Seuzach

Eine Lüge kommt selten allein

Damit eine Villa verkauft werden kann, müssen vorher die passenden Bewohner einziehen. Im Stück des Volkstheaters Chrebsbach aus Seuzach soll dafür sogar der Immobilienmakler selbst herhalten.

Mit der «Albtraumvilla» zeigt das Volkstheater Chrebsbach eine turbulente Komödie.

Mit der «Albtraumvilla» zeigt das Volkstheater Chrebsbach eine turbulente Komödie. Bild: Heinz Diener

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LinkEin anerkennendes Raunen geht durchs Publikum, als sich der Vorhang im Chrebsbachtheater Seuzach öffnet. «Wow, das sieht ja super aus», flüstert eine Dame zu ihrer Nachbarin. Das Innere einer herrschaftlichen Villa ist auf der Bühne zu sehen. Die Tapete erinnert an Zebramuster, das Fell eines Schneetigers liegt auf dem Boden und sechs Türen lassen die komplette Grösse des Hauses vermuten. Dieses Schmuckstück soll verkauft werden, doch das stellt sich als gar nicht so einfach heraus.

Kreative Verkäufer

Bis am 2. Februar ist das Theater Albtraumvilla noch sieben Mal im Chrebsbachsaal zu sehen. Im Dreiakter wird Verkaufsleiter Erwin Meili von seiner Chefin dazu verdonnert, sich als Besitzer des Hauses auszugeben. «Er hatte schliesslich fünf Jahre Zeit, einen Käufer zu finden», sagt die Inhaberin der Erika Müller Luxusimmobilien AG im Spiel. Wenn es mit herkömmlichen Verkaufspraktiken nicht klappt, müssen eben kreativere Pläne in die Tat umgesetzt werden.

Dafür engagiert Müller extra eine Schauspielerin, die sich als Herr Meilis Frau ausgeben soll. Um die potenziellen Käufer zu überzeugen, verstricken sich Herr und Frau Meili immer weiter in einem Netz aus Lügen. Sie erfinden Kinder, eine Heirat und ein falsches Au-Pair Mädchen. Der Kauf scheint fast sicher, doch als das Käuferpaar wegen dichten Nebels unverhofft nicht abreisen kann, ist das Chaos komplett – das Schauspiel muss weiter gehen. Auf der Bühne ist viel los: mal klingelt das Telefon in Entenform, mal löst sich eine Glühbirne oder jemand ist im Bad eingesperrt.

Pause zum Durchschnaufen

In der Pause müssen die Zuschauerinnen und Zuschauer erst einmal durchschnaufen. Die «Cüpli-Bar» hilft, die Gedanken wieder zu ordnen. «Es ist einfach ein schönes Ambiente hier», sagt ein Seuzacher, mit einem Gläschen Prosecco in der Hand. Nicht nur aus Seuzach, auch aus der Umgebung zieht das Theater Zuschauerinnen an. «Ich komme schon seit vielen Jahren immer wieder hierher», sagt eine Neftenbacherin. Eine ihrer Kolleginnen organisiere den Ausflug jeweils. «Das Stück heute gefällt mir bis jetzt super», sagt sie. Selbst habe sie sich noch nie in so einer Situation wieder gefunden, aber: «Wir wissen ja nicht, ob immer alle das sind, was sie vorzugeben scheinen.» Damit eröffnet die Neftenbacherin eine Frage, die sich wohl alle im Saal stellen müssen: Sind Herr und Frau Meili die einzigen, die hier bloss ein Theater spielen?

Nächtliche Störungen

Auch im zweiten Teil der Komödie kehrt auf der Bühne keine Ruhe ein und trotz fortschreitender Stunde ist ans Schlafen gehen nicht zu denken. Aus zwei ungewollten Gästen sind inzwischen nämlich einige mehr geworden. Entweder sorgen Schreie, tastende Hände oder das Blitzlicht einer Kamera für Störungen der nächtlichen Ruhe. So stehen manche der Schauspielerinnen und Schauspieler am Ende bloss in Unterwäsche vor dem Publikum.

Nackte Haut und Lügen

«Das braucht auch noch Mut», sagt einer der Zuschauer zu seiner Begleitung. Wahrscheinlich sind sich die Darstellerinnen und Darsteller inzwischen einiges gewohnt. Seit 1990 gibt es den Theaterverein und seit etwas mehr als 20 Jahren zeigen sie ein jährliches Stück. Neben der nackten Haut kommt am Ende aber auch so manche Lüge ans Licht. Albtraumvilla Fr./Sa., 24./25. Januar, 20.15 Uhr; So., 26. Jan.,18.15 Uhr; Mi., 29. Jan., 20.15 Uhr; Fr., 31. Jan., 20.15 Uhr; Sa., 1. Feb.,20.15 Uhr; So., 2. Februar, 15.15 Uhr; Zentrum Oberwis, Seuzach. Tickets: 25/15 Fr. (7 bis 16 Jahre). www.volkstheater-chrebsbach.ch/

Erstellt: 20.01.2020, 14:57 Uhr

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