Neftenbach

Einem Umtriebigen dicht auf den Fersen

Vor zweihundert Jahren ist der gebürtige Zürcher Salomon Landolt in Andelfingen gestorben. Verschiedene Gemeinden im Kanton gedenken dem vielseitig engagierten Staatsmann in einer Veranstaltungsreihe: In Neftenbach erfahren Besucher einer neuen Ausstellung, wie Landolt ortsansässig das Agrarsystem umzukrempeln wusste.

Selbstporträt zu Pferd: Salomon Landolt zu Pferd vor seinem Anwesen in Neftenbach 1813.

Selbstporträt zu Pferd: Salomon Landolt zu Pferd vor seinem Anwesen in Neftenbach 1813. Bild: Daniel Spiegel

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Wer Salomon Landolt kennt, der kennt ihn vielleicht als «Landvogt von Greifensee», als den ihn Gottfried Keller in seiner Novelle porträtierte: Fiktion und Wahres treffen sich da, es geht ums umtriebige und doch erfolglose Liebesleben des Staatsmannes, der Landolt war – ebenfalls umtriebig aber in diesem und vielen Feldern mit mehr Erfolg.

«Kaum einer kennt ihn mehr», sagt Riccardo Steiner, Präsident der Kulturkommission Neftenbach, der eine Sonderausstellung zu Landolt in Neftenbach kuratiert hat. Dem wirkt er entgegen: «Ein derart spannender Mensch», sagt Steiner, er habe sich liebend gerne in Werk, Wirken und die Zeit hineingefuchst, in der er lebte. Landolt kam 1741 in Zürich zur Welt und starb vor zweihundert Jahren, 1818, in Andelfingen.

Geschichte aus Leidenschaft

Dazwischen fing Landolt ein Architekturstudium in Paris an, schloss die Militärschule in Metz ab, gesellte sich in Berlin zu preussischen Offizierskreisen und wurde zurück in Zürich Mitglied des Grossen Rates und Präsident des Zunftgerichtes.

Auch in den Landgemeinden des Kantons Zürich hat Landolt seine Spuren hinterlassen, seine Bilder – auch gemalt hat er – etwa haben sich in Maur angesammelt, seine Hilfsaktionen bei der Überschwemmungskatastrophe 1778 in Küsnacht blieben dort unvergessen, an die Leistungen für die Agronomie erinnert das Anwesen in Neftenbach, das er 1813 für eineinhalb Jahre verwaltete und bewohnte: «Welche Figur hätte sich besser angeboten, um eine gemeinsame Veranstaltungsreihe in Angriff zu nehmen?», sagt Steiner, doktorierter Jurist und nicht erst seit seiner Pensionierung Hobbyhistoriker.

Er war damals im Vorstand des Vereins Zürcher Museen. «Erst war da die Idee, mit anderen Ortsvereinen und Kulturkommissionen gemeinsame Sache zu machen» – es war seine Idee – «dann kam Landolt». Entstanden ist eine liebevolle Ausstellung in den Räumen seines damaligen Anwesens, auf dem er die Ideen des Kleinjoggs verbreitete, indem er sie vorlebte: Kleinjogg, sein älterer Zeitgenosse Jakob Gujer († 1785), war auf dem Katzenrütihof bei Rümlang Wegbereiter der modernen Landwirtschaft, seine Ideen setzte Landolt um. Agrarreformer, der er war, setzte er nicht nur seine Kartoffelernte aufs Spiel, um den Bauern zu zeigen, wie man nie ein Feld brach lässt.

So fördert Landolt den Ackerbau und auch die Viehzucht, zumal er den Klee- und Kartoffelbau für Futterpflanzen zur Stallfütterung und Ochsenmast nutzte, um den Ertrag zu steigern.

Sechzehn Jahre für die Kultur

«Ohne diese Errungenschaften, zu denen Landolt seinen Beitrag leistete, wären die Bauern nicht vom Selbstversorger zum Landwirt, zum Unternehmer geworden, ohne sie hätte die Industrialisierung nicht ihren Lauf nehmen können, weil die Arbeiter nicht hätten ernährt werden ­können», sagt Steiner. Er, der in einem Team aus dem ganzen Kanton für Neftenbach zuständig war, hat dafür nicht nur ein Jahr lang grossen ehrenamtlichen Einsatz geleistet, er war auch sechzehn Jahre lang in der Kulturkommission der Gemeinde. Nun tritt er ab, «obwohl mir meine Arbeit immer viel Freude bereitet hat». Es sei an der Zeit. (Landbote)

Erstellt: 12.06.2018, 11:14 Uhr

«Mist geht über List»

Sonderausstellung zu Salomon Landolt im Keller des Herrenhauses an der Zürichstrasse 49 in Neftenbach.
Mittwoch, 13./20. und 27. Juni und 4. Juli, jeweils 17–19 Uhr;
Führungen nach Vereinbarung ­jederzeit möglich. T 052 315 13 89.

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