Wila

«Manchmal muss man ein strenger Oberpfleger sein»

Michael von der Heide gastiert mit seinem neuen Programm Hinderem Berg in der Region. Im Interview erzählt er, warum man Schweizer Liedkultur nicht nur gewissen Leuten überlassen sollte — und was er über die Zürcher denkt.

Michael von der Heide greift in seinem «Hinderem Berg»-Programm Schweizer Liedgut auf.

Michael von der Heide greift in seinem «Hinderem Berg»-Programm Schweizer Liedgut auf. Bild: PD

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Mit der Hinderem Berg-Tournee kommen Sie gerade auch in kleinere Orte wie Wila. Wie fühlt sich das an für Sie?
Michael von der Heide: Sehr gut. Ich bin ja selbst auf dem Dorf aufgewachsen, in Amden. Ich kenne diese Strukturen und finde leicht einen Zugang zu den Leuten.

Aber ein Auftritt in einem Mehrzwecksaal ist schon nicht das gleiche wie in einem schönen Zürcher Theater.
Mehrzweckhallen sind von den meisten Künstlern nicht die Lieblingsorte, vor allem, was die Licht- und Bühnentechnik betrifft, aber ich habe vermehrt gemerkt, dass die Erfahrung und meine Lieder mir helfen — und das Publikum, wenn man eins wird.

Wie bewerkstelligen Sie das; mischen Sie sich unter das Volk?
Ich mache das nicht wie im Musikantenstadl, sonst haben die Leute noch Angst, dass ich mich ihnen auf die Knie setze. Aber ich bin auch Conferencier. An kleineren Orten kann ich relativ schlagfertig sein, gehe auf die Situation ein und nehme zum Beispiel etwas Lokalpatriotisches auf.

Und in Zürich ist das nicht so einfach?
Zürich ist ein bisschen versnobt. Die denken oft, das kenne ich schon, das habe ich schon gesehen. Dann merkt man: Nett geht’s hier nicht. Da muss ich dann dominant, ein strenger Oberpfleger auf der Bühne sein. (lacht) Hier sind die Leute dankbar.

Das neue Programm bietet nicht so viel Neues. Positiv ausgedrückt ist es ein «Best of».
Wir spielen meine Schweizer Lieblingssongs: vom kabarettistischen «Eusereine chönnt das au» von Margrit Rainer, über «Campari Soda» bis «Stehts in Truure». Hinderem Berg ist aber auch ein Projekt, wo ich mich im Hintergrund auf etwas Neues vorbereiten kann.

Schweizer Liedgut und Inhalte sind auch Zeitgeist.
Als ich anfing, vor einem Vierteljahrhundert, da war es etwas verpönt. Mir fehlten Vorbilder. Es gab nur Polo Hofer oder Rock. Aber das Viersprachige in der Schweiz hat mich interessiert. Man darf das Schweizer Liedgut nicht nur gewissen Leuten überlassen, das gehört uns allen! Es muss von diversen Leuten interpretiert werden und soll nicht nur in der heimatlichen, Heimweh-Ecke bleiben.

Ihr Idol ist Paola.
Sie war schon mit neun Jahren mein grosses Vorbild, das habe ich ja verarbeitet. Heute schaue ich schaue mir gerne ältere Künstler auf der Bühne an. Auf Reisen, zum Beispiel in Paris oder London, gehe ich auch gerne in Jazzkeller, die es zum Glück noch gibt. Dann stelle ich fest: Es wird immer noch mit Wasser gekocht. Talent reicht, eine gute Idee. Das beruhigt mich oftmals.

Dabei werden die Inszenierungen immer aufwändiger.
Mit meinem Bühnenauftritt bin ich wieder ganz am Anfang. Da denke ich an das französische Chanson, wo zwei Lichteinstellungen reichen. Ich war auch bei Madonna im Hallenstadion, da kann ich aber nicht mithalten — auch tänzerisch nicht! Und nur multimedial einen Film im Hintergrund laufen zu lassen, damit etwas läuft; das reicht mir dann auch nicht. Dann lieber pur.

Aber mit Begleitmusikern.
Genau, ich habe Martin Buess an Gitarren und Mandoline sowie Daniel Gisler, aus der Region Winterthur, am Piano dabei.

Hat die musikalische Rückschau auch mit Ihrem Alter zu tun? Sie sind jetzt 46.
Kurz vor 50! Ich kann auch nicht mit Scheuklappen durchs Leben gehen. Das sehe ich, wenn ich in den Spiegel gucke. Das kommt natürlich auch als Reflex von aussen, von den Menschen, mit denen man zu tun hat. Man hat schon so viel gemacht, ist so weit herumgekommen. Ich habe soeben in Chile gesungen, in Russland, Weissrussland, Bosnien und vielerorts in Europa. Das Schweizerische führt mich überall hin.

Sind das Engagements als Schweizer Vorzeigekünstler für Pro Helvetia?
Nein, nein. Beispielsweise werde ich mit Inszenierungen von Christoph Marthaler an Festivals geladen. Da hören sie mich und engagieren mich daraufhin. Oder man hat mich am Eurovision Song Contest gesehen.

Dann war das keine schlechte Erfahrung?
Es war eine grosse Erfahrung. (Landbote)

Erstellt: 25.01.2018, 15:54 Uhr

Hinderem Berg-Tour

Samstag, 10. Februar, 20 Uhr. Schulhaus Eichhalde, Eichhaldenstr. 23, Wila. Karten: Fr.30/15 (Kinder).

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