Schaffhausen

Mit Trümpfen in der Hand spielts sich besser

Es gab einmal eine Zeit, als die meisten Jasskarten der Schweiz aus Neuhausen stammten. Und weitere Spiele.

Bild: zvg

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Jassen darf als Schweizer Nationalvergnügen bezeichnet werden, seine Wurzeln liegen jedoch im Orient. Mit den Sarazenen gelangte es im Mittelalter nach Europa, regionale Formen entstanden. In die Schweiz sollen es niederländische Söldner und Werber für holländische Regimenter ab circa 1770 gebracht haben. Die erste Erwähnung dieser neuen Freizeitbeschäftigung stammt aus der Stadt Schaffhausen: Dort wurden im Ratspro­tokoll vom 21. November 1796 vier Männer angezeigt, die dem Jass «verfallen» gewesen seien. Über die Strafe für extensives Jassen ist nichts bekannt.So passt es aber, dass auch die Spielkartenfabrik AG Müller, die sich zu einem weltbekannten Unternehmen entwickeln sollte, auf eine 1828 gegründete Schaffhauser Werkstatt zurückgeht. Zu Beginn wurden die Karten noch in Handarbeit hergestellt. Johannes Müller und später sein Sohn entwickelten jedoch bald erste Produktionsmaschinen.

Bahnbillette wurden nötig

Mit dem Aufkommen der Eisenbahn wurden auch Billette gebraucht; das hatte Müller auf einer Reise in England entdeckt. Für seine Firma war das ein idealer neuer Geschäftszweig. Ab 1855 stellten sie die bedruckten Kärtchen für Bahnbetriebe in ganz Europa her und wurden Marktführer in der Schweiz.

Nun kamen auch noch Papiere für die Steuerung von mechanischen Webstühlen hinzu (1894) und bald brauchte es ein grösseres Fabrikgebäude, das in Neuhausen gebaut wurde. Das Unternehmen wuchs weiter und erreichte 1970 den höchsten Personalbestand seiner Geschichte. 1999 hingegen erfolgte die Übernahme durch die belgische Firma Carta Mundi, die die Fabrikation in der Schweiz einstellte.

Mit Glück und Verstand

«Beim Kartenspiel sind Verstand und Glück gleichermassen gefordert», sagt der Kurator für Kulturgeschichte im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Daniel Grütter. «Das macht Kartenspiele so reizvoll.» Er ist ausgewiesener Experte für die grösste Spielkartensammlung der Schweiz, die an seinem Arbeitsort lagert. Bereits seit der Museumsgründung 1928 werden dort systematisch Spielkarten gesammelt. Rund 16 000 verschiedene Kartenspiele gehören zu ihrem Bestand, dazu eine Spezialbibliothek von über 300 Titeln.

Aus Tarock wird Tarot

Ein spannendes Segment der Kartenspiele sind die Tarotkarten. Als «Tarock» ist bereits ein Spiel aus dem 15. Jahrhundert in Italien bekannt. Die esoterische Konnotation erfolgt erst mit Antoine Court de Gébelin (1719– 1784), der behauptet, dass die 22 Trumpfkarten ein Abbild des menschlichen Lebens und des kosmischen Geschehens seien. Die Leute beginnen, mit diesen «Tarotkarten» weiszusagen.

Künstler waren zu jeder Zeit von Kartenspielen fasziniert, wie die Erzählung «Pique Dame» von Puschkin, das Ballett «Jeu de cartes» von Strawinsky oder der James-Bond-Film «Casino Ro­yale» belegen. Bereits im 16. Jahrhundert wurden mit dem Spieltrieb auch andere Gelüste befriedigt. So entstanden Blätter mit nackten Herz-Königinnen oder Buben mit blankem Hintern. In der prüden Biedermeierzeit kamen solche Enthüllungen allerdings erst zum Vorschein, wenn man die Karte gegen das Licht hielt.

Lernen dank Karten

Bis heute werden Spielkarten aber auch zum Lernen eingesetzt. Überliefert ist, dass Louis XIV zu seinem sechsten Geburtstag vier Lernspiele erhielt: «Die Könige Frankreichs», «Geografie», «Die Fabelwesen» und «Berühmte Königinnen». Es dauerte nicht lange, bis diese Karten auch im Volk kursierten und als Vorbild für weitere Lernspiele dienten. (Landbote)

Erstellt: 21.09.2017, 16:49 Uhr

Kunsthistorische Sammlung im Museum zu Allerheiligen

Klosterstr. 16, Schaffhausen. Di–So, 11 bis 17 Uhr. Eintritt: 12/9 Fr. (erm.), 1. Sa im Monat frei.

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