Illnau-Effretikon

Es geht um die Show

Sie spielen vierhändigen Boogie und liefern seit bald dreissig Jahren Unterhaltung für die grosse Bühne. Was dabei wohl hilft: Eine tiefe Abneigung für Wiederholungen. Jetzt kommt ihre neue Show.

Für den Boogie der Keller-Brüder Chris (links) und Mike, reichen zwei Hände nicht aus

Für den Boogie der Keller-Brüder Chris (links) und Mike, reichen zwei Hände nicht aus Bild: mad

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Es gibt diese Hotelpianisten, die in verträumter Einsamkeit melancholischen Jazz wie eine feine Decke über ihre Zuhörer werfen. Chris und Mike sind nicht so. Sie suchen nach der Show, die knallt.

Zum ersten Mal traten die beiden Pianisten als Gymnasiasten in der Aula Wetzikon auf, zu zweit spielten sie vierhändigen Boogie und trafen einen Nerv. Seit dann touren die zwei Brüder mit den schnellen Fingern durch die Schweiz und das nahe Ausland. Zusammen mit einer Band spielen sie Boogie für die grosse Bühne. Am 15. Mai feiern sie die Premiere ihres neuen Programms «Smile». Es ist bereits ihre elfte Produktion.

Nervosität nach 2000 Shows

Nur noch wenige Tage bis zur Premiere: Sie sitzen um einen Tisch im Stadthaussaal in Effretikon. Und wirken leicht gespannt. Auch nach rund 2000 Konzerten, die Chris Keller und Mike Keller seit dem ersten Auftritt bestritten, macht die Premiere des neuen Programms sie noch immer nervös.

«Ich habe in meinem alten Job irgendwann das gleiche zum vierten Mal erlebt»Chris Keller

Boogie wurzelt im Blues, er wird ein wenig schneller und auf dem Piano gespielt statt klassischerweise auf der Gitarre. Man hört die Verwandtschaft: die punktierten Takte, melancholische Harmonien und repetitive Muster. Dabei sind Wiederholungen etwas, das Chris und Mike sonst verabscheuen. Sie waren sogar der Auslöser, dass die beiden den Weg der Profimusiker einschlugen.

Auf und Ab im Geschäft

«Ich habe in meinem alten Job irgendwann das gleiche zum vierten Mal erlebt», sagt Chris. Er musste raus aus diesem bequemen, goldenen Käfig. Sein Bruder Mike schlug vor, voll auf die Musik zu setzen. Kein einfacher Plan. Chris wedelt mit seiner Hand wild auf und ab und malt eine wirre Zick-Zack-Linie in die Luft. «Das Musikgeschäft verläuft sehr unregelmässig», sagt er. Und Mike: «Wir haben uns dann umgeschaut und etwas Verwandtes gefunden», sein Blick geht in den Raum. Chris und Mike haben vor ein paar Jahren den Stadthaussaal in Effretikon übernommen und wurden selber zu Veranstaltern.

«Wir schauen auf die Dinge, die man als Künstler schätzt. Wir wissen, was man in solchen Situationen braucht»Chris Keller

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie schon viele verschiedene andere Veranstalter kennengelernt, sie haben in unzähligen Garderoben auf ihren Auftritt gewartet, sie haben Pianos, Lichter und all diese Kisten auf Bühnen hin- und wieder weggeräumt. Sie kannten das Geschäft, sie wechselten bloss die Seite.

«Wir schauen auf die Dinge, die man als Künstler schätzt. Wir wissen, was man in solchen Situationen braucht», sagt Chris. Die Künstler, die im Stadthaussaal halt machten, schwärmten vom Ort, sagt er. Der Anfang sei aber nicht einfach gewesen. «Es gab wohl Leute, die sich den Stadthaussaal anders vorgestellt haben», sagt Mike. Vielleicht wünschten sich ein paar Leute mehr Festbank-Feeling im Stadthaussaal. Etwas mehr Wurst und Brot.

Ein Podest für die Musik

«Das sind wir nicht. Wir sind ein Eventsaal für gute Anlässe.» Mittlerweile wisse man, was der Stadthaussaal bietet. «Wir konnten uns unser Publikum aufbauen und sind soweit akzeptiert», sagt Mike.

Im neuen Programm von Chris und Mike ist einiges etwas anders. Die beiden Pianisten fühlten sich etwas zu wohl mit ihrer Band. Also werden sie nun mit drei neuen Musikern das neue Programm starten, den Gitarristen behalten sie. «Es ist ein ganz neues Gefühl, wie wir zusammenspielen», sagt Mike.

«Das Publikum muss mitgerissen werden»Chris Keller

Denn das Wichtigste bleibt die Musik. Das müsse klar sein, sagt Mike. Aber um die Musik gut zu präsentieren, dafür brauche es eben das richtige Podest. Es braucht Licht, Bewegung, eine gute Dramaturgie, «Das Publikum muss mitgerissen werden», sagt Chris, denn wenn man das Publikum mitreisse, spiele man auch selber besser. Gegenseitig schaukelt man sich hoch, bis aus einem Pianovortrag eine Show wird, die knallt.

Die Premiere-Shows im Stadthaussaal sind ausverkauft. Weitere Konzerdaten auf boogie.ch

Erstellt: 13.05.2019, 16:58 Uhr

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