Heinrich Meyer und seiner Frau Elsbeth geboren. Der Vater war der zweite Pfarrer von Winterthur, als der oberste Pfarrer immer ein Stadtzürcher sein musste. Hans Heinrich Meyer prägte Winterthur bis heute: als Gründer des Gymnasiums, der Stadtbibliothek und des Musikkollegiums.

«Er konnte nichts zuwege bringen»

Dermassen kunstgesinnt gestatte er seinem vierzehnjähigen Sohn eine entsprechende Lehre: «Er zeigte zu nichts einiche Lust, als zum Zeichnen; deswegen wurde er in seiner Vaterstadt einem Maler übergeben, der ihn mit historischen Kupfern und Statuen zu Tode marterte», ist überliefert, aber: «Er konnte nichts zuwege bringen», recherchierte Marie Kraitrova für ihre Dissertation zu Felix Meyer an der Uni Bern.

Daher schickte man ihn nach Süddeutschland, wo er sein «so geliebtes Nürnberg» erst nach fünfjähriger Lehrzeit 1673 wieder verliess. Natürlich ging es nach Italien, wo alle angehenden Porträt- und Landschaftsmaler Insiration suchten, aber in Mailand musste er bereits wegen Krankheit umkehren.

Erfolg beim Adel im Ausland

Wieder genesen, heiratete Felix Meyer in Winterthur Sarah Biderman. Der alte Meyer unterstütze die Jungen, indem er beim Sohn Radierungen von Allegorien für die Neujahrsblätter der Stadtbibliothek in Auftrag gab. Neun von 16 Kindern der Familie starben früh. Dennoch waren die Meyers kinderreich und der verantwortungsvolle Vater schlug neben seiner produktiven Malerei eine «Beamtenlaufbahn» ein. 1688 wurde er Rottenmeister im Winterthurer Offizierscorps und 1697 Grossrat. Das war die Voraussetzung für seine spätere Bewerbung um das Amt Wyden.

Währendessen liess er sich das Malen nicht nehmen, nutzte seine Kontakte zum kaiserlichen Gesandten in der Schweiz, Graf Trautmannsdorf, und liess sich an zahlreiche ausländische Höfe vermitteln. Landschaftsbilder waren angesagt; zu seinen noch bekanntesten Werken gehören die Fresken im Stift St. Florian bei Linz. Dorthin nahm er schon seinen Sohn Hans Heinrich mit, um zu helfen.

Grösster Markt bricht weg

Der Spanische Erbfolgekrieg trieb einen Keil durch die Gesellschaft Europas und Meyer konnte in seinem wichtigsten Absatzmarkt Deutschland keine Gemälde verkaufen. So bemühte er sich 1708 um den Posten als Amtmann in Wyden. In die Bewerbung schrieb er zur Begründung das Bibelwort: «Wer sich und die Seinigen nicht versorgt, der hat den Glauben verleugnet und ist ärger als ein Heide.»

Die Bezahlung war gut, und die Arbeit eher wenig, da sich Lehenbauern um die Güter kümmerten. Die sechsjährige Amtszeit (und sein letztes Bild) konnte Meyer jedoch nicht vollenden. Es heisst, er starb am Pfingstmontag, erschöpft im Bett, «wohl weil er so unendlich viele Sachen gemalt hatte.»

(Der Landbote)

Erstellt: 28.09.2017, 11:50 Uhr

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