Elgg

Klare Formen, die handwerklich perfekt ausgeführt sind

Die Galerie Cuendet zeigt in einer Doppelausstellung Objekte, Skizzen und Stahlbau von Bernhard und James Licini.

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Ein Werk aus Stahl steht im hinteren Teil des Kultursaals Bärenhof. Es ist eine Konstruktion aus Doppel-T-Trägern. Im Hintergrund an der Wand hängen Quadrate, je 21 auf 21 Zentimeter. 14 Stück davon sind gerostet, 11 schwarz, auch sie sind aus Metall.Die Wandobjekte stammen vom 63-jährigen Bernhard Licini aus Bubikon, der schwere Stahlbau von dessen Onkel, dem 82-jährigen James Licini, der in Oberwil wohnt. Er hat sich als Eisenplastiker Mitte der Neunzigerjahre schweizweit einen Namen gemacht.

«In der Doppelausstellung wollen wir zeigen, wie sich die Handschriften der Licinis unterscheiden», sagt Lucia Angela Cavegn. Die Winterthurer Kunsthistorikerin hat sie zusammen mit Galerist Michel Cuendet kuratiert. Die Werke von Bernhard und James Licini sind sowohl in der Galerie als auch im Kultursaal Bärenhof nebenan zu sehen.

Berufe im Metallbau

Gemeinsamkeiten gibt es dennoch einige. Beide Licinis haben Berufe im Metallbau erlernt. James Licini arbeitete als Schmied, später als Eisenleger auf dem Bau, dann als Kassen- und Bauschlosser. Er selber nennt sich nicht Künstler, sondern «Stahlbauer». Sein Neffe Bernhard lernte Schlosser. Beide legen grossen Wert auf das Handwerk und auf eine präzise Ausführung. «Und beide haben ein gutes Gefühl für eine klare Formengestaltung und austarierte Proportionen», sagt Cavegn. «Ihre Kunst ist so ehrlich wie sie selbst.»

Der vollendeten Form begegnet man auch in der Ausstellung. Das Schaffen von James Licini mit den stählernen Doppel-T-Trägern betont die Vertikale. Von weitem lässt sie beispielsweise an ein Hochhaus denken, vielleicht an den Prime Tower in Zürich. Eine Plastik aus Hohlprofilen in der Galerie könnte ein Labyrinth in 3-D sein. Auch diese ist sauber verarbeitet, die Kanten sind abgeschliffen. Je nachdem, von welcher Seite man sie betrachtet, entsteht erst ein «Bild», dann, wenn man sich bewegt, wirkt sie plastisch und aus einem anderen Blickwinkel entsteht ein weiteres, neues «Bild».

«Jedes Material hat seine eigene Sprache.»Lucia A. Cavegn, Kuratorin

James Licinis Objekte sind dem Architekten Cuendet sympathisch, weil sie an den Bau erinnern. «Diesen Materialien begegne ich in meinem Berufsalltag immer wieder.» Die Doppel-T-Träger stützen beispielsweise eine Decke, wenn eine tragende Wand entfernt worden ist. Ebenso «architektonisch» wirken James Licinis Skizzen, die bisher kaum gezeigt wurden. Es sind etwa Konstruktionszeichnungen, die mit einem «Kugelroller für Metalloberfläche» auf «industriellem Packpapier» gefertigt sind.

Schönheit erkennen

Bernhard Licins Werke betonen eher die Ästhetik. Sie sind reliefartig und feiner als diejenigen seines Onkels, auch wenn sie aus ähnlichem Material bestehen. Ausgenommen sind die weissen Platten aus Dibond – ein Material, das oft für Fotodrucke verwendet wird – mit ausgeschnittenen Kreisen, die teilweise farbig hinterlegt sind.

Die Werke der Licinis haben eine beruhigende Wirkung, ist Kuratorin Cavegn überzeugt. Es brauche Zeit, sich auf sie einzulassen. Nur so könne man die Schönheit der Oberfläche und die unterschiedliche Patina aller Objekte erkennen. Klar ist für sie auch, dass diese Werke nochmals anders wirken, wenn man sie anfasst. «Jedes Material hat seine eigene Sprache», sagt sie. (Der Landbote)

Erstellt: 22.04.2019, 20:15 Uhr

Cuendet Kunstgalerie

Objekte – Skizzen – Stahlbau

Cuendet Kunstgalerie und Kultursaal Bärenhof, Obergasse 3, Elgg. Vernissage: Do, 25. April, 19.30 Uhr. Öffnungszeiten: Fr 9 bis 12.30 Uhr und 14 bis 18 Uhr, Sa + So 10 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung.
www.cuendetkunst.ch

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