Wildberg

Larissa Baumann sang einst in Pyongyang, nun tritt sie in der Kirche Wildberg auf

In Nordkorea wollte man ihr vorschreiben, was sie singt. Aber Larissa Baumann setzt sich charmant musikalisch durch.

Larissa Baumann singt am Sonntag in Wildberg.

Larissa Baumann singt am Sonntag in Wildberg. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie hat ihr Metier von klein auf gelernt und arbeitet nun schon seit einigen Jahren als Profimusikerin: Larissa Baumann aus Islikon präsentiert ein unterhaltsames Weihnachtskonzert in der Kirche Wildberg. Ihren «ganz eigenen Sound» verspricht die Sängerin dort mit ihrer fünfköpfigen Band. Auch ein Stück der im März 2020 erscheinenden EP (Minialbum) stellt sie vor, «When I Close My Eyes». Dabei an ihrer Seite, oder besser gesagt als Backing Vocals hinter ihrem Rücken, ist ihre Schwester Mitcho Baumann. «Gerade weil sie meine Schwester ist, passen die Stimmen zusammen», sagt die 31-Jährige, «bei unseren Sprechstimmen hört man fast keinen Unterschied.»

Die Besucher erwartet englischsprachiger Gospel und eine von Blues und Soul angehauchte Sängerin. An den Keyboards steht Angelo Signore, Giampiero Colombo spielt Gitarre, Urs Nüssli Bass sowie Hannes Würgler Schlagzeug.

Mit Musik aufgewachsen

«Ich habe viel Glück gehabt», sagt sie zu ihrer bisherigen Laufbahn, die an der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen mit einer musikfokussierten Matur begann. «Wir sind mit viel Musik aufgewachsen», erzählt die junge Künstlerin, die drei Jahre in Hettlingen wohnte. «Ich habe aber auch viel gearbeitet, damit ich von der Musik leben kann.» Seit drei Jahren könne sie nun ihren Traum beruflich verwirklichen. Türen hätten sich aufgetan, auch dank ihres langjährigen Mentors, des Countrymusikers Jeff Turner.

«Mein Stil ist sehr bluesig, mit vielen mehrstimmigen Parts, die Texte transportieren eine positive Message, und alles wird live gespielt»Larissa Baumann

Auf einem Geburtstagskonzert lernte sie dann Bruno Pfenninger von der Konzertorganisation Musiktage Wildberg kennen. Dieser war wiederum von ihrem Auftritt so begeistert, dass sie die Einladung zum traditionellen Weihnachtskonzert am 4. Advent erhielt. Zu hören sind Stücke wie «Have Yourself a Merry Little Christmas», «Holy Night/Stille Nacht», «Put Your Hand in the Hand», die einmal Elvis Presley sang. «Mein Stil ist sehr bluesig, mit vielen mehrstimmigen Parts, die Texte transportieren eine positive Message, und alles wird live gespielt», sagt Larissa Baumann, die ebenso das Klavier beherrscht. Früher habe sie auch Hintergrundmusik auf «Cüpli-Events» gemacht, erzählt die Thurgauerin.

Auftritt in Nordkorea

Sie habe nicht immer gewusst, ob sie Musikerin werden solle, deshalb machte sie das Studium zur Sekundarlehrerin – natürlich mit dem Fach Schulmusik. Doch schon 2014 ereilte sie eine ungewöhnliche Anfrage einer Schweizer Künstleragentur: «Die suchten jemanden für das Frühlingsfestival in Pyongyang, denn die Schweiz war noch nie dabei gewesen.» So sang sie ein Lied von Andrea Bocelli in der Hauptstadt Nordkoreas und gab insgesamt neun Konzerte, auch vor hohen Politikern und Funktionären. «Ich habe mich zuvor mit dem Land auseinandergesetzt und bin der Meinung, Musik kann Völker zusammenbringen.»

Deshalb wählte sie für ihr Programm ein koreanisches Lied, das im Norden wie im Süden bekannt ist. Das kam ihr zugute, als sie eingeladen wurde, im Radio ein parteiverherrlichendes Stück zu singen – da konnte sie stattdessen das koreanische Volkslied auf Französisch anbieten. «Es war eine Gratwanderung, aber ich war nicht als politische Person da», erklärt sie, «ich wollte etwas präsentieren, das frei ist.» Überraschungen erwarteten sie aber genauso im europäischen Raum, als sie beispielsweise auf einer sizilianischen Hochzeit nur ein «Kinder-E-Piano» ohne Mikrofonanlage vorfand. Am Ende wurden noch die Noten vom Wind weggeblasen.

«Es ist ein langer, fordernder Weg, der sich aber extrem lohnt», ist ihr Resümee der letzten fünf Jahre mit ihrer Profiband. Auf dem kommenden Album mit acht Stücken wird sie eigene Songs vorstellen: Geschichten, die das Leben schreibt, ob es eigene oder die von anderen sind. «Wenn man versucht, etwas zu verstecken, gibt es laue Sachen», ist ihr Credo. «Ich weiss nicht, wo mich die Kunst noch hinträgt.» Die nächste Station ist erst mal Wildberg.

Larissa Baumann & Band, Sonntag, 22. Dezember, 17 Uhr (Abendkasse: 16.30 Uhr). Kirche Wildberg. Tickets: 40 bis 50 Fr. www.musiktage-wildberg.ch (red)

Erstellt: 17.12.2019, 08:07 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben