Zell

Kunst zwischen Ernst und Witz

Die Herbstausstellung der Kulturschmitte Zell mit Werken von Susann Dubs und Regula Juzi heisst «Nebenschauplätze». Nebst schwarzen Löchern und schwarzen Schafen gibt es dagezeichnete Abfallsäcke und gemalte Auktionsangebote zu sehen.

Wenn Eisbären Wärme schultern: Kritische Kunst in der Kulturschmitte Zell.

Wenn Eisbären Wärme schultern: Kritische Kunst in der Kulturschmitte Zell. Bild: Enzo Lopardo

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Susann Dubs und Regula Juzi teilen einige Gemeinsamkeiten: Sie unterrichten beide an der Kantonsschule Rychenberg in Winterthur Kunst und Gestalten und verfolgen freie, oftmals mehrjährige Projekte. Darüber hinaus interessieren sie sich für Beiläufiges, Nebensächliches und Dinge, die man nicht mehr gebraucht.

Schwarze Löcher, weisse Eisbären

Eine dieser Work-in-Progress-Serien sind die schwarzen Löcher, die Regula Juzi seit 2016 fotografisch festhält. Ob Abflussrohr, Nagelloch oder Bohrloch – das schwarze, in die Tiefe führende Rund zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich. Ihre Typologie der schwarzen Löcher besitzt schon fast philosophischen Charakter und lässt einen über das sinnieren, was sich hinter dieser wiederkehrenden, in ihrer Einfachheit fast abstrakt wirkenden Form verbirgt.

Die Wiederholung ist Regula Juzis Stärke. Ein anderes Betätigungsfeld ist die dreidimensionale Darstellung von Tieren mit unterschiedlichsten Materialien. Passend zu Weihnachten hat sie auf den Fenstersimsen eine Gruppe von weissen und eine Gruppe von schwarzen Schafen aus roh gebranntem Ton aufgestellt.

Das wollige, dicke Fell hat die nach eigener Aussage sehr schnell arbeitende Künstlerin vorzüglich charakterisiert. Auch ihre Eisbären aus weiss glasiertem Ton zeugen von einer genauen Beobachtungsgabe und einem ausgeprägten Talent, das Typische, in diesem Falle den watscheligen Gang, hervorzukehren.

Eisschollen können ebenfalls erworben werden. Ein paar Eisbären dienen gleichzeitig als Kerzenständer, tragen also Licht und Wärme auf ihrem Rücken. Als Last? So dekorativ die drolligen Tiere auch sein mögen, unweigerlich fühlt man sich bei deren Anblick an den Klimawandel erinnert.

So ein Unding, mit dem man sich ungern abgibt, ist der Abfallsack. Meistens steht er im Weg. Er ist das Symbol für all das, was wir nicht mehr haben wollen, von dem wir uns entlasten. Diesen kathartischen Vorgang nennt man gemeinhin Entsorgung. An und für sich ein profaner Akt. Bei Susann Dubs wird der verfemte Gegenstand bildwürdig. Sie hält ihn in grossformatigen Kugelschreiberzeichnungen minutiös fest. Die kunstvollen Schraffuren machen den Abfallsack zum Hingucker.

Künstlerische Aufwertung vermeintlichen Abfalls

In ihrer neuesten Serie namens «Ricardo 1 Fr» befasst sich Susann Dubs mit billigsten Auktionsangeboten, die oft gestartet werden, um eine Sache vor dem Gang in den Mülleimer zu retten.

Die Künstlerin überträgt in fotorealistischer Manier Bildschirmbilder auf farbig grundiertes Papier. Die sehr gekonnt ausgeführten Farbstiftzeichnungen besitzen den Charme alter, ausgeblichener Farbfotografien. Sie entbehren nicht eines gewissen Witzes, weil die vielfach schlechte Aufnahmequalität und die teils absurden Bildausschnitte durch den Transfer in ein anderes, dauerhaftes Medium einem erst recht bewusst werden.

Ungeachtet dessen, welche dieser Billigst­angebote der Entsorgung anheimfielen oder davor bewahrt wurden, die von der Künstlerin herausgepickten sind nun verewigt und besitzen nun – als Abbild – mehr Wert als vorher.

Mit ihrer Stillleben-Malerei beweist Susann Dubs viel Humor, ohne jedoch die Abfallproblematik unter dem Teppich zu kehren oder als Nebenschauplatz zu deklarieren.

«Nebenschauplätze»: Bilder von Susann Dubs, Fotografie und Objekte von Regula Juzi. Kulturschmitte, Hinterdorfstr. 1, Zell. Öffnungszeiten: samstags 14–18 Uhr, sonntags 12–17 Uhr und täglich nach Vereinbarung. Sonntagsanwesenheiten der Künstlerinnen: 7., 14. und 21. Oktober. Finissage: Sonntag, 28. Oktober, ab 15 Uhr mit Monozoo, Einfrauband Ursula Maurmann (Kollekte). www.kulturschmittezell.ch (Der Landbote)

Erstellt: 09.10.2018, 11:20 Uhr

Regula Juzi.

Susann Dubs.

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