Illnau-Effretikon

Mehr als eine mittelalterliche Burg

Auch am 4. Schweizer Schlössertag ist die Kyburg wieder dabei, diesmal unter dem Motto «Spielen! Jouer! Giocare!»

Mehrere Ritterspiele werden in der Kyburg anlässlich des Schlössertags angeboten.

Mehrere Ritterspiele werden in der Kyburg anlässlich des Schlössertags angeboten. Bild: ste

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Kyburger Ritterspiele und Familienführungen (11 Uhr, 13 Uhr, 15 Uhr) locken an diesem Sonntag auf die Burg. Neben «Spielen wie anno dazumal» werden Malen und Zeichnen sowie ein Quiz angeboten. Ausserdem dürfen Kleider und Rüstungsteile anprobiert werden. «Die historischen Kleider üben immer einen besonderen Reiz auf unsere Besucher aus», weiss Ursina Largiadèr, die Leiterin Vermittlung von Schloss Kyburg. «Halskrausen und Schnürbrüste müssen jedoch kontextualisiert werden: Wie bewege ich mich darin, was macht das mit mir?» Gemeinsam mit einem Pool freier Mitarbeiter organisierte sie im vergangenen Jahr 282 Führungen, Kinderprogramme und Erzählnachmittage. Von den insgesamt 30427 Besucherinnen und Besuchern entfielen rund 1200 Eintritte auf Schulklassen, die sogar aus Bern oder dem Tessin anreisten.

Ritterspiele für die Kleinen

Mehrheitlich besuchen Familien das reizvolle Gemäuer in den Schulferien oder an Wochenenden. Aber auch Schulklassen nutzen die Möglichkeit einer klassischen Burgführung. «Das Schwergewicht liegt auf der Mittelstufe», sagt Ursina Largiadèr, «vermehrt kommen in den letzten Jahren auch Kindergartenklassen.» Mit dem Thema Märchenschloss knüpft das Vermittlungsprogramm an deren Erfahrungswelt an. Am Sonntag gibt es das Angebot «Fest im Sattel!», eine Kissenschlacht auf dem Balken. So wie sich die Ritter früher über Burggräben bekämpften, soll man sich auf dem Balancierbalken aus dem Gleichgewicht bringen – wobei in der Kyburg eine Schwimmnudel als Lanzenersatz dient.

«Die historischen Kleider üben imme einen besonderen Reiz auf unsere Besucher aus.»Ursina Largiadèr, Leiterin Vermittlung Schloss Kyburg

Das Angebot «Gespannt – Getroffen!» richtet sich an alle, die einmal die Armbrust ausprobieren möchten. «Die meisten Kollegen haben einen spezifischen historischen Hintergrund», erklärt Ursina Largiadèr, «hier stellt ein Hobby-Bogenschütze sein Wissen zur Verfügung, er ist Experte für Militärgeschichte». Die Teilnehmer lernen den Unterschied zwischen dem Bogen und der Armbrust, wo das Spannen wegfällt, kennen. «In der Burgverteidigung wurden Armbrüste erst im späten Mittelalter eingesetzt, zuvor aber bereits als Jagdwaffe.» Die Berufskrieger waren den Langbogen gewohnt, doch die Armbrust konnte man leichter bedienen, wobei die Bolzen erst noch eine grössere Spannkraft hatten.

Wasser war stets ein Thema

Das dritte Spielangebot heisst «An die Winde, Kessel hoch!» und erinnert an das Problem der Wasserversorgung auf einer Burg. Die Wasserquelle war ganz zentral zum Überleben. Der Ziehbrunnen sei ohnehin ein Publikumsmagnet von den Kleinsten bis zu den Erwachsenen, sagt Ursina Largiadèr. «Es ist nicht ganz einfach, dass sich der Eimer füllt, wenn man ihn heruntergelassen hat.» Mit dem Seil müsse man etwas nachhelfen, vor allem, weil der Wasserstand nach zwei heissen Sommern so niedrig sei.

Die Besucher können auch Fragen zum Brunnenbau stellen und erfahren, dass die Wasserqualität ein stetes Thema war. Der zweite Brunnen in der Kyburg wurde durch eine Quellfassung von ausserhalb des Dorfes durch den ehemaligen Burggraben über Holz-Teuchelleitungen gespeist. Das funktioniere heute noch. Die Instandhaltung ist ein wichtiger Aspekt hinter den Kulissen des Schlosses.

Auch wenn bei den Kyburger Ritterspielen das Mittelalter im Fokus steht, ist es den Mitarbeitern ein Anliegen, die späteren Phasen der Burg ebenso zu präsentieren. «In der neuen Ausstellung betonen wir, dass das Leben auf Schloss Kyburg über die Ritterzeit hinaus geht – bis ins 20. Jahrhundert.» Es gab nicht nur die Grafenburg, sondern auch ein frühneuzeitliches Landvogteischloss des Stadtstaates und Verwaltungszentrums Zürich. Seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts fungierte das Haus als private Museumsburg und wurde vor 100 Jahren vom Kanton zurückgekauft.

Wenn die Anlage am 1. November in die Winterpause geht, prüft Ursina Largiadèr, was an der neuen Ausstellung vermittlungstechnisch optimiert werden kann. «Nicht alles, was man szenografisch geplant hat, funktioniert; manches zwar für den einzelnen Besucher, aber nicht für Schulklassen. Das kristallisiert sich erst im Praxistest heraus.» Sie wird Vertiefungstexte bereitstellen, den Audioguide ergänzen und die Wechselausstellung vorbereiten. «Dann ist Luft für die neuen Themen.»

4. Schweizer Schlössertag: Sonntag, 6. Oktober, 10 bis 17 Uhr. Schloss Kyburg. Eintritt: Fr. 12/Stud. + Lehrl. 9/Kinder (6-16 J.) 5.

Erstellt: 03.10.2019, 11:19 Uhr

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