Illnau-Effretikon

Florence erlebt eine Achterbahn der Gefühle

Fünf Frauen und kein Mann. So geht es bis zur Pause von «Das ungleiche Paar» — und es fehlt gar nichts. Als aber zwei spanische Brüder hinzukommen, gewinnt die neue Inszenierung der Kleinen Bühne Effretikon noch an Komik.

Die Vorzeige-Hausfrau Florence (Brigitte Weinbörmayr, li.) müsste umdenken, findet aber einen Ort, wo sie so weitermachen kann wie bisher.

Die Vorzeige-Hausfrau Florence (Brigitte Weinbörmayr, li.) müsste umdenken, findet aber einen Ort, wo sie so weitermachen kann wie bisher. Bild: Marc Dahinden

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«Es muss schlimm sein, so allein zu sein», sagt Florence zu Olive. Florences Mann hat sich gerade von ihr getrennt, bei ihrer pragmatischen Single-Freundin hat sie Unterschlupf gefunden. «Das wird sich noch zeigen», antwortet Olive vielsagend, denn die Konflikte zeichnen sich schon ab. Keine kann heraus aus ihrer Haut; weder die stichelnde Zynikerin Olive (Marion Hüsser), noch Florence (Brigitte Weinbörmayr), die anderen meisterhaft Schuldgefühle einzupflanzen vermag. Die Frauen sind die weibliche Version einer Zweck-Wohngemeinschaft, die man im Kinofilm «Ein seltsames Paar» mit Jack Lemmon und Walter Matthau kennen und lieben gelernt hat.

An diesem Samstagabend geht das Stück im Spielsaal des Schulhauses Schlimperg über die Bühne. Rund 35 Zuschauer amüsieren sich bei Kuchen und Getränken köstlich. Obwohl die Kleine Bühne Effretikon auf ihrer Webseite informiert, dass «alle» Interessenten mitmachen könnten und dass man «Ihren Wünschen und Ihren Vorstellungen für Ihren Einsatz soweit als möglich entgegenkommt», scheint es nicht ganz einfach zu sein, Freiwillige zu finden. In seiner achten Saison hat sich der Verein wiederum eine Regie eingekauft, auch Darstellerinnen, die gar keine Vereinsmitglieder sind, machen mit. Dies darf als Effort gewertet werden, das Projekt professionell anzugehen, auch wenn sich der Zürcher Regisseur Christian Kempe selbst als «semiprofessionell» bezeichnet.

«Wenn sie  hereinkommen, zeigst du einfach auf den  Spanier deiner Wahl.»Olive

Vereinspräsidentin Marion Hüsser spielt also eine Hauptrolle, übrigens sehr authentisch. Claudia Bolliger, die von Anfang an dabei ist, gibt solide die etwas naive Pensionärin Vera. Nicole Kübler, die sich als Freundin Sylvie ebenfalls zum wöchentlichen Trivial Pursuit-Abend einfindet, dürfte noch in ihre Rolle wachsen. Zum ersten Mal spielt Rebecca Dütschler mit, die als toughe New Yorker Polizistin Mickey zwar nicht so viele Zeilen, aber viel Potenzial hat. Die sechste Frau, die im Rollenbuch vorkommt, konnte nicht besetzt werden. Den Text haben sich die anderen aufgeteilt.

Als Frauenversteher versucht

Als die spanischen Nachbarn Jesús und Manolo ins Spiel kommen, mit denen Olive etwas Abwechslung in ihr nicht existentes Liebesleben bringen will, dreht die Truppe komödiantisch auf. Selahattin Ulug und Christian Kempe möchten als Frauenversteher punkten. Damit landen sie zwar nicht auf Anhieb, aber als der Streit zwischen der frustrierten Olive und der peniblen, überzeugend verkörperten Florence eskaliert, zieht Letztere bei den Männern ein.

«Ich habe mich gleich gefragt, wie lange es dauert, bis ich dir auf die Nerven gehe.»Florence

Dass sich Frauen wie Männer benehmen, was als billiger Gag erwartet werden könnte, ist nicht der Inhalt dieser Spiegelung. Entlarvend sind vor allem Florences Passagen, wenn sie die anderen nervt und sie gleichzeitig subtil instrumentalisiert: «Besser man wird gemocht als gebraucht.» Neil Simon gibt seiner Screwball-Comedy einen überraschend schlichten Schluss: Versöhnung. «Big Girls Don’t Cry» (von 1962), ertönt aus dem Lautsprecher, ein fehlgeleiteter Regieeinfall, der die zeitliche Orientierungslosigkeit des Zuschauers noch verstärkt. Kostüme und Bühnenbild sollen die 1980er Jahre darstellen, ganz deutlich wird das nicht. Dies tut der respektablen Schauspielleistung jedoch keinen Abbruch. «Das ungleiche Paar» ist einen Besuch wert. (Landbote)

Erstellt: 30.10.2017, 14:49 Uhr

Das ungleiche Paar

3./4.11., 19.30 Uhr, Schulhaus Schlimpergstr. 18, Effretikon. 8., 10./11.11., 19.30 Uhr und 12.11., 16 Uhr, Altes Schulhaus, Lindstr. 1, Winterthur. Eintritt: Fr. 25/erm. 20.

Video

Szenen aus dem Film «Ein seltsames Paar» aus dem Jahr 1968

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