Wiesendangen

Russische Kosaken-Gesänge in der Kirche

Sieben Stimmen lassen nächste Woche die reformierte Kirche in Wiesendangen erbeben. Der Ural Kosaken Chor erinnert damit an seinen ehemaligen Kollegen Ivan Rebroff.

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Mit russischer Volksmusik und Gesängen der russisch-orthodoxen Liturgie tritt der Ural Kosaken Chor nächsten Dienstag in der reformierten Kirche Wiesendangen auf. Das Programm huldigt aber auch dem im deutschsprachigen Raum wohl bekanntesten Mitglied des Chores: Ivan Rebroff (1931 bis 2008).

Der als Hans Rolf Rippert geborene Berliner sang von 1956 bis 1960 bei den Ural Kosaken, davon zehrt der Emigrantenchor noch heute und präsentiert das Programm «Erinnerungen an Ivan Rebroff».

Ins Guiness Buch geschafft

Reinhard Scheuble aus Mägenwil, der den Chor in die Schweiz holte, hat Rebroff, der mit seinem Stimmumfang von über vier Oktaven ins Guinness Buch der Rekorde kam, zwar nicht mehr live erlebt. Trotzdem hat ihn das Gesangsvolumen des Chores schwer beeindruckt. «Es war purer Zufall, als ich 2005 als Dirigent des örtlichen Männerchors die Anfrage einer Konzertagentur bekam», erzählt er.

«Sie suchten Auftrittsorte für den Ural Kosaken Chor». Scheuble fädelte es so ein, dass sein eigener Chor vor den Gästen sang, und zwar auch räumlich. «Der Plan war, ein Lied gemeinsam vorzutragen, die Kosaken standen auf Podiumsstufen hinter uns.» Nach der ersten Strophe verstummten die Schweizer: «Unsere Leute waren so geplättet von den Stimmen, dass sie nicht weitersangen. Sie reden heute noch davon.»

Persönliche Freundschaft

Mit dem ukrainischen Chorleiter Vladimir Kozlovsky entwickelte sich für den Mägenwiler auch eine persönliche Freundschaft. Er organisierte weitere Konzerte und achtete darauf, dass die Musiker nicht mehr über Nacht von Nürnberg nach Hamburg fahren mussten, sondern in einer Region gastieren konnten.

Verantwortung empfinden

Kozlovsky und seine Mannen vom Chor bedankten sich, als sie zur völligen Überraschung des Ehepaars Scheuble in der Kirche standen, um im Gottesdienst zu ihrer Goldenen Hochzeit zu singen. Scheuble, der 75 Jahre alt wird, spricht von der grossen Verantwortung, die er für den Chor empfindet: «Es sind nicht nur die Sänger, sondern ganze Familien, die dahinterstehen.»

In Paris gegründet

Der Ural Kosaken Chor wurde 1924 von Andrej Scholuch in Paris gegründet, wohin zarentreue Kosaken, die bereits französisch sprachen, nach der Russischen Revolution 1917 geflüchtet waren. Zur Pflege ihrer Lieder und Tänze bildeten sich verschiedene Ensembles.

Während Scholuch noch ein kriegserfahrener Offizier gewesen war, leiteten später ausgebildete Musiker die Formation, unter anderem Alexander Skovitan, der Sohn der Sängerin Alexandra. Das Konzert vom Dienstag in Wiesendangen wird mit sieben Sängern inklusive dem Dirigenten bestritten. Der Eintritt ist frei, die Kollekte dient als Gage für die Musiker.

Ural Kosaken Chor: Dienstag, 28. Januar, 19 Uhr, in der Reformierten Kirche Wiesendangen. Weitere Infos: www.ural-kosaken-chor.com

Erstellt: 23.01.2020, 16:02 Uhr

Wer sind die Kosaken?

Die sehr heterogenen Gruppen der Kosaken können auf fast 600 Jahre Geschichte zurückblicken. «Kosak» beschrieb freie Krieger, ähnlich Landsknechten oder Freibeuter. Es waren oft geflohene Leibeigene, Bauern aus dem heutigen Russland und der Ukraine. Sie bildeten Reiterverbände, die gegen andere Nomaden in den weiten Steppen kämpften. Circa ab 1600 wurden sie sesshaft und bildeten unabhängige Gemeinden, so dass auch Frauen und Kinder dazu zählten. Kosaken erschlossen riesige Gebiete, Sibirien und den Nordkaukasus, agierten dort auch als Fluss- oder Seefahrer. Der kosakische Pelztierhändler Deschnjow gilt als der wahre Entdecker der Behringstrasse. Über ihre Kämpfe, für die Zaren, gegen die Türken, auch gegen Napoleon, dann im russischen Bürgerkrieg und sogar auf der Seite Hitlers, nahmen Einheiten Einfluss auf die europäische Politik. Dabei wurden sie manchmal brutal verfolgt, richteten selbst aber auch Progrome unter Juden und Polen an. Es ist bezeichnend, dass Kosaken teilweise auf unterschiedlichen Seiten gegeneinander kämpfen mussten. Seit der Perestroika gibt es gleichgesinnte «Neo-Kosaken».

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