Region

Wie ist es, eine Galerie zu führen?

Nur vier private Galerien, die wechselnde Künstler ausstellen, wurden in der Landbote-Region für diese Umfrage gefunden. Die Betreiber erzählen, worauf es im Kunsthandel auf dem Land ankommt — und alle betonen «es ist ein schönes Hobby».

Herbert Heinzle

Galerie im Gemeindehaus Kleinandelfingen

Hintergrund: Die Weinlandgalerie gibt es seit 1997. Zuerst führte sie ein Ehepaar, dann eine Frau, die davon leben wollte. Sie gab nach einem Jahr auf. Mit meiner Frau Margot betreibe ich die Galerie seit fast 15 Jahren. Wir bekamen über den damaligen Gemeinderat die Möglichkeit, im Rahmen der Gertrude Geissberger Kulturstiftung. Ihr Mann war Kleinandelfinger, erst Maurer, dann Mediziner und Maler. Aus dem Stiftungsfonds entstand die Galerie. Wir führen sie selbständig und machen vier Ausstellungen pro Jahr.

Künstler: Da ich selbst Künstler bin, habe ich viele Kontakte, allerdings mehr in der Ostschweiz, wo ich auf die Kunstgewerbeschule St. Gallen ging. Wir suchen Künstler, die etwas können, die man aber noch bezahlen kann. Bis 2018 sind wir jedoch schon ausgebucht.

Erfolgsrezept: Man sollte in der Gemeinde gut verknüpft sein und man braucht einen langen Atem. Wichtig ist Herzblut und Freude am Kontakt mit Künstlern und Besuchern. In der Zwischenzeit haben wir viele treue Kunden aus der Winterthur-Region. Ich kann nicht oft genug wiederholen, wie wichtig die Pressearbeit ist, das spüren wir. Der Besuch von ortsansässigen Besuchern ist eher bescheiden, das habe ich auch schon beim Gemeinderat eingebracht, aber man kann die Leute nicht zwingen. Vor allem hätten wir gerne mehr junge Besucher.

Finanzielles: Die Künstler bezahlen einen Fixbetrag von 1000 Franken sowie eine Verkaufsprovision. Wir kümmern uns dann um alles: Einladungen, Vernissage, Finissage, Presseapéro. Wenn wir nichts verkaufen, legen wir drauf.

Tibor von Meiss

Kulturschmitte Zell

Hintergrund: Wir sind im 3. Jahr und haben die 11. Ausstellung. Die heutige Kulturschmitte Zell war früher schon mal ein Ausstellungsraum. Der Künstler Richi Heer hat 15 Jahre in dem Haus gewohnt. Deshalb kommen häufiger Leute, die es interessiert, den Raum wieder zu sehen. Ich verschicke jeweils 500 Einladungen in der näheren Umgebung. Es erscheinen regelmässig die gleichen Leute; zu den Vernissagen circa 20 bis 30. Sogar aus Zürich, Schaffhausen und Chur sind sie schon wegen eines Künstlers, den sie kannten, angereist.

Künstler: Ich suche den Mix zwischen ganz regionalen Künstlern und weiteren, die ich von der Galerie meiner Mutter in Wülflingen kenne. Es fragen mehr Künstler an als ich zeigen kann, die meisten kommen persönlich vorbei. Bis 2018, ja 2019 gibt es schon Buchungen.

Erfolgsrezept: Das Doppelkonzept, jeweils zwei Künstler — Skulpturen und Bilder — zu zeigen, zieht. Ich versuche von der Preisklasse her zu variieren, damit sich auch Normalverdienende etwas leisten können und jeder Interessent mal etwas findet. Zuerst liefen die Ausstellungen fünf Wochen lang, jetzt nur noch vier Wochen und 2018 werde ich es auf drei Wochen verkürzen. Dann haben die Leute mehr Motivation, sich die Sachen anzuschauen. Ich denke, es braucht die drei bis vier Jahre Anfangszeit, bis der Ort bekannter wird.

Finanzielles: Ich hatte erst eine Ausstellung, die nicht rentiert hat, wo ich draufgezahlt habe. Die Künstler zahlen nichts, ich erhalte 40 Prozent Provision, wenn etwas verkauft wird. Dafür investiere ich 500 bis 600 Franken fürs Marketing.

Heidi Marty

Kunst Oerlingen

Hintergrund: Vor vier Jahren sind mein Lebenspartner Rolf Besser und ich aus dem Kanton Schwyz nach Oerlingen gezogen, als wir das alte Primarschulhaus von 1865 gekauft haben. Das hat nicht jedem im Ort gefallen und wir wollten den Leuten etwas zurückgeben. Wir haben den Dachstock isoliert und weiss gestrichen, es ist jetzt hell und mit den alten Holzbalken ist eine schöne Galerie entstanden. Wir möchten dem Haus etwas von seinem öffentlichen Charakter zurückgeben und zeigen deshalb dreimal im Jahr eine Ausstellung.

Künstler: Durch den Zuzug kenne ich noch nicht so viele regionale Künstler; das Netzwerk könnte grösser sein. Ich bin zwar selbst künstlerisch tätig, möchte mich aber nicht so in den Mittelpunkt stellen. Im kommenden Jahr, wenn ich 60 werde, schenke ich mir jedoch eine Ausstellung.

Erfolgsrezept: In Oerlingen haben wir keine Laufkundschaft, waren aber überrascht, wie gut verkauft wurde. Heidy Vital hat zum Beispiel 40 Bilder gezeigt und 15 verkauft. Wir treten allerdings nicht als Galeristen auf, der Künstler muss selbst anwesend sein. Unsere Erfahrungen sind durchwegs positiv, wegen der schönen Begegnungen und Kontakte. Auch Leute, die wir lange nicht mehr gesehen hatten, kamen vorbei um zu sehen, was wir machen. Sonntags veranstalten wir «Kunst, Kaffee und Kuchen», da finden wunderbare Gespräche statt.

Finanzielles: Wir verlangen einen Fixbeitrag von 700 Franken, den sich zwei Künstler auch teilen können. Darüber hinaus erhalten wir 20 Prozent vom Erlös; Konditionen sind verhandelbar. Wir übernehmen den Druck, Web und Vernissage.

Thomas Eberhart

Uferzone Theilingen

Hintergrund: Als die Käserei von 1860 in Theilingen zum Verkauf stand, haben wir sie erworben: Oben wohnen meine Frau und ich, unten sind zwei Galerieräume und ihr Töpferatelier. Der neu gestaltete Naturgarten war die Anlieferungszone zu den Milchräumen. Jetzt sind dort Skulpturen und Objekte aufgestellt sowie schöne Plätze zum Sitzen und Diskutieren. Wir haben im Ende Juni aufgemacht, planen drei bis vier Ausstellungen pro Jahr und drei Veranstaltungen wie Lesungen, kleine Konzerte, Werkbesprechungen.

Künstler: Aus dem Projekt Künstlergruppe Salon C verfügen wir bereits über ein Portfolio, aber wir sind offen und besuchen Ausstellungen wie die Unjurierte. Wer heraussticht, mit dem suchen wir das Gespräch. Wir recherchieren aber auch im Internet, wer sich wie präsentiert.

Erfolgsrezept: Wir setzen auf Kunstvermittlung: Wenn Leute Mühe haben, etwas zu verstehen, versuche ich die Diskussion anzuregen — damit sich ein Tor auftut in eine Welt, wo sie sonst nicht so daheim sind. Erst sind sie skeptisch, aber wenn man über ein Werk redet, findet sie es recht spannend. Vor allem wenn sie die Geschichte und den Menschen dahinter kennenlernen. Wir hängen nicht nur das Bild auf, sondern auch die Studie dazu. Man muss heutzutage etwas Spannendes bieten und das kommunizieren wir auch über Facebook.

Finanzielles: Aus den Verkäufen erhalten wir 22 Prozent Provision sowie einen Grundbetrag vom Künstler, der in der Vergangenheit bei 980 Franken lag. Darin sind Transport, Einrichten, Apéro, Flyerdruck und Kommunikation inklusive. ()

Erstellt: 10.07.2017, 14:14 Uhr

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