Buch am Irchel

«Eine Grundspontaneität ist vielleicht nicht schlecht»

Improtheater ist wie das Leben: Es geht um Entscheidungen. Ab Mitte Oktober kann man es in Buch am Irchel üben.

Die Gruppe «anundpfirsich» beim Improvisieren.

Die Gruppe «anundpfirsich» beim Improvisieren. Bild: PD

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Sonja Gut, ab dem 15. Oktober findet in Buch am Irchel ein Improvisationstheater-Kurs statt. Was passiert da genau?
Es ist ein Einsteigerkurs, der von Emilia Meincke geleitet wird. Sie ist Coach im Ensemble «anundpfirsich». Im Kurs gibt es ganz einfache Spiele und Übungen um ins «intuitive Handeln» rein zu kommen. Also dem ersten Impuls zu vertrauen und zu folgen. Es geht um Teamwork und es werden kleine Szenen entstehen.

Was ist Ihre Rolle im Kurs?
Ich habe den Kurs organisiert, weil ich von Improtheater so begeistert bin und es mich nie losgelassen hat. Falls eine Gruppe nach dem Einsteigerkurs weiterproben möchte, würde ich sie mit meinem Mann Dominik zusammen leiten.

Wie sind Sie selber zum Improtheater gekommen?
Ich war vor etwa sechs Jahren im Casinotheater an einem Theatersport-Anlass und dachte: «Wow! Kann ich das auch?» Darauf habe ich einen Einsteigerkurs besucht und bin seither angefressen.

Was ist Improvisationstheater denn überhaupt?
Im Improtheater werden Szenen, spontan gespielt – ohne geschrieben Dialog oder ohne vorgegebene Handlung. Ausserdem ist Impro ein weites Feld. Es gibt auch Gruppen, die das wie einen Sport betreiben und gegeneinander antreten, wie beim Theatersport.

«Es geht darum, lockerer zu sein, wenn man 
scheitert.»


Sonja Gut 
aus Buch am Irchel,
Initiantin Improtheater-Kurs
Sonja Gut, Initiantin Improtheater-Kurs

Wie läuft ein Impro-Kurs ab?
Ich kenne es so: In der ersten Hälfte des Abends machen wir viele Übungen: einander gut beobachten ist eine. Oder man steht im Kreis und macht Assoziationsspiele. Im zweiten Teil spielt man kleine Szenen.

Was sind das für Szenen?
Zum Beispiel gestikuliert eine Person und eine andere spricht die Stimme dazu. Oder jemand steht hinten und bewegt die Hände der Person vor ihr. Beliebt ist auch dieses Spiel: Auf der Bühne stehen drei Stühle, die ein Taxi darstellen sollen. Jemand fährt, jemand ist Beifahrer. Der Coach fragt ins Publikum: welche Emotion wollt ihr? Vielleicht heisst es: «Freude». Dann spielt man das. Plötzlich wird gefragt: «Wer hat Lust mitzufahren?» Sogleich macht jemand Autostopp und steigt mit einem anderen Gefühl ins Auto, etwa Angst. Ein neues Gefühl überträgt sich sofort auf alle Passagiere und verändert die Szene.

Wie entstehen die Geschichten?
Aus dem Moment heraus. Jemand betritt die Bühne und im Moment, in dem er oder sie dem Gegenüber in die Augen schaut, kommt eine Idee auf. Ich denke beispielsweise «Ich bin eine Astronautin und befinde mich im All.» Da kann es passieren, dass die andere Person schon vor mir beginnt und sagt: «Hoi Grosi, wo ist mein Gartenzwerg?» Dann fliege ich sofort aus dem All und springe in einen Garten. Ich muss also schnell eine Idee haben – sie aber auch loslassen können. Auch auf die andere Person eingehen ist wichtig.

Wie talentiert muss man im Theaterspielen sein?
Da muss man nicht unbedingt begabt sein. Man sollte einfach Freude haben, sich in dem Gebiet zu versuchen. Jeder bringt sich mit seiner eigenen Art ein. Nur wenige wollen am Schluss auf die Bühne. Viele, so wie ich, machen das auch nur für sich.

Wie mutig muss man sein?
Eine Grundspontaneität ist vielleicht nicht schlecht. Manche machen den Kurs allerdings gerade deshalb, um mutiger oder spontaner zu werden.

Wie gross ist die Gefahr, sich zu blamieren?
Die ist schon da. Aber es geht allen gleich und da wird einfach darüber gelacht. Fehler machen oder Scheitern – das gehört einfach dazu und kann sogar Spass machen. Manche Spiele zwingen einen fast zum Scheitern, wenn man während einer Szene etwa den Buchstaben «R» nicht sagen darf. Es geht nicht darum, nicht zu scheitern, sondern lockerer zu sein, wenn man scheitert. Dafür braucht es eine Gruppe, der man vertraut.

Ist Improtheater auch eine Übung für den Alltag?
Ja, sehr. Gerade als Mutter einer Fünfjährigen kenne ich das bestens: Man stellt sich ein Programm vor und am Ende kommt es ganz anders heraus. Meistens erreiche ich mit Strenge wenig. Dafür hilft Humor weiter. Ausserdem trainiert man, auf die Intuition zu hören und sich zu entscheiden. Und nicht einfach zu jammern, sondern etwas an der Situation zu ändern. Das ist im Leben genauso. Man lernt auch, die ganze Emotionspalette bedienen zu können, auch mal auszuflippen. Das machen wir Schweizer ja nicht so. Mir hat Improvisationstheater fürs ganze Leben geholfen.

«Fehler machen oder Scheitern – das gehört einfach dazu und kann sogar Spass machen.»

Improtheater ist bisher eher in der Stadt bekannt. Finden sich in Buch am Irchel genügend Interessenten dafür?
Das habe ich mich auch gefragt. Nun ist der Kurs fast voll. Ich war beim Freilichtspiel «D’Rotlaubbuech» dabei. Da ist die Idee entstanden. Viele Mitwirkende vom Freilichttheater sind dabei – das freut mich sehr. Wir haben vom Verein auch finanziell Unterstützung erhalten.

Improtheater-Einführungskurs. 15. Oktober bis 26. November, dienstags, 19.15-20.45 Uhr, im Giebel, Buch am Irchel. Anmeldungen: nick.gut@gmx.ch (Dominik Gut)

Erstellt: 03.10.2019, 14:46 Uhr

Sonja Gut, Initiantin des Improtheaters. (Bild: PD)

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