Dachsen

«Meine Aufgabe ist es, die Dinge beim Namen zu nennen»

Der «10 vor 10»-Moderator Arthur Honegger stellt in einem Fotovortrag sein Buch «Ach, Amiland!» vor. Im Interview spricht er über den Unterschied zur Schweiz, sein Selbstverständnis als Trump-kritischer Journalist und er hat eine Frage an die Dachsener.

Auch hinter der Kamera: Arthur Honegger.

Auch hinter der Kamera: Arthur Honegger. Bild: PD

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Sie waren sieben Jahre SRF-Korrespondent in den Vereinigten Staaten von Amerika. Nun ist Ihr zweites Buch über dieses Land erschienen. Hatten Sie schon früher eine Affinität zu den USA? Immerhin bezeichnen Sie sich auf Twitter als «Stallonisten», also Rocky-Film-Fan.
Ja, den Begriff habe ich selbst erfunden. Sylvester Stallone in der Rolle des Boxers Rocky war Kult. Wenn man in den Achtzigern, Neunzigern gross wird, kommt man an der amerikanischen Kultur nicht vorbei. Bis heute ist auch die Snowboarder- und Skater-Subkultur Teil meines Lebens, die kommt ja auch aus den USA. Aber bis ich dann ins Land gereist bin, hats doch gedauert, da war ich 25.

Der Bildband, den Sie zusammen mit Ihrer Frau Henna gestaltet haben, heisst «Ach, Amiland!». Wie soll man das verstehen?
Wir wollten bereits im Titel die Ambivalenz ausdrücken, die das Wesen des Buchs ausmacht. Jeder soll seine eigene Perspektive finden auf das Land, über das viel berichtet wird. In den letzten Jahren vor allem durch eine politische und News-Brille – aber ein Land ist mehr.

Welches ist Ihr Lieblingsfoto?
Das Cover ist mein Lieblingsbild. «Last Man Standing» zeigt einen Mann vor einer heissen Quelle, der Grand Prismatic Spring, einer Art Regenbogenfelsen im Yellowstone-Nationalpark. Kennt man sonst von Luftaufnahmen. Meine Frau hat die Szene aber flach von der Erde aus festgehalten, zudem in Schwarz-weiss, und so die Dampfschwaden und die Person ins Zentrum gerückt. Der Mann im Bild sucht ebenfalls einen anderen Blickwinkel. Es vereinigt fotografisch verschiedene Perspektiven und bringt den Titel auf den Punkt.

Die USA präsentieren sich seit dem Amtsantritt von Donald Trump als gespaltene Nation. Auch Sie beziehen politisch Stellung, wie Ihnen von Christoph Mörgeli in der «Weltwoche» vorgehalten wurde.
Habe ich gelesen, nachdem mich jemand darauf hingewiesen hat.

Mörgeli attestierte Ihnen, sich als Neuropathologe zu betätigen, weil Sie in der Sendung «#SRFglobal» aussprachen: «Das Problem sitzt im Kopf des Präsidenten» – und das, obwohl Sie ein unabhängiger Journalist sein sollten.
Ich halte es für einen Teil der journalistischen Aufgabe, die Amtsführung von Donald Trump kritisch zu begleiten, ich würde das nicht als irgendwie parteiisch bezeichnen. Die genannte Aussage in «#SRFglobal» fasst zudem einfach das Trump-Buch des amerikanischen Journalisten Bob Woodward zusammen. Natürlich habe ich auch selbst einige kritische Wertungen vorgenommen. Meine Aufgabe ist es ja, die Dinge beim Namen zu nennen, gerade in Zeiten wie diesen, wo Politiker wie Trump sämtliche Normen sprengen. Die Öffentlichkeit soll sich bewusst sein, welchen Weg sie wählen will, das ist Teil des demokratischen Prozesses.

Ihren Twitter-Account überschreiben Sie mit dem Satz eines Journalisten aus der McCarthy-Ära, Edward R. Murrow: «Unsere grösste Verpflichtung ist, Parolen nicht mit Lösungen zu verwechseln.» Woran denken Sie dabei?
Das scheint mir einer der wichtigsten Grundsätze überhaupt: In Bezug auf Trump kann man etwa über die Einwanderung diskutieren, aber zu sagen, wir bauen eine Mauer und fertig, das ist noch keine Lösung. Wir dürfen Parolen nicht mit Politik verwechseln – auch wenn viele sich mit Ersterem zufriedengeben.

Im Vorwort schreiben Sie über Ihre Rückkehr in die Schweiz: «Es war, als wäre man gerade aus einem Traum aufgewacht.» Sind die USA Ihr Traumland? Werden Sie zurückgehen?
Ich würde es nicht ausschliessen, aber jede Phase des Lebens hat ihre Zeit und ihren Ort. Vielleicht später einmal. Mit dem Traum meinte ich: Es ist gegenüber der Schweiz doch eine andere Welt; ein schnelles, dynamisches Land, in dem alle Extreme ausprobiert werden. Nach acht Jahren kommt man zurück und stellt fest, was für eine Kontinuität und Stabilität man in der Schweiz hat.

Ihr Vortrag bietet auch Raum für Zuschauerfragen?
Den Leuten brennt zum Thema so viel auf der Zunge, da gibt es meist noch längere Diskussionen. Für mich ist es eine gute Rückmeldung, was das Publikum bewegt.

Und was würden Sie die Dachsener fragen?
Als Bündner würde mich interessieren: Fühlen sie sich mehr zu Schaffhausen oder zu Zürich hingezogen?

Vortrag «Ach, Amiland!»: Mittwoch, 13. Februar, 20 Uhr, Aula der Primarschule Dachsen, Dorfstr. 3. Eintritt frei.

Erstellt: 07.02.2019, 16:27 Uhr

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