Pfungen

Klänge aus den goldenen Jahren des Tangos

Die Ortschafft Kultur profiliert sich als Treffpunkt von Tango-Aficionados. Robert Schmidt stellt nun ein grosses Orchester vor: «Tango Federal» spielen Musik zum Zuhören und zum Tanzen.

Das Orchester «Tango Federal» um Robert Schmidt (Zweiter von rechts, untere Reihe) spielt in Pfungen.

Das Orchester «Tango Federal» um Robert Schmidt (Zweiter von rechts, untere Reihe) spielt in Pfungen. Bild: PD

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Im Januar trafen sie sich erstmals zum Proben im Saal der «Ortschafft Kultur», nun präsentieren sie die Ergebnisse ihres beseelten Zusammenspiels: Die rund 14 Musiker des «Tango Federal Orquesta Típica Suiza». «Ich würde uns knapp unterhalb der Profiliga der Tangoszene verorten», sagt der Gründer Robert Schmidt. Die Mitwirkenden kommen zum grossen Teil vom Konservatorium Winterthur, aber auch aus Luzern, Uri und Neuenburg reisen sie an. «Bandoneonisten sind in der Regel Autodidakten, da man das Instrument in der Schweiz nicht studieren kann», erklärt der Orchesterleiter. Das Bandeon ist eine Art Handorgel. Gleich vier davon sind vertreten, dazu kommen vier Geigen, Celli, Kontrabass, Querflöte und Klavier. Das Ensemble ist weiteren Interessenten gegenüber aufgeschlossen.

«Auch die schöne Tradition eines Sängers und einer Sängerin möchte ich forcieren.»Robert Schmidt, Pianist

Die Leitidee des Ensembles ist, den unverstärkten Orchesterklang der goldenen Jahre des argentinischen Tangos wiederzubeleben. Deshalb besteht das Repertoire auch aus den Klassikern der berühmtesten Orchester: Carlos di Sarli, Juan D’Arienzo, Osvaldo Pugliese, Miguel Caló, Aníbal Troilo, Francisco Canaro. Sie repräsentieren die prägenden Stilrichtungen, speziell aus den 1930er bis 1950er Jahren. «Auch die schöne Tradition eines Sängers und einer Sängerin möchte ich forcieren», sagt Schmidt. Nur ein Problem gibt es; die Partituren aus dieser Zeit liegen nicht für alle Stimmen aufgeschrieben vor. Der Tangospezialist hört die Noten aus den Aufnahmen heraus und schreibt sie für seine Mitspieler nieder. Beim Konzert spielt er dann selbst das Klavier.

Das wunderbare Bündnis der Musiker

Bei seinem allerersten Auftritt am Samstag wird «Tango Federal» insgesamt 45 Minuten in zwei Sets spielen, zum Zuhören und Tanzen. Denn das schwingende Eichenparkett des restaurierten alten Gemeindesaals ist dafür gemacht. Wie immer wird der Saal stimmungsvoll beleuchtet sein und eine offene Bar (gegen Spende) bieten. «Den Begriff ‹federal-föderal›, für den ja auch die Schweiz steht, musste ich erst lernen», sagt der geborene Bonner. «Er passt aber wunderbar für das Bündnis und den Zusammenhalt, den wir bilden.» Bei den von ihm seit zwei Jahren organisierten Tanzveranstaltungen in Pfungen sollen immer Live-Formationen spielen. Inputs am Klavier gibt Schmidt jedoch auch bei seinem Tangokurs für Anfänger und Wiedereinsteiger (dienstags, 18 bis 18.50 Uhr) oder bei der «Practilonga», Tangotanzen und Musikalität (dienstags, 19 bis 21 Uhr).

Während der Sommerferien – Schmidt arbeitet zudem als Klavierlehrer an der Jugendmusikschule Winterthur – hatte er Besuch in Pfungen. Mit drei befreundeten Tangomusikern aus seiner Zeit in Berlin nahm er eine CD im Ortschafft-Saal auf. Bei 30 Grad hätten sie geschwitzt, aber in einer Woche die 14 rund dreiminütigen Stücke aufgenommen und abgemischt. Das Album «Milonga soñada» ist gerade erschienen (siehe Box). «Die CD ist ohne Druck entstanden, das hört man ihr auch an», sagt der Pianist dazu. Die Melodien würde er manchmal träumen, er komponiere also im Schlaf – daher auch der Titel «träumende Milonga».

Premiere Tango Federal Samstag, 21. September, ab 19.30 Uhr, Live-Auftritt ca. 20.30 Uhr. Hinterdorfstr. 10, Pfungen. Eintritt: Fr. 20.

Erstellt: 16.09.2019, 11:45 Uhr

Neuerscheinung

Milonga Soñada

Als Produktion der Ortschafft Kultur ist soeben die CD «Milonga Soñada» des «Quarteto Tango Bravo» erschienen. Komposition, Arrangement und Klavierpart stammen von Robert Schmidt, am Bandoneon ist Michael Dolak, Stephanie Gonsior spielt Violine und Tomás Rosler Kontrabass. Die 14 kurzen Tracks, die aus Schmidts Leben inspiriert sind, orientieren sich an den Hörgewohnheiten traditioneller Tangofans. Technisch einwandfrei und kontrolliert gespielt, wechseln sich klassische Soundeffekte und Stilformen geradezu vorhersehbar ab. Einige Kompositionen fanden sich bereits auf der «Tangotronics: Libero!»-CD. (gsp)

https://ortschafftkultur.ch/shop/

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