Elgg

«Raku hat etwas Archaisches»

Die Raku-Keramik von Karin Müller ist nur eine der Handwerkstechniken, die man bei der Schau «Kreativität ohne Altersgrenze» kennen lernt.

Eine stimmige Kollektion von Raku-Objekten präsentiert Karin Müller aus Elgg an der Ausstellung.

Eine stimmige Kollektion von Raku-Objekten präsentiert Karin Müller aus Elgg an der Ausstellung. Bild: Johanna Bossart

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«Lass es geschehen – wie das ­Leben ganz allgemein.» Karin Müller drückt in einem philosophischen Satz aus, worum es bei Raku geht, dieser in Japan entwickelten keramischen Brenntechnik. Im Alter von 79 Jahren nehme sie ohnehin jeden Tag, wie er komme. Sie sei fit, plane aber nichts mehr, auch nicht künstlerisch. Dafür hat sie eine Arbeitsroutine entwickelt: Einmal im Jahr besucht sie einen Töpferkurs im Centovalli. Die dort entstandenen Stücke bringt sie dann zum Beispiel an einer Verkaufsausstellung in Aadorf unter die Leute. Bei «Kreativität ohne Altersgrenze» ist Karin Müller nach 2014 bereits zum zweiten Mal dabei, das letzte Mal habe sie sehr gut verkauft. Sie und die anderen 29 älteren Frauen und Männer nennen sich Kunsthandwerker «in der dritten Lebensphase».

Offen bleiben für den Zufall

Beim Raku wird die Keramik bei über 1000 Grad dem heissen Ofen entnommen, dann kühlen die Gegenstände in einem Behälter mit Sand, Stroh oder Laub ab. Charakteristisch für Raku sind auch die schwarzen Haarrisse in der Glasur, die entstehen, wenn Kohlenstoff eindringt und sich im Tonscherben einlagert. Hat man die Töpferarbeit beim Brand in eine spezielle Kapsel gegeben und Holz, Moos oder auch Metallsalze beigefügt, hinterlassen diese Spuren auf dem unglasierten Objekt.

«Als Stier im Sternzeichen habe ich das Erdverbundene sehr gern.»Karin Müller

Raku hat also viel mit Urvertrauen zu tun, das beinhaltet zufällig Entstehendes – Karin Müller sieht darin auch etwas Archaisches. Sie versuche, Feinheit in die Werke hineinzubringen; nicht so grob an die Töpferei heranzugehen wie andere. «Mein Lehrer sagt immer: ‹Rolle es nicht zu fein aus›, aber mir ist noch nie etwas kaputt gegangen.» Man sieht ihren sorgfältig ausgeführten Arbeiten das ästhetische Gespür der Töpferin an; ihre Arbeit hat etwas Gediegenes.

Klöppeln und filochieren

«Als Stier im Sternzeichen habe ich das Erdverbundene sehr gern», kommentiert Müller ihre Vorliebe für Raku. In ihrem Haus in Elgg sieht man nichts Überladenes; sie selbst ist dezent mit schwarzer Hose und grauer Strickjacke gekleidet. Auch ihr Mann ist künstlerisch tätig. Er malt, und seine Bilder passen sich in den gleichen natürlichen Farbtönen ungegenständlich dem Ambiente des Hausinneren an.

An der Ausstellung in Aadorf wird ganz unterschiedliches Kunsthandwerk zu sehen sein: aus Holz, Glas, Stein, Metall, Filz und Stoff. Zwei Teilnehmerinnen zeigen, wie sie klöppeln, eine weitere, wie sie filochiert. Auch beim Holzschnitzen und Korbflechten kann man zuschauen. Sogar Weihnachtskrippen und -figuren sind bereits im Angebot. (Landbote)

Erstellt: 30.10.2017, 15:46 Uhr

7. Kreativität ohne Altersgrenze

Fr 18–21 Uhr, Sa 10–17 Uhr, So 10–16.30 Uhr. Gemeinde­zentrum Aadorf, Gemeindeplatz 1. Eintritt frei.

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