Elgg

Gegen das Vergessen

Eine Reise in die Vergangenheit führt in ein Schweizer Bergtal und zu Frauen, die sich durchkämpfen mussten. Schauspielerin Sarah Magdalena Huisman haucht diesen wahren Personen in ihrem Erzähltheater «Das grüne Seidentuch» neues Leben ein.

Autorin Marcella Maier und Schauspielerin Sarah Magdalena Huisman im Fru?hling 2013 in St. Moritz. Foto: PD

Autorin Marcella Maier und Schauspielerin Sarah Magdalena Huisman im Fru?hling 2013 in St. Moritz. Foto: PD

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Das Engadin im Wandel der Zeit. Eine Erzählung über das Schicksal von fünf Frauengenerationen im Bergell, dem tiefen Tal zwischen dem Malojapass und der italienischen Provinz Sondrio, die in den von Krieg und Armut geprägten Elendsjahren des ausgehenden 18. Jahrhunderts beginnt. Das verbindende Element in den Biografien ist ein grünes Seidentuch, das jeweils von Mutter zu Tochter weitergegeben wird. Im gleichnamigen Buch erzählt die Autorin Marcella Meier ihre Familiengeschichte. Ein Stück «oral history», das sie vor allem aus den Erlebnissen ihrer Grossmutter rekonstruiert hat und das sich seit seinem Erscheinen 2005 zu einem Best- und Longseller entwickelt hat.

Kein normales Theater

Aus diesem eindrücklichen und dichten Stoff hat die Zürcher Schauspielerin und Produzentin Sarah Magdalena Huisman vor einigen Jahren ein Erzähltheater geschaffen. «Das Buch hat mich sehr berührt, weshalb ich daraus ein Einpersonenstück konzipieren wollte. Ich habe Marcella Meier besucht und sie gab ihr Einverständnis. Daraufhin stellte ich ein kleines Team zusammen und die Regisseurin Renate Muggli brachte die Familiensaga in eine Bühnenfassung», berichtet sie.

Auf der Bühne erwachen die verschiedenen Frauen-, aber auch Männerfiguren durch Huisman zum Leben. Sie spielt Szenen vor und leiht den Charakteren ihre Stimme. Genauso erzählt sie aber auch vieles und liest Stellen aus dem Buch. Das Ganze natürlich in verkürzter Form, damit die umfassende Handlung den Rahmen eines Abends nicht sprengt – die Essenz der Geschichte geht dabei aber nicht verloren.

Positives Echo

Nach der Premiere im Sommer 2014 wurde das Erzähltheater bis heute über 30 mal aufgeführt, in der ganzen Deutschschweiz und bis ins Bergell. «Es ist ein zeitloser Stoff und das Thema interessiert die Menschen. Heute vergisst man die damaligen existenziellen Herausforderungen leicht, weil es allen gut geht», erklärt Huisman. Ursprünglich hätte Marcella Meier die Geschichte für ihre Töchter geschrieben, damit sie nicht vergessen ginge.

«Diese wahre Erzählung zeigt nicht nur anhand von starken Frauenfiguren auf, wie hart das Leben im Oberengadin damals war. Sie schildert auch die sozialen und zeitgeschichtlichen Veränderungen in diesem Tal»Hnaspeter Herzog

Die Idee der Publikation kam erst später. Die Autorin selbst hat das Stück mehrfach gesehen und sich offenbar sehr darüber gefreut. «Oft sagte sie: ‹Dass ich das noch erleben darf›. Im letzten Jahr starb sie dann im Alter von 97 Jahren», sagt die Schauspielerin. Auch Marcella Meiers Familie sah sich das Erzähltheater an und erklärte, stellenweise hätte sie dieses sogar mehr berührt, als das Buch. «Das ist für mich das grösste Kompliment. Wir haben die Menschen vorher nicht gekannt; dass wir sie so treffend wiedergeben konnten, bedeutet mir viel».

Vom Stück überzeugt

Hanspeter Herzog von der bald 30-jährigen Kulturkommission Elgg freut sich ebenfalls schon sehr auf den Abend. Seine Kollegin Käthi Barth, mit der er zusammen die Programmation organisiert, habe ihm das Buch empfohlen. Erst sei er ein wenig skeptisch gewesen – und dann davon begeistert. «Diese wahre Erzählung zeigt nicht nur anhand von starken Frauenfiguren auf, wie hart das Leben im Oberengadin damals war. Sie schildert auch die sozialen und zeitgeschichtlichen Veränderungen in diesem Tal». Weiter führt er aus: «An der Künstlerbörse in Thun, die wir jährlich besuchen, war Sarah Magdalena Huisman mit einem Stand vertreten. Wir haben sie für eine Vorstellung in Elgg gebucht, ohne das Stück vorher gesehen zu haben. Normalerweise machen wir sowas nicht», sagt Herzog. Warum man sich den Auftritt, für den es nach wie vor Tickets zu kaufen gibt, nicht entgehen lassen sollte, erklärt er so: «Wer das Buch gelesen hat, muss sich das Stück unbedingt ansehen, und wer es nicht kennt, wird es danach lesen wollen».

«Das grüne Seidentuch» – Erzähltheater: Samstag, 7. Dezember, 20 Uhr, Singsaal Primarschule im See, Elgg. Nach dem Auftritt Gespräch mit Sarah Magdalena Huisman und Apéro in der Bibliothek, Bücherverkauf durch den Büecher-Chorb Aadorf. www.kulturinelgg.ch

Erstellt: 05.12.2019, 16:39 Uhr

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