Zell

Ein Quartier feiert sich selbst

Das Quartier im Schöntal wird 20 Jahre alt und feiert das mit einer grossen Jubiläums-Party am 13. Juli. Adi Rey lebt dort seit 15 Jahren in einem Zirkuswagen - Wohnungen findet er einengend.

Damit das 20-Jahr-Jubiläum vom Schöntal-Quartier ein Erfolg wird, packen alle Bewohnerinnen und Bewohner mit an.

Damit das 20-Jahr-Jubiläum vom Schöntal-Quartier ein Erfolg wird, packen alle Bewohnerinnen und Bewohner mit an. Bild: Enzo Lopardo

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Vor 20 Jahren kaufte sich der Circolino Pipistrello das Land im Schöntal in Rikon und richtete dort sein Winterquartier ein. Neben den Zirkuswagen gehören heute auch die Häuser der ehemaligen Spinnerei zum Quartier. «Es hat sich verändert. Vor allem ist das Schöntal gewachsen», sagt Adi Rey.

Er lebt seit 15 Jahren in einem Wohnwagen im Winterquartier des Pipistrello. Gemeinsam mit weiteren Schöntalern organisiert er dieses Jahr das Jubiläumsfest am 13. Juli.

«Es wird eine riesige Tavolata geben», sagt Rey. Das Wort aus dem Italienischen bedeutet zu Deutsch Tischgesellschaft. Alle Bewohnerinnen und Bewohner des Schöntals stellen zum Jubiläum ihre Stühle, Sofas, Tische und Bänke nach draussen. Auf der riesigen Festtafel bieten sie vom Nachmittag bis in die Nacht hinein Häppchen und Getränke an. Auf manchen Tischen können Schach-Duelle und andere Spiele ausgefochten werden.

Das Fest beginnt am Nachmittag um 14 Uhr und geht nahtlos in einen Abend mit Konzerten über. Die BandsDurican Express und Suma Covjek werden spielen. Letztere ist eine zehnköpfige Band mit schweizerisch-bosnisch-algerischen Wurzeln, die vor allem für ihre Balkanklänge bekannt ist. Auch an den Winterthurer Musikfestwochen traten sie schon auf. Diesen Februar hat die Band ihr neues Album «No Man's Land» veröffentlicht.

Hängengeblieben

«Beim Auswählen des Musikprogramms musste man sich manchmal etwas zurücknehmen», sagt Rey. In einem Team mit vielen Mitgliedern, müsse man Kompromisse schliessen. Das ist nicht nur beim Planen eines Festes der Fall, sondern auch wenn man sonst eng im Quartier zusammenlebt.

«Im Schöntal sind schon sehr viele Projekte entstanden.»Adi Rey
Seit 15 Jahren lebt er in einem Wohnwagen im Schöntal-Quartier.

Dennoch schätze er die Atmosphäre im Schöntal sehr: «Ich könnte mir nichts anderes mehr vorstellen.» 2004 kam er als Abwart des Pipistrello ins Winterquartier und hat dort Backstage Arbeiten erledigt. Danach ist er, wie viele andere, «hängengeblieben», wie er selbst sagt.

«Im Schöntal trifft man jede Wohnform an», sagt Rey. WGs, Familien-, Einzelpersonenhaushalte - jeder wie es für ihn stimmt. Rey bevorzugt den Zirkuswagen. «Darin hat man aber nicht so viel Platz.» Das sei ihm jedoch lieber, als eine Wohnung: «Irgendwie finde ich das beengend, auch wenn man eigentlich mehr Luft hat.» Um aufs WC zu gehen oder zu kochen, muss Rey seinen Wagen verlassen. Für diese Zwecke gibt es Räume in einem Haus auf dem Gelände.

Über 100 Leute wohnen zur Zeit im Schöntal-Quartier und alle helfen beim Jubiläumsfest mit.Harassenklettern, eine Wasserschlacht, eine Geisterbahn und Strassenmusik: an jeder Ecke im Schöntal wird es Attraktionen geben. Die kreativen Ideen verwundern Organisator Rey nicht: «Hier sind schon sehr viele Projekte entstanden.» Der Abenteuerspielplatz oder der Wochenend-Kiosk seien zwei Beispiele. Der Kiosk hat jeweils am Sonntag von Frühling bis Herbst für Passanten und Velofahrer geöffnet.

Zum Fest im Schöntal seien auch Nicht-Schöntaler willkommen: «Wir freuen uns über jeden Besucher.» Bis spät in die Nacht läuft die Quartier-Party. Nach den Bands legt nämlich DJane Ms. Hyde auf. Die Tessinerin spielt vorwiegend Vinyl aus den 50-er, 60-er und 70-er Jahren.

Das Zirkuszelt des Pipistrello steht in diesen Sommerferien in seinem Winterquartier im Schöntal.

Filme ab der Rolle

Auch in den Tagen vor der Jubiläumsfeier wird man im Schöntal kulturell unterhalten. Zum 16. Mal laufen Filme im Sommer-Openairkino des Quartiers. «Wie jedes Jahr geht der Film ab, wenn es dunkel wird», sagt Lorenz Nydegger, der das Kino mitorganisiert. Dieses Jahr sind die auserwählten Streifen am 11. Juli «Halbe Treppe» von Andreas Dresen und am 12. Juli, «Poulet aux prunes» von Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud.

«Halbe Treppe» ist eine Tragikkomödie aus dem Osten Deutschlands. Ohne Kunstlicht und festes Drehbuch ist der Film ein Zusammenschnitt aus Szenen, die mit einer Handkamera an Originalschauplätzen gedreht wurden. Das Melodrama «Poulet aux prunes» ist nach einem iranischen Nationalgericht benannt. Damit läuft eine surreale Liebesgeschichte aus dem nahen Osten, über die Leinwand.

«Wir wollen keinen Film zweimal zeigen», sagt Nydegger. Weil die Organisatoren an den Filmen im alten 35-Millimeter-Format festhalten, schrumpfe die Auswahl jedoch. Erfahrungsgemäss kann das Kino um 21 Uhr starten. Vorher gibt es Verpflegung und musikalische Unterhaltung.

Schöntal: Am 11. und 12. Juli zeigt das Schöntalkino zwei Filme. Ab 19 Uhr ist die Bar geöffnet. Infos: www.schoentalkino.ch

Am 13. Juli findet das Jubiläumsfest des Quartiers statt. Ab 14 Uhr wird in den Gassen aufgetischt. Infos: www.schoentalfest.ch

Erstellt: 04.07.2019, 13:59 Uhr

Sommerferien in der Manege

Der Circolino Pipistrello schlägt in diesen Sommerferien das Zirkuszelt im eigenen Winterquartier im Schöntal auf.

Zum zweiten Mal bieten die Pipis dort eine Zirkuswoche für Kinder ab dem zweiten Kindergarten an. Vom 22. bis 26. Juli können die kleinen Artisten ausprobieren und proben.

Während der Woche gestalten sie eine eigene Zirkusvorstellung. Der Höhepunkt ist der Galaabend am Freitag, wo sie die gelernten Kunststücke Freunden und Verwandten vorführen.

Auch die Pipis haben ihren Auftritt: Am 24. Juli findet eine öffentliche Vorstellung ihrer diesjährigen Show «Oh ja!» im Winterquartier statt.

Weitere Infos und Anmeldung unter: www.pipistrello.ch

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